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Vor Gericht: Bewährung für zwei Bückeburger – belastende Aussage sollte verhindert werden

Hund entführt, um das Herrchen zu erpressen

Bückeburg (ly). Um eine belastende Aussage vor Gericht zu verhindern, haben zwei Bückeburger den Hund eines Zeugen als Druckmittel eingesetzt. Einer von ihnen lockte das Tier in den Wald. Der Besitzer des Vierbeiners fuhr mit seinem Mofa hinterher. Im Forst wartete bereits der Entführer (47), wenn man ihn so nennen will. Mit einem Knüppel in der Hand drohte er dem Herrchen Schläge an. Der Hund saß brav daneben.

veröffentlicht am 23.08.2012 um 21:40 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:41 Uhr

In einem weiteren Fall verlangte der zweite Mann (38) von dem Opfer, eine gegen ihn gerichtete Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung zurückzuziehen. Andernfalls sollte der Hund erschossen, dem Besitzer unter anderem ein Ohr abgeschnitten werden. Hintergrund ist ein Streit, in dem der Tierfreund von dem 38-Jährigen eine Whiskyflasche auf den Kopf bekommen hatte. Ungeachtet aller Drohungen kam es im November vergangenen Jahres zum Prozess vorm Amtsgericht, das den jüngeren Bückeburger verurteilte. Zuvor hatte der Hundebesitzer ausgesagt.

In dem tierischen Fall, um den es jetzt ging, hat das Schöffengericht gegen beide Männer Bewährungsstrafen verhängt, einmal fünf, einmal 15 Monate. Mit ihrer Entscheidung folgten die Richter dem Antrag von Staatsanwältin Denise Homann. Damit das Urteil nicht nur auf dem Papier steht, muss ein Angeklagter 50 Stunden gemeinnützig arbeiten, der andere 100. „Es tut mir leid, dass es so weit gekommen ist“, ließ der 38-Jährige über seinen Verteidiger Alexander Berndt verlauten. „Das war dumm. Für den Mist, den ich baue, möchte ich auch geradestehen.“

Die beiden Angeklagten wohnen im selben Haus. Früher waren sie mit dem dritten Mann befreundet. Deshalb ließ sich der Hund problemlos in den Wald locken. Die Entführung hat dem Tier offenbar nichts ausgemacht. Dass auch der 47-Jährige den Hund eingesetzt hat, um eine Anzeige gegen seinen jüngeren Kumpel zu verhindern, ließ sich im Prozess nicht nachweisen, liegt aus Sicht der Richter aber nahe. Der Besitzer hatte das Tier von einem Angeklagten gekauft, angeblich aber bis heute nicht bezahlt. „Da wird es noch einen Zivilprozess geben“, kündigt Verteidiger Ralf Jordan an.

Im Strafverfahren kam einiges zusammen: Unterschlagung (des Vierbeiners), Erpressung, Nötigung, Bedrohung, Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Im Haus der Täter waren nämlich knapp 20 Gramm Schwarzpulver aus Silvesterböllern sowie einige scharfe Patronen gefunden worden. Beide Bückeburger sind reichlich vorbestraft, wie es vor Gericht hieß. Der ältere Mann hat ein Register mit 15 Eintragungen, ist zuletzt allerdings zehn Jahre nicht mehr in Erscheinung getreten. Knasterfahrung bringt er mit.

Das Opfer in diesem Prozess „toppt die beiden Angeklagten noch“, so Anwalt Berndt. „Nach meiner Kenntnis hat Herr (...) 16 Vorstrafen.“ Richter Dirk von Behren bestätigte, dass der Mann „amtsbekannt“ sei. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass er hier der Geschädigte ist.“ Seinen Vierbeiner hatte der Hundebesitzer übrigens gegen eine Armbanduhr zurückbekommen.

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