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Scharfe Krallen der Greifvögel schnappen bei „Spectaculum“-Auftritt von Klaudia Brommunds Horus-Falknerei zu

Hühnchenhappen aus der Hand – in vollem Tempo

Bückeburg. Hätten Sie gewusst, dass der Begriff „blutiger Anfänger“ aus der mittelalterlichen Falknerei stammt? Damals floss das Blut bei Lehrlingen in dieser ebenso edlen wie anspruchsvollen Jagdkunst nämlich sehr schnell, wenn ihre bloßen Finger die ersten Male mit den scharfen Schnäbeln und Krallen der Greifvögel in Berührung kamen. Das und noch vieles mehr über Greifvögel, ihre artgerechte Haltung, die Jagd mit ihnen und ihre Bedeutung im Mittelalter erfahren die Besucher der Falken-Flugschau auf dem Mittelalterlich Spectaculum sowohl am vergangenen wie auch am kommenden Wochenende.

veröffentlicht am 14.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:41 Uhr

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Schon oft war Falknerin Klaudia Brommund mit ihren Greifvögeln, den Wolfshunden und den Frettchen auf dem großen Mittelalter-Event zu Gast. Im Sommer des Jahres 2002 führte ihre Horus-Falknerei das morgenländische Märchen „Sheherazade“ auf, und anno 2007 gastierten Brommund und ihre Mitstreiter an beiden Wochenenden mit einer Greifvogelschau und sorgten außerdem mit einem gemeinsam Auftritt mit dem Stelzentheater „Feuervogel“ vor dem Bückeburger Schloss für den Hingucker der Saison.

Im Mittelalter war ein Jagdvogel „sein eigenes Gewicht in Gold wert“ beschreibt Klaudia Brommund die Kostbarkeit von Falken oder Habichten zur damaligen Zeit. So wird beispielsweise von Kaiser Friedrich II. von Hohenstauffen überliefert, er habe die Freundschaft mit Sultan al-Kamil von Ägypten mit dem Geschenk eines Falken gewonnen und somit für einen Sieg der Diplomatie im ansonsten so blutigen Ringen von abendländischen Kreuzrittern und morgenländischen Sarazenen um die heilige Stadt Jerusalem gesorgt.

„Das tägliche Jagdtraining mit dem Schlagen von Beute ist die einzige wirklich artgerechte Haltung für einen Greifvogel“, ist Klaudia Brommund überzeugt. Und der Vogel sieht wiederum im Falkner sehr viel weniger ein „Herrchen“ oder „Frauchen“, das ihm Befehle wie einem Hund geben könnte, sondern allenfalls einen gleichberechtigten Partner, der ihm bei der Jagd ein wichtiges Stück Arbeit abnimmt. „Greifvögel sind da sehr viel eher katzen- als hundeartig“, erklärt Brommund dem Publikum. „Der Schlüssel zur erfolgreichen Jagd ist positive Motivation.“ Die kann allerdings bei widrigen Bedingungen auch schon mal auf der Strecke bleiben. Dass Greifvögel bisweilen einen ganz eigenen Kopf haben können, bewies beispielsweise der Harris Hawk namens Krümel, als er sich während einer Vorführung lieber ein schattiges Plätzchen auf einem hohen Baum suchte, statt bei brütender Hitze hinter der Beuteattrappe herzujagen. Klaudia Brommund nahm’s gelassen: „Keine Flugschau ist nun mal wie die andere.“

Die angehende Falknerin Doreen Hüttemann mit Harris Hawk Krümel.

Ansonsten sind Harris Hawks im Gegensatz zu ihren heimischen Verwandten sehr gut für Jagdübungen mit Publikum geeignet. „Sie zeigen sich nämlich viel lieber als europäische Habichte.“ Harris Hawks sind sogenannte Deckungsjäger: Im Anflug auf die Beute fliegen sie in geringer Höhe über das Publikum hinweg. „Sie brauchen die Köpfe nicht einzuziehen“, beruhigt Falknerin Brommund die Zuschauer. „Wenn sie es doch tun, animieren Sie den Vogel nur, noch tiefer zu fliegen.“ Harris Hawks jagen in freier Natur in der Gruppe, wobei sie sich über sogenannte morphogenetische Felder miteinander verständigen. Interessant: Das Töten obliegt den Weibchen, weshalb für die Flugshows ihre etwas umgänglicheren männlichen Artgenossen besser geeignet sind.

Mit schier unglaublichen Fluggeschwindigkeiten wartet der Gerfalke auf, der seit dem Mittelalter für die „Beizjagd“ eingesetzt wird. Der aus dem mittelalterlichen Sprachgebrauch stammende Begriff lautet ins Hochdeutsche übertragen „Bissjagd“, da der Falke einen enorm scharfen und kraftvollen Beißschnabel besitzt, mit dem er seine Beute durch einen Biss in den Nacken tötet. Ganz mutige Spectaculum-Besucher können während der Falken-Flugschau dem Gerfalken mit Namen Alaska ein Stück Hühnchenfleisch auf der ausgestreckten Hand reichen, um zu erleben, wie sicher und exakt der Greifvogel zwischen Geflügel und Menschenhand zu unterscheiden versteht.

Auch am kommenden Wochenende gastieren Klaudia Brommund und ihre Horus-Falknerei an beiden Veranstaltungstagen des Mittelalterlich Spectaculum jeweils zwei Mal mit ihrer Falken-Flugschau in der Turnierarena. Im Rahmen der Schau ist mit der Offenbacherin Andrea Tigges-Angelidis die viertbeste deutsche Bogenschützin zu Pferde mit ihrer Araberstute Safira zu erleben.




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