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Jüngere machen Handy-Schulden

Immer mehr Schaumburger in der Schuldenfalle

Landkreis (cst). Fast jeder achte Erwachsene im Kreis Schaumburg ist mittlerweileüberschuldet. Davon spricht eine aktuelle Studie der Neusser Finanz-Auskunftei "Creditreform". Ein Trend, den die Experten mit der hohen Arbeitslosigkeit in Verbindung bringen.

veröffentlicht am 01.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

DieÜberschuldung im Schaumburger Land hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Zu diesem Schluss kommt der "Verband der Vereine Creditreform" in seiner neuesten Analyse zur Überschuldung der deutschen Privathaushalte. Danach betrug die Schuldnerquote in Schaumburg im Jahr 2004 noch 10,56, ein Jahr später bereits 11,36, und dieses Jahr (Stichtag 1. Oktober) 11,78 Prozent. Die Quote für ganz Deutschland liegt aktuell bei 10,68 Prozent. Demnach hat fast jeder achte Schaumburger Privathaushalt mehr monatliche Gesamtausgaben zu leisten, als dem Einnahmen gegenüberstehen. In den Nachbarkreisen sieht es nicht besser aus. Für Hameln-Pyrmont verzeichnete die "Creditreform" eine Quote von 12,53 Prozent. Im Kreis Nienburg sind 10,57 Prozent der Haushalte überschuldet. "Creditreform" bringt dieÜberschuldung mit der Arbeitslosigkeit in Verbindung. Ähnlich sieht das auch Wiebke Peltzer, Schuldnerberaterin des hiesigen Diakonischen Werkes. Die Sozialpädagogin kann sich sogar vorstellen, dass die Überschuldung wegen der hohen Arbeitslosigkeit im Schaumburger Land noch weiter zunimmt. Auch Werner Nickel, Marketingleiter der Sparkasse Schaumburg, sieht diese Verbindung: "Das Thema Arbeitslosigkeit spielt in Schaumburg eine Rolle." In der Tat: Im Jahr 2003 waren 7895 Schaumburger arbeitslos gemeldet, ein Jahr später bereits 8201 und im Jahr 2005 9687. Für dieses Jahr rechnet Rudolf Wolff von der heimischen Arbeitsagentur gegen den Trend mit einer umfünf Prozent niedrigeren Arbeitslosenquote als 2005. Die Zahl der Kontopfändungen bei der Sparkasse bestätigen die Verbindung zwischen Überschuldung und Arbeitslosigkeit. So konnte Nickel in den vergangenen Jahren eine Steigerung der Kontopfändungen feststellen. 2003 waren das noch 2100, 2004 bereits 3300 und im vergangenen Jahr bereits 3800 Pfändungen. Für das laufende Jahr prognostiziert der Sparkassen-Mitarbeiter eine Anzahl von ungefähr 4100. Außer der Arbeitslosigkeit, so die Schuldnerberaterin der Diakonie, seien Scheidung und gescheiterte Selbstständigkeit weitere Gründe für die Überschuldung. Der Löwenanteil der Betroffenen ist nach der "Creditreform"-Analyse hauptsächlich bei den 40- bis 49-Jährigen zu finden. Mit sinkender Tendenz, denn in dieser Altersklasse verzeichnete die Studie einen Rückgang. Dagegen steige die Zahl der Überschuldeten bei den unter 20-Jährigen und in der Altersklasse 20 bis 29 Jahre leicht an. Diesen Trend sieht auch die Schuldnerberaterin der Diakonie und begründet ihn damit, dass Handy-Schulden und Zahlungsverpflichtungen, die über das Internet eingegangen werden, zunehmen würden.




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