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Landwirt Heiner Diesing rechnet mit vergleichsweise geringen Ernteausfällen bei Weizen, Raps und Hafer

In der „Kornfüllungsphase“ wäre Regen nötig gewesen

Bückeburg (wk). Bereits seit einigen Wochen hat ein sommerliches Hoch mit bisweilen fast schon tropischen Temperaturen Besitz vom Landkreis Schaumburg genommen – sehr zur Freude der Eisdielenbesitzer und Freibadbetreiber. Angesicht der ausbleibenden Regenfälle stellt sich allerdings die Frage, welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Branche der Getreidebauern hat, die die Erntesaison vor wenigen Tagen mit dem Einholen der Gerste eingeläutet haben.

veröffentlicht am 26.07.2010 um 13:02 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 07:41 Uhr

Noch sei es zu früh, um eine konkrete Aussage über den diesjährigen Ernteertrag zu treffen, sagt Heiner Diesing, Landwirt aus Röcke. Er jedenfalls lasse erst den Mähdrescher über seine Felder „gehen“, um zu sehen, was er tatsächlich eingeholt hat, bevor er ein Resümee zieht. An den zurzeit um „fast sechs Prozent täglich“ steigenden Börsennotierungen für Getreide könne man indes ablesen, dass allgemein von einem schlechteren Ergebnis ausgegangen wird.

Diesing selbst rechnet bei seiner Gerste jedoch mit einem durchschnittlichen Ertrag. „Die Pflanzen sind mit der geringen Wassermenge nämlich noch recht gut zurechtgekommen, zumal die Gerste ja auch eher als die übrigen Getreidesorten geerntet wird.“ Und dadurch sei sie auch nicht in dem Maße von der Trockenheit betroffen gewesen.

Der von den Halmen her noch leicht grün dastehende und erst in gut zwei Wochen reife Weizen hätte während der sogenannten „Kornfüllungsphase“ dagegen noch mehr Feuchtigkeit nötig gehabt, um richtig große Körner in den Ähren auszubilden. Zum Vergleich: Pro Quadratmeter würden im Jahr normalerweise zwischen 700 und 800 Liter Regen fallen, in diesem Jahr seien es bislang aber gerade mal rund 230 Liter gewesen, wobei schon das Frühjahr zu trocken gewesen sei. „Beim Hafer und Raps sieht es ähnlich aus.“

Mit Blick auf die anhaltende Trockenheit gehen Experten von steigenden Getreidepreisen aus. Fotos: wk

Insgesamt schätzt Diesing, dass er in diesem Jahr „ungefähr zehn Prozent weniger Weizen, Raps und Hafer ernten wird als im Vorjahr“. Der Minderertrag an Körnern werde letztlich aber durch die gestiegenen Getreidepreise kompensiert. Überhaupt sieht der Landwirt aus Röcke die derzeitige Situation als nicht dramatisch an, wohingegen die Grünlandbetriebe in einer schlechten Lage seien, da die abgemähten Wiesengräser wegen der Trockenheit nicht nachwachsen.

Unsinnig findet Diesing jedoch von der Backwarenindustrie ins Gespräch gebrachte Preiserhöhungen, die mit der zu erwartenden geringeren Getreideernte begründet werden. „Ein Brötchen, das 30 Cent kostet, ist vielleicht mit eineinhalb Cent Weizenmehl belastet“, erklärt der Landwirt die Kalkulation. Dem Verbraucher könne man da vielleicht einen Zusammenhang weismachen, dem Fachmann brauche man mit diesem Argument nicht kommen.




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