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Grünkohlessen des Bückeburger Bürgerbataillons mit Verteidigungsminister zu Guttenberg im Hintergrund

In de Kohltied kann de Doktor op Reisen gahn

Bückeburg (bus). Spätestens als Ex-Stadtmarketingboss Sönke Lorenzen am Freitagabend zum Dirigentenstab griff, den „Deistertaler Musikanten“ den Takt vorgab und die größte Männerrunde der Stadt mit schwungvoller Gestik zum Mitklatschen animierte, konnten sich die Organisatoren des Bürgerbataillon-Grünkohlessens des erneuten Erfolgs ihrer Traditionsveranstaltung sicher sein. Lorenzens Bühnenauftritt signalisierte sozusagen den Übergang vom offiziellen in den gemütlichen Teil der Zusammenkunft. Die meisten Reden waren gehalten, Wintergemüse und Zutaten verputzt, Verdauungsschnäpse gekippt – jetzt standen Gespräche, Kontaktpflege und Gerstensaftverzehr auf dem Programm.

veröffentlicht am 31.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 02:41 Uhr

Und die Stimmung in der mit rund 450 Besuchern prall gefüllten Wagenremise von Schloss Bückeburg ließ nichts zu wünschen übrig. Was vermutlich sowohl der Straffung des vor dem gepflegt-derben Festessen platzierten Ansprachenblocks als auch der Qualität der aufgetischten Delikatessen geschuldet war. Der größte Teil der Grußwortlieferanten agierte getreu des bewährten Rednerrezepts, nach dem Kürze und Würze Hand in Hand gehen.

Tief in die Kiste gegriffen

Bürgermeister Reiner Brombach, Gert-Jan Kats (Stadtoberhaupt von Zuidplas/Nieuwerkerk) und Bundeswehrvertreter Oberst Hans-Heinrich Matthies strapazierten die hungrigen Herren nicht über Gebühr; lediglich der designierte Landrat Jörg Farr versuchte, die Fußstapfen seines für ausschweifende Darstellungen berühmten Amtsvorgängers Heinz-Gerhard Schöttelndreier ordentlich zu füllen und griff für den Geschmack etlicher Zuhörer ein wenig zu tief in die Allgemeinplatzkiste.

Farr hatte unterdessen die Lacher auf seiner Seite als er – das Thema holländisch-deutscher Fußball zieht sich wegen der Städtepartnerschaft zwischen der Ex-Residenz und Zuidplas/Nieuwerkerk wie ein Roter Faden durch den grünen Bataillonskohl – den Niederländern attestierte, es „dank“ Trainer Louis van Gaal geschafft zu haben, die Dominanz des FC Bayern München in der Bundesliga zu brechen.

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Der von der Obernkirchener Gaststätte „Im Krug zum grünen Kranze“ aufgetischte Grünkohl erfreut sich großen Zuspruchs.

Es wurden allerdings auch Stimmen laut, die in der zwölfköpfigen holländischen Delegation den Ehrenoffizier André Bonthuis (und dessen durchaus langatmige aber stets auch launige Ausführungen) vermissten. Einige ältere Teilnehmer sehnten sogar Zeiten zurück, in denen Ex-Stadtmajor Rolf Netzer mit einem in Reimform gefassten Jahresrückblick mit kritischem Augenzwinkern auf die Pauke prügelte.

Apropos „Pauke“: Der im Vorfeld des Kohlabends von einigen Bataillonsmitgliedern als Paukenschlag empfundene Kapellenwechsel von den Bückeburger Jägern zu den Deistertaler Musikanten ging relativ glatt über die Remisenbühne. Zwar hatten die unter der Leitung von Günther Deseniß aufspielenden Deistertaler in der Mitsingabteilung – Niedersachsenlied, Schaumburger Heimatlied, Weserlied – trotz ausliegender Texte auch nicht mehr Erfolg als die Jäger, dafür sammelten sie aber Pluspunkte bei der musikalischen Begrüßung der Gästeschar: „Tulpen aus Amsterdam“ für die Partnerstädter, „Herrn Pastor sein Kau“ für Ex-Landesbischof Jürgen Johannesdotter. Darüber hinaus wusste die Formation mit einer ins Schunkelige tendierenden Interpretationsmixtur à la Oktoberfest zu überzeugen.

Den größten Beifall der Veranstaltung heimste freilich Oberst Matthies ein, der „auch wenn es der Minister untersagt hat, angesichts der bevorstehenden gravierenden Umbrüche Aussagen zur Stationierung der Bundeswehr zu machen“, dem Standort Bückeburg „aufgrund des Alleinstellungsmerkmals der Heeresfliegerwaffenschule“ ein Fortbestehen in Aussicht stellte. Da passte gut ins Bild, was der oberste Dienstherr von Matthies, Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg, jüngst zum Wintergemüse hatte verlauten lassen. Weil Grünkohl trotz aller Schwere sehr vitaminreich ist und gern als besonders gesund deklariert wird, war dem von einer Oldenburger Delegation zum Grünkohlkönig gekürten Adeligen die Äußerung „in de Kohltied kann de Doktor op Reisen gahn“ in den Sinn gekommen.

Ob und wann „die Kohlzeit“ im Bataillon in Form von Peter Kohlmann als zukünftigem Stadtmajor anbrechen wird, war während des Abends nicht mit letzter Gewissheit in Erfahrung zu bringen.

Zum Grünkohlessen gibt’s eine Bildergalerie im Internet: www.landes-zeitung.de




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