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Gewässerwart: Abwasser hat Fischsterben ausgelöst / Tiere sind erstickt / Landkreis sieht ein Rätsel

Hülse: Fischereiverein will Anzeige erstatten

Lauenhagen (gus). Die Ursache des Fischsterbens in der Hülse zwischen Stadthagen und dem Mittellandkanal ist offenbar weitgehend geklärt: Abwasser hat die Tiere ersticken lassen. Fraglich ist aus Sicht des Landkreises allerdings noch, woher das Abwasser stammt.

veröffentlicht am 17.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:22 Uhr

Für Gewässerwart Frank Scholz vom Fischereiverein Schaumburg-Lippe liegt auf der Hand, dass häusliches Abwasser in den Bach gelangt ist. Der Experte nimmt außerdem an, dass dieses Wasser aus der Stadthäger Kläranlage stammt. Schließlich begann das Fischsterben gleich hinter einer Einleitestelle des Betriebs.

Zudem gebe es zwei Zeugen, die milchiges Wasser aus der Einleitestelle haben fließen sehen – unmittelbar bevor die Fische verendeten. Dies bestätigt Holger Eberhard, Mitarbeiter der Kreisverwaltung und vertretend auch für die Kläranlage zuständig. Um 21.15 Uhr am vergangenen Sonntag habe einer der Zeugen zudem beobachtet, wie die Fische anfingen, aus Sauerstoffnot aus dem Wasser zu springen.

Scholz hat noch weitere deutliche Belege: die Ergebnisse der Probenauswertung. Diese haben ergeben, dass ein chemischer Sauerstoffbedarf von 310 Milligramm pro Liter herrschte. Normal seien 40 Milligramm. Dieser Wert belegt indirekt die organische Belastung des Wassers. Befindet sich eine große Menge organischer Substanzen darin, dann binden diese die Sauerstoffmoleküle des Wassers, was den Sauerstoffbedarf erhöht.

Scholz geht noch weiter. Er rechnet damit, dass der Sauerstoffbedarf in den Minuten nach der schicksalhaften Einleitung über 3000 Milligramm lag. „Dann sind die Fische innerhalb von fünf Minuten tot“, sagt er. Der Grund für seine Annahme: Die Probe, die er am Montag entnahm, sei bereits stark verdünnt gewesen. Zusätzlich zum hohen Sauerstoffbedarf ermittelte Scholz einen hohen Amoniumstickstoff-Gehalt.

All dies lässt für ihn keinen anderen Schluss zu, als dass Klärwasser den Umweltschaden verursacht hat. Und Schulz weiß, wovon er spricht. Als Umwelttechnischer Assistent eines Unternehmens in Nordrhein-Westfalen ist er fast täglich mit dem Auswerten von Wasserproben beschäftigt. „Ich beprobe ständig Kläranlagen“ betont Scholz.

Auch wenn der Landkreis erst am Mittwoch mit dem Endergebnis der eigenen Probenauswertung rechnet – an den Ergebnissen, die der Gewässerwart vorlegt, zweifelt Eberhard nicht. Er sieht sich dennoch vor einem Rätsel. Wie soll Klärwasser dieser Beschaffenheit über die Einleitestelle in die Hülse gelangen?, fragt er sich. „Es gibt auf der Anlage kein Wasser, was diesen Weg nehmen würde“, sagt Eberhard.

Selbst der Augenzeugenbericht erhellt dies in den Augen des Landkreis-Mitarbeiters nicht. Denn wenn es sich um Klärwasser gehandelt habe, hätten auch die Teiche, in denen die Flüssigkeit zuletzt gelagert habe, milchig sein müssen. Dies sei nicht der Fall gewesen. Eine Havarie sei ebenfalls nicht dokumentiert worden.

Möglich sei, dass jemand anderes häusliches Abwasser in die Einleitestelle hat fließen lassen. Dies wiederum schließt Scholz weitgehend aus. Es sei im fraglichen Zeitraum nichts Derartiges beobachtet worden. Zudem hatte der Gewässerwart bereits in der Wochenmitte darauf verwiesen, dass einige Fische bereits vor dem Sonntag verendet sein müssen, weil sie bereits zu verwesen begannen. Dann hätte ein Unbekannter gleich zweimal unerlaubt Abwasser in die Hülse leiten müssen.

Eine weitere Möglichkeit, das Rätsel zu lösen, schiebt Eberhard vom Tisch. Täglich halten Tanklaster auf dem Gelände der Kläranlage und leiten Molke eines Rehburger Milcherzeugnisse-Produzenten ein. Aber selbst wenn solch ein Tanklaster ausgelaufen wäre, hätte die Flüssigkeit nach Ansicht Eberhards nie und nimmer die Hülse erreicht.

Scholz sieht jetzt keinen anderen Weg, als Anzeige gegen unbekannt zu erstatten. Er will sich intern noch mit weiteren Mitgliedern des Fischereivereins Schaumburg-Lippe beraten und dann entscheiden, wie vorzugehen ist. In jedem Fall sollen die Probenergebnisse der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt werden.




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