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Grundschule Haste und Obsthof Brüggenwirth nehmen das Schulobstprogramm selber in die Hand

„Ich mag Äpfel schon lieber als Schokolade“

Haste (tes). Während die Landesregierung noch über das Schulobstprogramm diskutiert, ist der kostenlose Apfel für die Kinder der Grundschule Haste längst Wirklichkeit geworden – dank einer Initiative vom Obsthof Brüggenwirth.

veröffentlicht am 02.04.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 14:22 Uhr

Schokoriegel als Pausenbrot? Völlig „out“ in der Grundschule Haste. Jeden Mittwoch ist in der Schule Apfeltag. Wenn der Obsthof Brüggenwirth die frischen Vitaminbomben liefert, stehen die 265 Schüler bereits Schlange. Vorbild ist das von der EU geförderte Schulobstprogramm, das in Nordrhein-Westfalen bereits angelaufen ist. „In Niedersachsen ist das gecancelt worden, weil es zu teuer sein soll“, erklärt Karl-Walter Brüggenwirth seine Motivation aktiv zu werden und regelmäßig frisches Obst zu spenden. Schulleiterin Birgit Flacke-Schröder betont, wie wichtig es für Kinder sei, sich in einem frühen Alter gesunde Ernährung anzugewöhnen. Auch dem gemeinsamen Essen komme große Bedeutung zu. Immer wieder seien Kinder ohne Pausenbrot zur Schule gekommen. „Wir wollen, dass sich die Schüler gesund ernähren“, verdeutlicht Heike Brüggenwirth, deren Kinder auch die Haster Schule besuchten. „Schön, wenn ein Apfel einen festen Platz in der Brotdose hat.“ Das Thema Ernährung werde auch im Unterricht aufgegriffen, ergänzt die Schulleiterin, die dankbar für die Unterstützung ist. Vieles was von der Werbung als gesund vorgegaukelt werde, sei nicht geeignet, die Konzentrationsfähigkeit wiederherzustellen, so Flacke Schröder.

Befürchtungen, die Kinder könnten das Obst verschmähen und vergammeln lassen, sind unbegründet. Im Gegenteil: Die Schüler wachen mit Argusaugen darüber, dass alles gerecht aufgeteilt wird und keiner leer ausgeht. Laut Auskunft der Klassenlehrer fragten viele Schüler schon am Anfang der Woche: „Wann ist denn endlich wieder Mittwoch?“ Das Obst sei heiß begehrt, bestätigt der kleine Marc, beißt herzhaft in seinen Apfel und überrascht mit der Aussage: „Ich mag Äpfel schon lieber als Schokolade.“

Nach Angaben des Verbraucherministeriums sind 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 17 Jahren in Deutschland zu dick. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass in Europa etwa 22 Millionen Kinder fettleibig sind. Im Klartext: Jedes vierte Kind ist zu dick, Tendenz steigend. Das Schulobstprogramm soll gegensteuern. Die EU stellt für das Projekt 90 Millionen Euro bereit. Deutschland erhält für das laufende Schuljahr 20 Millionen. Nicht alle Schüler kommen in den Genuss des kostenlosen Obstes. Das zunächst auf fünf Jahre begrenzte Programm sieht eine Kofinanzierung durch die Bundesländer vor. Sieben nehmen teil, Niedersachsen nicht. Hier entbrannte eine lange Debatte, wer das Obst finanzieren soll. In Haste erhält jeder Schüler zumindest an einem Tag in der Woche einen Apfel. Ein Beitrag, den der Obsthof langfristig leisten will.




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