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Gelungene Verbindung von Integration und Extremismusbekämpfung

Islam-Unterricht in Schulen besser platziert als in Hinterhof-Moscheen

Bückeburg (bus). Mit dem plötzlichen Auftauchen eines Königswegs, der eine gleichermaßen einfach gestrickte wie optimale Problemlösung der islamistischen Bedrohung verspricht, ist nach Meinung von Volker Homuth in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Selbst in Einzelaspekten gestalte sich die Problematik mitunter äußerst diffizil, sagte der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz am Mittwoch im Bückeburger Rathaussaal. Dessen ungeachtet gelte nach wie vor: "Gespräche mit Extremisten nicht zu führen, ist nie ein probates Mittel."

veröffentlicht am 16.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

Homuth sprach auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die mit der Veranstaltung die Reihe der Bückeburger Mittagsgespräche fortsetzte. Für die Thematik - "Welche Gefahr droht Deutschland von islamistischen Gruppierungen und wie können wir uns davor schützen?" - hatten wesentlich mehr Besucher Interesse signalisiert als von den Organisatoren zunächst vermutet. Statt vorderhand geschätzter 60 bis 80 bekundeten 150 Personen ihre Teilnahmebereitschaft, woraufhin das Mittagsgespräch vom kleinen in den großen Saal verlegt werden musste. "Die große Zahl erfüllt uns mit Stolz und Dankbarkeit", sagten CDU-MdB Friedel Pörtner und Stiftungsvertreter Steffen Trump während der Begrüßung der Gäste. Homuth stellte heraus, dass dieübergroße Mehrheit der in Deutschland und Niedersachsen lebenden Muslime einer gemäßigten und friedlichen Interpretation des Islam anhänge, diese Mehrheit aber selbst Opfer radikaler Islamisten werden könnte, falls diese sie unter Druck setzten und bedrohten. Die Gefahr dürfe nicht nur unterdem Gesichtspunkt terroristischer Anschläge sondern müsse auch mit Blick auf das gesellschaftliche Zusammenleben betrachtet werden. Das "blutgetränkte Gesicht", wie es sich beispielsweise in Bagdad zeige, stelle nur eine Ausformung des radikalen Islamismus dar. Beim Schutz vor der Bedrohung gelte es zunächst, auf polizeiliche, geheimdienstliche und gerichtliche Verfahrensweisen zu setzen, unterstrich der 56-Jährige. Aber auch die Gewinnung islamischer Bevölkerungsteile als Bündnispartner spiele eine wichtige Rolle. Homuth machte sich (auch in der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion) ausdrücklich für den jüngst in Niedersachsen eingeführten islamischen Religionsunterricht stark, welcher "eine gelungene Verbindung von Integration und Bekämpfung von Extremismus" bedeute und in den Schulen besser als in Hinterhof-Moscheen aufgehoben sei. Der Verfassungsschutzpräsident machte auf zahlreiche Maßnahmen aufmerksam, mit denen der Gefahr begegnet werden soll. Die Landesregierung habe trotz misslicher Haushaltslage Geld zur Schaffung zusätzlicher Stellen bewilligt, um - beispielsweise - die Fremdsprachenkompetenz seines Amtes auszubauen und Netzwerkstrukturen des terroristischen Gegenübers zu entschlüsseln. Im Diskussionsteil erhielt Homuth viel Beifall für seine Antwort auf die Vorhaltung, die bundesdeutsche Justiz werde von den Tätern bisweilen "am Nasenring herumgeführt". "Die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien", unterstrich der Referent, sei unabdingbar. US-amerikanische Vorgehensweisen seien "vielleicht eben nicht die richtige Form".




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