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Hartmut Brepohl ist leidenschaftlicher Sammler, immer auf der Suche nach interessanten Steinen

„In mir steckt etwas mehr vom Urmenschen“

Hessisch Oldendorf. Hartmut Brepohl ist „steinreich“ – wohl an die 2000 Exemplare müsste er zu Hause haben, schätzt der 64-Jährige. Gezählt habe er sie aber nie, die brockengroßen und die daumenkleinen Schätze sowie die nur unter dem Mikroskop zu bewundernden klitzekleinen „Mikromounts“, die allein im heimischen Wohnzimmer sieben große Vitrinen und mehrere Schubladen füllen.

veröffentlicht am 06.07.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 08.07.2010 um 14:48 Uhr

Von Alda Maria Grüter

Hessisch Oldendorf. Hartmut Brepohl ist „steinreich“ – wohl an die 2000 Exemplare müsste er zu Hause haben, schätzt der 64-Jährige. Gezählt habe er sie aber nie, die brockengroßen und die daumenkleinen Schätze sowie die nur unter dem Mikroskop zu bewundernden klitzekleinen „Mikromounts“, die allein im heimischen Wohnzimmer sieben große Vitrinen und mehrere Schubladen füllen. Den Bestand zumindest dem Umfang nach genau zu bestimmen, ihn mittels Karteikarten zu katalogisieren, das habe er irgendwann aufgegeben.

Und die Erfassung der Sammlung mittels einer elektronischen Datenbank? „Nein, nein“, wehrt Hartmut Brepohl lachend ab. „Auf diesem Gebiet bin ich ein Neandertaler.“ Womit er im übertragenden Sinne punktgenau den Nagel auf den Kopf trifft. Hartmut Brepohl hat nämlich ein „steinzeitliches“ Hobby: Mineralien, Fossilien und Höhlen sind die Leidenschaft des ehemaligen Steinbruch- und Sprengmeister des Segelhorster und Rohdener Steinbruchs.

Aber auch ohne ein „Von-A-bis-Z-Verzeichnis“ kennt er sie alle, die Millionen Jahre alten Steine hinter Glas, die er im Laufe der vergangenen 35 Jahre mit Geologenhammer, Spitz- und Flachmeißel aus heimischen und anderen Steinbrüchen eigenhändig herausgeschlagen hat. Quarze, die – egal, wo sie auf dem ganzen Planeten gefunden werden, immer hexagonal sind – haben es ihm besonders angetan. Hartmut Brepohl greift ins Regal: „Dieser hier, ist durch die normale Erdstrahlung leicht rauchig.“ Trotz der sechs Flächen sei jeder Quarz ein Unikat, erklärt der Experte, der sich sein Wissen nicht aus dem Internet, sondern aus Fachbüchern aneignet. Einige Quarze weisen Einschlüsse anderer Mineralien auf, andere wiederum zeichnen sich durch sogenannte Fenster aus: Luftblasen, die dann entstehen, wenn der Quarz zu schnell gewachsen ist.

2 Bilder
Den Bergkristall fand Brepohl bei Grabungen in der Schillat-Höhle.

„Ich erfreue mich an jedem einzelnen Stein“, sagt Brepohl und ist stolz darauf, „die größte private Sammlung an Fossilien und Mineralien aus dem Steinbruch Rohden zu besitzen“. Von der „Urzeit zuhause“ zur Schillat-Höhle: Heute arbeitet Brepohl dort nicht nur ehrenamtlich als Betriebsleiter, ist für die Sicherheit und den Ablauf in der Höhle zuständig. Als Gästeführer begleitet er Besucher durch die „Unterwelt“, die er 1992 bei Arbeiten im Steinbruch Segelhorst entdeckte, erklärt ihnen die verschiedenen Tropfsteine, die Fossilien und Mineralien, von denen er einen großen Teil als private Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Fotografieren ist das zweite Hobby des „Höhlenmenschen“ – und auch das hat mit Steinen zu tun: Die rund 3500 Dias dokumentieren die Geschichte der Schillat-Höhle. Eine Geschichte, die aber mit jedem freigebuddelten Meter noch fortgeschrieben wird. Denn Hartmut Brepohl gehört zur Höhlengruppe Nord, die gemeinsam mit Mitgliedern der Detmolder, Harzer und Hannoveraner Gruppe sporadisch am „Lipper Gang“ graben. „36 Meter sind bereits freigelegt – irgendwann hoffen wir Neuland zu entdecken“, sagt der Hobby-Höhlenforscher. Harte Arbeit sei es, und „mehr Männersache“, wenn man über den matschigen und kalten Boden krieche. Der Anreiz es trotzdem zu tun: „das Suchen und Finden“. „Jeder Mensch hat ein bisschen vom Jäger und Sammler in sich. In mir aber steckt wohl etwas mehr vom Urmenschen.“ Und wenn er sich nicht gerade durch dunkle Erdlöcher wühlt, dann ist er über der Schillat-Höhle anzutreffen: Obwohl seit der Stilllegung der Steinbrüche nicht mehr viel zu holen sei, der Hobby-Sammler findet immer etwas, weiß, was ein Stein in sich (ver)birgt: „Da drin sind Farne“, sagt Brepohl und mustert den „Kalkstein aus dem unteren Kimeridge“.

„Das ist umgewandelter Pyrit“, erläutert der Stein-Spezialist die Rostfärbung auf der Steinoberfläche, ein Anzeichen für eingeschlossene Pflanzenfossilien. Vor fünf Jahren hatte Hartmut Brepohl den Stein am unteren Höhlenausgang deponiert, jetzt will er ihn „knacken“. Mit dem Vorschlaghammer macht er sich an die schweißtreibende Arbeit. Ein paar Schläge und Hartmut Brepohls Vermutungen bestätigen sich: Tatsächlich, die Bruchstücke sind mit filigranen pechschwarzen Farnen übersät. „Man kann ja nicht alles mitnehmen“, sagt Hartmut Brepohl schließlich. Aber für die schönsten Steine sei selbstverständlich immer ein Plätzchen frei in seiner großen Steinsammlung.




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