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Feggendorfer Adolf Dittrich dokumentiert lokale Ereignisse seit rund 45 Jahren / Als Zwölfjähriger die erste „Box“

Jahraus, jahrein mit der Filmkamera auf der Pirsch

Feggendorf (nah). Bei familiären Ereignissen oder Vereinsjubiläen, bei Dorffesten und Betriebsfeiern gehört Adolf Dittrich fast schon zum Inventar. Der Feggendorfer ist stets mit seiner Kamera dabei. Sorgfältig trifft er anschließend eine Auswahl und schneidet das Rohprodukt auf eine zuschauergerechte Länge. Seit fast 45 Jahren ist er nun schon regelmäßig unterwegs.

veröffentlicht am 07.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 04:41 Uhr

Direkt unter dem Dach seines Hauses befindet sich Dittrichs persönliches Reich. Schränke und Regale sind voll mit Filmkassetten und -spulen: Heute benötigen die von ihm bespielten DVD kaum noch Platz. Aber der 74-Jährige hat eben auch VHS-Kassetten, Super-8-Filme und sogar etliche historische 16-Millimeter-Streifen. Letztere sind nicht selbst gedreht, aber Dittrich bringt die betagte und stumme Flimmerei auf neue Datenträger und vertont sie.

Viel lieber aber sind Dittrich Interviews mit Zeitzeugen: Sie sollen den Filmverlauf kommentieren. Gerade legt er letzte Hand an eine Dokumentation des Jahres 1947 über die Casala-Werke. Eigens dafür ist er unter anderem zu einem Sägewerk nach Auhagen gefahren, um sich dort den Lärm des dortigen Gatters zu holen. Ehemalige Betriebsangehörige haben ihm Rede und Antwort gestanden. „Den neuen Film kennt noch keiner“, freut er sich geradezu spitzbübisch auf neugierige Augen- und Ohrenpaare. Schon oft hat er bei seinem Publikum für Staunen gesorgt; gerade erst vor einigen Wochen, als zum Lauenauer Jubiläum ein in den fünfziger Jahren entstandener Film in aufgearbeiteter Form gleich mehrfach im überfüllten Bürgerhaus gezeigt werden musste.

Die Arbeit aber, die Dittrich dafür im stillen Kämmerlein leisten muss, ist dem Leinwandvergnügen nicht anzusehen: „Eine Stunde Film, 20 Stunden Arbeit“, lautet seine Kalkulation. Aber die Freude ist dem gelernten Polsterer und späteren Schachtmeister noch nicht vergangen. „Ich kenne in Schaumburg wohl alle Kirchen und Standesämter“, vermutet er - und erinnert sich besonders gern an Hochzeitsaufnahmen in der Idenser Sigwardskirche oder in der Kapelle des Bückeburger Schlosses.

Aber fast noch lieber hält er sein Objektiv auf lokale Großereignisse: In Lauenau und Hülsede war er auf allen Jubiläumsterminen dabei. Und dann hat er auch noch Zeit und Lust, „morgens um vier“ in den Wald zu gehen und geduldig darauf zu warten, dass ihm Wildschwein, Reh und Marder vor das Objektiv laufen: „Ich kenne alle Stellen, an denen ich sie antreffe“, sagt er über seine Art jagdlicher Pirsch.

Zur Filmerei ist Adolf Dittrich übrigens über das Foto gekommen. Als Zwölfjähriger erhielt er eine „Box“, wie die einfachen Apparate damals genannt wurden. Und jedes Mal, wenn er der Lauenauer Fotografin Röschy die Filme zum Entwickeln brachte, lobte sie dessen Talent – und schickte ihn bald zu Hochzeitsterminen. Zur ersten Super-8-Kamera griff er in den sechziger Jahren in den ersten Lebenswochen von Tochter Diana. Seither hat ihn die Filmerei nicht mehr losgelassen: Konsequent ging er alle technischen Veränderungen und Neuerungen mit. Dafür drückt er regelmäßig noch einmal die Schulbank: Bei neuer Software für seine Geräte meldet er sich regelmäßig zu Seminaren an.




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