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Erinnerungen werden wach: Bereits 1994 bei der Wahl des Staatsoberhauptes

In die Bundesversammlung berufen: Brigitte Bödeker wählt Präsidenten

Bückeburg (kk). „Ich war total von den Socken, als Philipp Rösler anrief,“ erinnert sich Brigitte Bödeker an das denkwürdige Telefongespräch vor einigen Wochen. Der FDP-Landesvorsitzende überraschte die Bückeburgerin mit der Mitteilung, sie sei für eine Berlinreise im Mai ausgewählt worden. Und wenn der Wirtschaftsminister persönlich zum Telefonhörer greift, geht es natürlich nicht um einen x-beliebigen Kurzurlaub: Frau Bödeker ist in die Bundesversammlung berufen worden, die am 23. Mai den neuen Bundespräsidenten wählt.

veröffentlicht am 10.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 01:21 Uhr

Die Bückeburger Kommunalpolitikerin kennt sich bereits aus als Wahlfrau: Auch 1994 war sie schon einmal Mitglied der Bundesversammlung, damals wurde Roman Herzog Bundespräsident. Diesmal bewirbt sich Horst Köhler um eine Wiederwahl, seine wichtigste Kontrahentin ist Gesine Schwan. Außerdem tritt der Schauspieler Peter Sodann an.

Brigitte Bödeker sitzt am Wohnzimmertisch und blättert in einem dicken Aktenordner – Erinnerungen an ihre erste Präsidentenwahl in Berlin vor 15 Jahren. Jens Reich? Hans Hirzel? Zumindest an zwei der damaligen Kandidaten werden die meisten kaum noch Erinnerungen haben. „Ich musste auch erst nachschauen“, gibt Frau Bödeker zu. Immerhin finden sich in ihrer Mappe die Bewerbungsschriften dieser von den Grünen und den Republikanern vorgeschlagenen Kandidaten. Die übrigen 94-er Kandidaten sind dann schon deutlich bekannter: Um das höchste Staatsamt bewarben sich Hildegard Hamm-Brücher, vorgeschlagen von der FDP, Johannes Rau, aufgestellt von der SPD, und schließlich der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes Roman Herzog, nominiert von der CDU/CSU.

„Drei Wahlgänge waren bis zur Entscheidung nötig“, erinnert sich Brigitte Bödeker. In den ersten beiden Wahlrunden ist nämlich die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich, die schaffte keiner der Bewerber. Erst im dritten Wahlgang reicht die relative Mehrheit. Wer hier die meisten abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt, gewinnt. Am Ende war das Roman Herzog vor Johannes Rau. Rau wurde dann bekanntlich fünf Jahre später Staatsoberhaupt. Hildegard Hamm-Brücher war zum dritten Wahlgang nicht mehr angetreten. Ihr hatte natürlich die besondere Sympathie von Brigitte Bödeker als FDP-Politikerin und damaliger frauenpolitischer Sprecherin ihrer Partei gegolten.

In diesem Jahr rechnet Frau Bödeker mit einer schnelleren Entscheidung, obwohl die einst komfortable Mehrheit des von der Union und der FDP unterstützten Amtsinhabers nach den Ergebnissen der letzten Landtagswahlen deutlich zusammengeschmolzen ist. „Es ist schon ein ganz besonderes Gefühl, namentlich zur Wahl aufgerufen zu werden“, erinnert sich Brigitte Bödeker. Die Bückeburgerin empfindet es durchaus als Ehre, in der feierlichen Atmosphäre der Bundesversammlung das Staatsoberhaupt mit bestimmen zu dürfen. Sie freut sich besonders darüber, dass ihre Partei es auch „kleinen Kommunalpolitikern“ ermöglicht, eine solch wichtige Entscheidung mit zu treffen. So werde auch Mitbestimmung durch die Basis verwirklicht. Bödeker ist derzeit Vorsitzende des Bückeburger FDP-Ortsverbandes und stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes.

Sie fährt nicht allein nach Berlin, jedes Mitglied der Bundesversammlung darf einen Gast mitbringen. Frau Bödeker hat Ingrid Tesche eingeladen, eine langjährige Weggefährtin aus der Schaumburger FDP.

Am Vortag der Bundespräsidentenwahl erwartet die Bückeburgerin neben einer Fraktionssitzung der FDP-Wahlleute eine Schifffahrt auf der Spree, nach der Wahl lädt der Bundestagspräsident Norbert Lammert zum Empfang: Gelegenheit, alte Bekannte wiederzutreffen und neue interessante Gesprächspartner kennenzulernen.

Brigitte Bödeker blättert in Erinnerungen: Sie hat Dokumente zur 1994-er Wahl aufbewahrt.

Foto: kk




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