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Lieber für andere Immobilien kämpfen

Immer wieder Wienerwald

Das Ding ist Schrott. Netter, nostalgischer Schrott, aber eben Schrott. Wäre es anders, hätte längst jemand das nötige Geld in die Hand genommen und ein Konzept auf den Tisch gelegt, das überzeugt. Keiner will den Bau am Bürgergarten wirklich und mit allen Konsequenzen.

veröffentlicht am 12.08.2016 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 30.09.2016 um 14:04 Uhr

Juni

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Verlegerin / Chefredakteurin zur Autorenseite

Das ist der Grund, warum er schon jetzt fast von alleine auseinanderfällt. Was ihn in Innersten noch zusammenhält, sind Erinnerungen. Das sogenannte Kleinod, das das Stadtbild in etwa so nachhaltig prägt wie eine alte Tankstelle, war einmal etwas Besonderes. Zahllose alte Bilder, Leserbriefe und Kommentare beweisen das: Der Wienerwald – oder besser: das Café am Ring – wurde geliebt. Aber von Liebesgeschichten allein kann man nicht leben. Schon gar nicht von solchen, die mit „Es war einmal“ beginnen.

Die Welt hat sich weitergedreht, der Wienerwald blieb übrig. Jetzt steht er da in seiner ganzen Erbarmungswürdigkeit, notdürftig geadelt durch den stumpf gewordenen Glanz vergangener Tage – und weckt Mitleid. Man mag ihm nicht antun, was allem Alten irgendwann droht. Man mag sich nicht trennen. Lieber philosophiert man über lebensverlängernde Maßnahmen, diskutiert Ideen, für die es weder Geld noch eine echte Nachfrage gibt, und schiebt die Entscheidung vor sich her.

Dabei ist es gleichgültig, ob auf seinem Platz am Ende tatsächlich ein Haus der Wirtschaft entstehen oder nur Gras wachsen wird. Das Ding muss weg, denn es stört und wird immer weiter stören. Solange der Wienerwald „lebt“, wird jede Planung, die den Bürgergarten betrifft, durch ihn ausgebremst. Jeder Investor, der sich für das Grundstück interessiert, wird zweimal überlegen, ob er es sein will, der den Stecker zieht.

Es gibt genug andere Immobilien in der Stadt, für deren Erhalt es sich zu kämpfen lohnt. Der Wienerwald dagegen hat den Gnadenstoß verdient. Tun wir´s endlich.




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