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In Schaumburg ist das Baden noch gesund

Insgesamt gibt es in Niedersachsen 286 überwachte Badestellen, bei denen regelmäßig die Wasserqualität durch die örtlichen Gesundheitsbehörden überprüft wird. Drei von ihnen wurden in der letzten Woche wegen Blaualgen geschlossen. Auch der Helenensee war darunter. Doch die Rintelner können aufatmen. Es handelte sich nicht um den Helenensee in Rinteln, sondern um seinen Namensvetter im Landkreis Oldenburg. Außerdem mussten die Badestellen Lehmbruch und Hude am Dümmer mit einem Badeverbot versehen werden.

veröffentlicht am 21.07.2010 um 19:18 Uhr

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„Bei der letzten Untersuchung in den Schaumburger Badegewässern am 12. Juli haben wir keine Blaualgen festgestellt“, beruhigt Dr. Jörg Uwe Krusche, Leiter des Gesundheitsamtes Schaumburg. In beiden Schaumburger Seen, dem Rintelner Helenensee und dem Doktorsee, waren die Proben unbedenklich. Die Wasserqualität wird während der Badesaison alle vier Wochen überprüft. „In diesem Jahr hatten wir bisher bei keinem der untersuchten Seen einen Grund, die Badenden zu warnen.“ Und auch in den benachbarten Seen, dem Stemmer See, dem Badesee in Lahde und dem Steinhuder Meer, besteht derzeit keine Gefahr für die Badegäste.

Ein Wert, der bei den Untersuchungen des Gesundheitsamtes betrachtet wird, ist die Blaualgenkonzentration. Dabei handelt es sich eigentlich gar nicht um Algen, sondern um Bakterien, die wegen ihrer blaugrünen Färbung anlehnend an die Farbe „Cyan“ auch Cyanobakterien genannt werden. Sie gehören zu den ältesten Lebewesen der Welt und besiedeln die Erde schon seit über drei Milliarden Jahren. In hoher Konzentration riechen sie jedoch nicht nur unangenehm – sie können auch gesundheitsgefährdend sein. „Wenn die Giftstoffe, die die Bakterien freisetzen, in hoher Konzentration durch Verschlucken aufgenommen werden, können Hautausschläge, Kreislauf- und Magen-Darm-Beschwerden auftreten“, so Krusche. Besonders für Kinder sei dies gefährlich, da sie beim Spielen häufiger Wasser schlucken als Erwachsene.

Blaualgen kommen in Gewässern vor, in denen ein hohes Nährstoffangebot herrscht. „Zusätzlich treibt das Wetter die massenhafte Algenbildung voran“, weiß Uwe Deppe, Geschäftsführer der Doktorsee GmbH. „Je wärmer das Wasser und je größer die Strahlung, desto größer das Wachstum der Bakterien“, erklärt er. Deppe weiß, wovon er spricht. Jahrelang hat er an seinem See Probleme mit Blaualgen gehabt, 2005 kam es sogar zu einer kompletten Sperrung des Badebetriebes. Erst nach etwa zwei Wochen besserte sich dann die Lage. „Damals änderte sich schließlich das Wetter und stoppte die Algenproduktion.“ Doch diese Probleme gehören der Vergangenheit an. „Im Moment ist die Wasserqualität optimal.“

Ist Schwimmengehen hier unbedenklich? „Wenn man in etwa knietiefem Wasser den Grund sehen kann und die Oberfläche des Wassers nicht stark veralgt ist, besteht normalerweise keine Gefahr“, sagt Jörg Uwe Krusche, Leiter des Gesundheitsamtes Schaumburg.

Erreicht hat Deppe diese Veränderungen durch mehrere Maßnahmen. „Wir haben vor sieben Jahren mehrere Tausend Raubfische, wie Zander und Hechte, sowie Teichmuscheln in den Teich gesetzt“, sagt er. Die Raubfische erhöhen den Fraßdruck auf die Friedfische, wie Rotfeder oder Brasse, deren Zahl dadurch abnimmt. „Weniger Friedfische bedeuten mehr Pflanzen. Und diese Pflanzen verbrauchen dann Nährstoffe, die den Blaualgen nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Auch die Teichmuscheln helfen dabei, die Wasserqualität zu verbessern. „Eine Muschel filtert bis zu einem Kubikmeter Wasser am Tag“, so Deppe. Und das, obgleich sie nur zehn bis 15 Zentimeter groß seien. Diese biologischen Maßnahmen haben in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, eine Wasserqualität zu erreichen, die derzeit vom Gesundheitsamt als „sehr gut bis gut“ eingestuft wird.

