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Irmtraud Sahmland hält Vortrag über Dr. Faust / Am 14. Mai den ersten „Weltgesundheitstag“ ausgerufen

Im Kampf gegen Pocken, Gicht und Knochenfraß

Bückeburg (bus). Eine Vorlesung über Leben und Wirken des Dr. Bernhard Christoph Faust hat die Reihe der Stadtjubiläumsvorträge fortgesetzt. Das von Professor Dr. Irmtraud Sahmland in der Stadtbücherei unter dem Titel „Ein Bückeburger Gesundheitspolitiker im Zeichen der Aufklärung“ gehaltene Referat widmete sich den Aspekten Biographie, Gesundheitskatechismus, Pocken und Städteplanung.

veröffentlicht am 18.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 20:21 Uhr

Der im Mai 1755 als Zwilling in Rotenburg geborene Faust folgte 1788 einem Ruf von Fürstin Juliane nach Bückeburg, wo er 53 Jahre lang als Leibarzt und gräflicher Hofrat fungierte.

In Rinteln Doktor der Medizin geworden

Dem Engagement waren Studien in Göttingen und die Promotion zum Doktor der Medizin an der Universität Rinteln sowie weitere Ausbildungen und Anstellungen in Hessen vorausgegangen. Am neuen Wohnort war Faust dem aufreibenden Alltag eines Landarztes enthoben. Die Situation schaffte Raum, um Verbesserungen der allgemeinen Bevölkerungsgesundheit zu entwickeln.

Faust bemühte sich darum, dass die Jugendlichen schwimmen lernten, machte sich für die Körperertüchtigung stark und ließ an den Stadttoren Wasserfässer aufstellen, an denen sich jeder Vorbeikommende nach Bedarf bedienen konnte. Untrennbar mit dem Namen des Mediziners verbunden ist bis heute der von ihm veröffentlichte „Gesundheits-Katechismus“. Das kleine Büchlein enthält zahlreiche an den Prinzipien von Einfachheit und Praktikabilität ausgerichtete Ratschläge mit klarem Realitätsbezug zur Lebenswelt der Bevölkerung.

Die Bekämpfung der Pocken stellte ein weiteres Thema dar, das dem Doktor zeitlebens wichtig war. „Die Blattern erniedrigen die Menschheit im Menschengeschlecht“, lautete seine unmissverständliche Aussage. Faust folgte Erkenntnissen des englischen Landarztes Edward Jenner, der die historisch erste Schutzimpfung entwickelt hatte. Schließlich kreierte er das Krengelfest. Jeweils am 14. Mai waren alle Ärzte, Pfarrer und Lehrer, die impften, alle Eltern, die impfen ließen, und alle Kinder, die geimpft wurden, eingeladen, „mit Gesang und Tanz und hoher Freude“ eine Feier zu veranstalten und damit ein lebensfrohes Zeugnis vom Wert der Schutzimpfung abzulegen. Zugleich hatte er die Vision, den 14. Mai zu einem Festtag der Menschheit aller Völker werden zu lassen. Womit er quasi den ersten Weltgesundheitstag ausrief.

Darüber hinaus beschäftigte sich der Mediziner mit städtebaulichen Aspekten. Dabei sprach er sich gegen „dunkel, dumpficht, naß und feucht“ aus und propagierte möglichst viel Sonneneinstrahlung. Somit könne man „Schnupfen, Husten, Brustbeschwerden und Lungensuchten“ vermeiden; „da kann der Mensch in Siechheit, Bleichsucht, Drüsenverhärtungen, Wassersuchten, Gliederreißen, Gicht, Hautausschläge, Knochenfraß, kalte und nachlassende Fieber und manche und viele Krankheiten, Schmerzen und Leiden … nicht leicht oder gar nicht verfallen.“

Sahmlands Resümee: Gesundheitspolitiker im wohlverstandenen Sinne ist jemand, der sich im Dienst der Gesundheit für das Allgemeinwohl einsetzt. Hierunter lassen sich alle Projekte Fausts subsumieren. Es bedarf verbesserter flankierender Strukturen wie Ernährung, Hygiene und Bildung, um den Gesundheitsstatus des Einzelnen und der Bevölkerung insgesamt anzuheben. Viele seiner Aktivitäten lassen sich als eine praktische Antwort deuten und man entdeckt an ihm ganz moderne Züge. Politiker zu sein heißt aber auch, Situationen gut einzuschätzen, diplomatisch und taktisch klug zu handeln. Auch in diesem Sinn war Faust ein Gesundheitspolitiker, der diese Dimensionen des Handelns sehr wohl bedachte und sowohl bei seinem Gesundheitskatechismus als auch in seinem Engagement gegen die Pocken nahezu genial beherrschte.




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