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Drischers "Weihnachtsgeschichte nach Lukas": Schütte-Chor bereitet Freude mit kultiviertem Singen

Immer offen für interessante Seitensprünge

Obernkirchen (dis). Achtung, dieses Ensemble ist immer wieder offen für interessante Seitensprünge: Der Schütte-Chor hält nicht nur seinem stets mit Neuheiten angereicherten Kernrepertoire die Treue, sondern gönnt sich darüber hinaus oft und gern Ausflüge zu Besonderem.

veröffentlicht am 11.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Bei seinem traditionellen Konzert zum Advent in der sehr gut besetzten Stiftskirche suchte der von Jürgen Schütte geleitete Spitzenchor abermals nach Herausforderungen und wurde prompt bei Max Drischers "Weihnachtsgeschichte nach Lukas" fündig, die in verkürzter Form - dank Stiftskirchen-Kantorin Regina Ackmann, deren Chor und dem Rintelner Tenor Karl Appel - im letzten Jahr ihre Obernkirchen-Premiere erleben durfte. Anfang Dezember 1944 hat der 1971 in Goslar verstorbene Komponist und Kantor Drischer die "Brieger Christnacht 1944 mit Liedern aus der Grafschaft Glatz" unter dem Druck der herannahenden Front für seine Gemeinde geschrieben. Mit drei Aufführungen nahm der dortige Domchor bewusst Abschied von dem Gotteshaus. Bald darauf sanken der gewaltige Dom von St. Nikolai und die halbe Stadt in Trümmer. Das Werk hüllt sich in ein mal sentimentales, mal inniges Klanggewand und mündet im andächtigen "Vater unser". Mühelos und auf ergreifende Art machten sich die Sängerinnen und Sänger unter Jürgen Schüttes dezidierter Navigationshilfe die gefühlsbetonten Strophen zu eigen, jeder noch so feinen Harmonie zart und sphärisch nachspürend. Eine schillernde Darbietung, die durch die intensiv gestaltenden Sopranistinnen Ute Rohrbach, Elisabeth Reineke und Annette Mickley sowie Daniel Ellermanns Orgelumspielungen zusätzlich an Leuchtkraft gewann. Im Reigen der vorangegangenen in- und ausländischen geistlichen und weltlichen Lieder und Spirituals bestachen bei der ambitionierten Crew neben Strukturklarheit und Textverständlickeit die leicht geführten und intonationsreinen Soprane und Alts sowie die neun elastischen Bässe, deren Fundament sich bei "Steal away" besonders entfaltenkonnte. Zuvor verschmolzen die Frauenstimmen mit den luftigen Sphären von Smetanas "Die Schwalben". In der Vokalkunst vorbildlich, formulierte die gesamte Truppe unter anderem Tschaikowskys ausdrucksvolle "Kleine Nachtigall", Bruckners "Locus iste" und "Westering home" und "Loch Lomond" aus Schottland. Das Team hat sich ungeachtet der Perfektion und Präzision eine ansteckende Frische bewahrt. Da ist nach über 30 Jahren des Miteinanders nicht die Spur jener Erstarrung zu merken, der andere Vereinigungen oft erliegen. Versteht sich, dass der Dreiklang von Stimmkultur, Feinsinn und Intensität dem Publikum zu Herzen ging und langen Beifall auslöste.




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