Zusätzlich hat sich Deppe auch einiger mechanischer Mittel bedient. Im vergangenen Jahr installierte er eine Folienwand, die die Badebucht vom restlichen See abtrennt. „So können wir verhindern, dass sich die Nährstoffe des Sees auf die Badebucht ausbreiten“, erklärt Deppe. Und auch die große Wasserrutsche bietet den Badegästen nicht nur Spaß, sie filtert das komplette Wasser der Badelagune in acht Stunden einmal komplett. „Wir haben viel dafür getan, dass die Wasserqualität im Moment wirklich optimal ist“, freut sich Deppe. Insgesamt haben die damit verbundenen Investitionen „auf jeden Fall 300 000 Euro gekostet. Und dennoch ist nicht sicher, wie lange der Frieden hält. Denn wie sich die Algenbildung in den nächsten Wochen entwickelt, weiß auch Deppe nicht. „Ich hoffe, dass es so weiter geht. Sicher sein kann man sich gerade bei der aktuellen Wetterlage jedoch nicht.“

Im Helenensee haben sich bei der letzten Beprobung gar keine Cyanobakterien nachweisen lassen. „Vor ein paar Jahren hatten wir mal eine Warnung, aber ein Badeverbot gab es nie“, erinnert sich Hoimar von Ditfurth-Siefken, Inhaber des Erholungsgebietes Helenensee. „Im Moment ist unsere Wasserqualität vom Allerfeinsten.“ Besondere Maßnahmen musste er dafür nicht ergreifen, ihm hilft die Natur bei der Bekämpfung des Problems. „Wir haben hier das Ährige Tausendblatt. Diese Wasserpflanze sorgt dafür, dass sich die Blaualgen nicht so stark ausbreiten können.“ Diese Pflanze müsse zwar regelmäßig gemäht werden, da sie sonst wuchert, aber das sei besser als die giftigen Blaualgen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, dass Blaualgen nicht in gefährlicher Konzentration vorhanden sind, sollte nach Rat Krusches einen genauen Blick auf das Wasser werfen: „Wenn man in etwa knietiefem Wasser den Grund sehen kann und die Oberfläche des Wassers nicht stark veralgt ist, besteht normalerweise keine Gefahr.“

Ein weiteres Merkmal, auf das bei den Untersuchungen geachtet wird, ist die Konzentration der Bakterienart „Escherichia Coli“ und von „Intestinalen Enterokokken“. Bei beiden handelt es sich um Darmbakterien, die normalerweise im Dickdarm von Säugetieren und Menschen vorkommen. Dort sind sie nützlich, aber wenn man sie verschluckt, können sie schädlich sein. Ins Wasser gelangen diese Bakterien entweder direkt durch Fäkalien oder aber durch Abwasser. Die Anzeichen einer Erkrankung sind vielfältig. Sie reichen von Übelkeit, Erbrechen, Fieber, bis hin zu Durchfall.

2000 bis 3000 Badegäste tummeln sich am Wochenende täglich am Doktorsee, der Stemmer See musste sogar Maßnahmen finden, um die Besucherströme einzudämmen und der Helenensee kann auf eine durchschnittliche Besucherzahl von 50 Badegästen zurückblicken. Alle diese Badegäste bringen Nährstoffe und unter Umständen auch Bakterien mit in den See und tragen so unbewusst zur Verunreinigung bei.

Umso beruhigender dürfte es für die Badenden sein, dass die Wasserqualität trotz des großen Besucherandrangs durchweg gut ist. Auch die Bakterienbelastung gab bei den Proben bei keinem See einen Grund, vor dem Baden zu warnen. Der Doktorsee lag bei der letzten Messung von Coli-Bakterien wie auch der Helenensee weit unter dem Leitwert von 100 Bakterien pro 100 Milliliter. Auch der Stemmer See und der Badesee in Lahde präsentierten sich unbedenklich. Für alle gab es die beste Bewertung. Lediglich die Badeinsel im Steinhuder Meer lag mit einer Konzentration von 161 Bakterien pro 100 Milliliter ein wenig über dem Leitwert. Doch auch sie hat noch das Urteil „befriedigend bis ausreichend“ bekommen, denn der Grenzwert für die Bakterien liegt bei 1800.

Schon drei Badegewässer mussten in den letzten Tagen in Niedersachsen wegen giftiger Blaualgen gesperrt werden. Sie können Übelkeit, Hautreizungen und Kreislaufprobleme auslösen. Und nicht nur Algen tummeln sich in den Badeseen. Auch Darmbakterien sind immer wieder im Wasser nachweisbar. Kann man da überhaupt noch guten Gewissens baden gehen? In Schaumburg schon.




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