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Bekenntnis von Heinz Wischnat zum Abschied von Eilsen

"Ich war nicht der Anwalt von Einzelinteressen"

Eilsen (sig). Die Serie der Verabschiedungen für Heinz Wischnat ist zu Ende, zumindest im Bereich seiner kommunalen Funktionen. Den Abschluss bildete der Empfang, den die Samtgemeinde im Kursaal für ihn und zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens gab und über dessen ersten Teil wir bereits am Sonnabend berichteten. Die meisten Gäste waren gespannt, wer die Rolle des Laudators übernehmen würde. Mit Dr. Willi Dreves, dem neuen Ratsvorsitzenden, war ein Mann gefunden worden, der sowohl in Bad Eilsen als auch in der Samtgemeinde seit vielen Jahren in verantwortlichen Positionen tätig ist und damit Wegbegleiter von Heinz Wischnat war.

veröffentlicht am 04.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:20 Uhr

Die Ausführungen von Willi Dreves waren rhetorisch brillant und geschmückt mit zahlreichen Bonmots. Sie wirkten zuweilen spitzbübisch und spitzfindig, enthielten büttenreife Elemente, aber auch - mehr oder minder versteckt - eine Fülle von Hinweisen auf Neigungen und Eigenschaften des ersten Verwaltungschefs und hauptamtlichen Bürgermeisters der Samtgemeinde. Heinz Wischnat habe, so Dreves, für ein positives Image von Eilsen gesorgt. "Wir haben keine Schlagzeilen mit irgendwelchen Streitigkeiten gemacht, was nicht für alle Kommunen des Kreises gilt", bewertete der Laudator in der Rückblende. Zu den besonderen Fähigkeiten des frisch gebackenen Ruheständlers habe die Etatplanung gehört. Allen Haushaltslücken habe er den Kampf angesagt. Hier wie auch bei allen anderen Entscheidungen sei Wischnat gegen Halbheiten gewesen. Dreves will beim ehemaligen Gemeindeoberhaupt die Tugenden entdeckt haben, die seinem Sternzeichen (Skorpion) zugeschrieben werden: Fleiß, Gründlichkeit, Solidität und Solidarität. Zu den wichtigsten Entscheidungen seiner Amtszeit habe der Erhalt des Rehazentrums in Bad Eilsen gehört, für den er sich bei der damaligen Landesversicherungsanstalt Hannover eingesetzt habe. "Mir fällt es schwer, in dir einen Pensionär zu sehen;du gehst wohl in Pension, aber nicht in den Ruhestand", folgerte der Vorsitzende des Samtgemeinderates. Auf dem, was Heinz Wischnat in Eilsen geschaffen habe, lasse sich gut aufbauen. Willi Dreves kam auch kurz auf die erfolglose Bürgermeister-Kandidatur in Bückeburg zu sprechen. Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier nahm diese Vorlage auf und stellte dazu fest: "Diese Entscheidung haben viele Leute nicht verstanden, obwohl man bei einem ungewöhnlichen Mann auch mit ungewöhnlichen Entscheidungen rechnen muss." Der Landrat nannte einige Projekte, bei denen er zusammen mit Heinz Wischnat an den Schalthebeln gewirkt habe: den Erhalt des Kurortes, die Golfplatzanlage, die Umgehung für die Kreisstraße 8 und die Förderung der heimischen Wirtschaft. Personen, die an der Spitze einer Kommune stehen, dürften Ecken und Kanten haben, meinte Schöttelndreier. Das gelte auch für Wischnat, der zuweilen unbequem, aber erfolgreich und eine verlässliche Größe gewesen sei. Der Landrat unterstrich dann noch einmal seine Forderung nach einem neuen Finanzausgleich. Der Landkreis habe 51 Millionen ungedeckte Sozialausgaben (Stichwort Hartz IV) aufzubringen - eine Bundesaufgabe, betonte der Landrat. Die Seelsorger Lutz Gräber und Reiner Rinne lobten vor allem den Einsatz von Wischnat für den Kindergarten. Dieser Bau trage seine Signatur. Samtgemeinde-Brandmeister Hartmut Krause bezeichnete sein Engagement für die Feuerwehren als vorbildlich. Der Kreisvorsitzende des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Klaus Tanski, bedankte sich für Wischnats langjährigen Einsatz als Kreisgeschäftsführer. Der auf so vielfältige Weise geehrte und mit Geschenken bedachte Pensionär freute sich in seinem kurzen Fazit darüber, dass Eilsen im Konzert der selbständigen kommunalen Einheiten des Landkreises einen festen Platz habe. Er schloss mit der Feststellung: "Bei allem, was ich mit zu entscheiden hatte, stand das Wohl der Bürger im Vordergrund. Ich war nicht der Anwalt von Einzelinteressen."




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