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Adolfiner werden mit kühnen Thesen über die Weltsituation konfrontiert

Irrwege und Heilspfade

Bückeburg. Wer beim Wort „ökologischer Fußabdruck“ an Abenteuergeschichten denkt und an Fährtensuche, liegt gar nicht so falsch. Wege sollen tatsächlich gefunden werden, Auswege aus Not, aus drohender Gefahr, aus abenteuerlicher Verschwendung. Als Messgröße beschreibt die Metapher nämlich die Fläche, die benötigt wird für einen bestimmten Lebensstil. Und da ist Unrecht zu beklagen und Unheil zu befürchten.

veröffentlicht am 26.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

Stefan Simons von „Multivision Hamburg“ referierte unter dem Motto „Fair Future II“ im Gymnasium Adolfinum vor den Jahrgängen 8, 10 und 11 über die Lage. Es ging um Ressourcen und Müllberge, um Klimawandel und Ernährung, um Armut und Wohlstand, um Mobilität und Modernität. Die Berechnungen des „Wuppertaler Instituts“ laufen darauf hinaus, dass jede in Deutschland lebende Person einen Abdruck von 4,5 Hektar hinterlässt, die Menschen in Afghanistan liegen unter einem, die USA bei sieben, Katar führt die Liste an mit 11. Ein Film untermauerte die Sicht der Dinge mit drastischen Bildern und krassen Kontrasten.

Neben dem Vorwurf, bei der Produktion des Films eine „grüne Brille“ aufgesetzt zu haben, ging es in einer überaus engagierten Aussprache im 10. Jahrgang an erster Stelle um die Frage, wie die Schule dasteht als Gemeinschaft auf Zeit zu bestimmten Zwecken und was man unternehmen könnte – angesichts von über 1000 Menschen kein ganz einfaches Unterfangen. Erfreulich offen wurde über Ernährung, Verschwendung und Moral gesprochen: „Wie kann das sein, dass immer wieder Brot im Mülleimer liegt?“ Simons hatte darauf hingewiesen, in Deutschland gebe man mehr Geld für Diäten aus als gegen den Hunger in der Welt.

Schulleiter Michael Pavel betonte das Prinzip Verantwortung und sprach die Schülervertretung direkt an, um zu Projekten zu ermutigen, die den individuellen und den institutionellen Fußabdruck verkleinern. Als Stichwort wurde der leidige Müll genannt, die Heizungsregulierung, der Stromverbrauch und die Verkehrsmittel. Hier hatte sich schon im Vorfeld in der Klasse 10.4 eine interessante Diskussion darüber ergeben, dass die Mehrzahl der Kollegen nicht in Bückeburg wohnt. Und der Staat besohlt den großen Schuh auch noch durch die Kilometerpauschale. Der Wert der Veranstaltung, die von Studiendirektorin Sandra Behsler organisiert worden war, wird sich nur in Nachhaltigkeit zeigen können, nicht in einem Feuerwerk an Bekundungen.

Kritik musste Referent Simons insbesondere im 11. Jahrgang einstecken. Sein Appell „Fliegt nicht!“ ließ einige Anwesende fast in die Luft gehen. Auch beim Blick auf das Klima sah sich Simons kritischen naturwissenschaftlichen Einwänden ausgesetzt, was die Atmosphäre im Raum durchaus erhitzte. Nachfragen auf diesem Niveau schien man nicht gewohnt zu sein. Gutmenschentum und moralisierende Appelle waren den jungen Leuten aber eindeutig zu wenig.

Ein Vertreter der Sparkasse Schaumburg, die die Aktion neben anderen Sponsoren finanziell unterstützte, hatte schon am frühen Morgen die ganze Aufmerksamkeit des 8. Jahrgangs gewonnen, als er von der Bückeburger Baustelle berichtete. Tiefe Bohrungen unter dem Gebäude sollen der Verbesserung des Energiehaushalts dienen, man denkt in geldwerten thermischen Größen. vhs




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