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Vor Gericht: Standpauke für Lauenauer / Kurz-Arrest, 400 Euro Geldbuße, zwei Beratungsgespräche

Junger Mann macht sich an Zwölfjährige ran

Lauenau/Stadthagen (ly). Eine gehörige Standpauke hat Richter Kai Oliver Stumpe einem Auszubildenden aus Lauenau gehalten, der sich im Internet an zwei zwölfjährige Mädchen herangemacht hatte. „Sie sind der Albtraum aller Eltern von Töchtern, die im Netz unterwegs sind“, schrieb Stumpe dem 21-Jährigen ins Stammbuch. „Genau die Sorte Mensch, vor der wir unsere Kinder warnen.“

veröffentlicht am 11.02.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 17:42 Uhr

Verurteilt hat das Amtsgericht in Stadthagen den Angeklagten wegen sexuellen Missbrauchs in drei Fällen. Zweimal davon ist es beim Versuch geblieben.

Zeit zum Nachdenken bekommt der junge Mann in einem Kurz-Arrest, zu verbüßen am Wochenende. Zahlen muss er 400 Euro Geldbuße, in seinem Fall ein Monatseinkommen. Hinzu kommt die Teilnahme an zwei Beratungsgesprächen.

Weil der Auszubildende zur Tatzeit vor zwei Jahren noch Heranwachsender war, erhält er „die Segnungen des Jugendstrafrechts“ (Stumpe), bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Dass die Sanktion später nicht im polizeilichen Führungszeugnis auftauchen wird, sei dabei „ein wahnsinniger Vorteil“, so der Richter. Als Erwachsener wäre der 21-Jährige zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. „Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist“, sagt er selbst.

Einem Mädchen hatte der Heranwachsende Fotos von seinem entblößten Intimbereich geschickt. Später forderte er die Schülerin auf, auch ihm derartige Bilder per E-Mail zu senden. Ein zweites Opfer, ebenfalls zwölf Jahre alt, sollte sich beim Chatten im Internet selbst streicheln, was die Minderjährige aber ablehnte.

Eines Tages stand die Polizei vor der Tür. „Das war ein Schock“, erinnert sich der 21-Jährige, der noch bei seinen Eltern lebte. Die Beamten hatten einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss. Notebook und Handy des jungen Mannes nahmen sie mit. Beides bekommt der Eigentümer übrigens nicht zurück. „Ein schmerzhafter Nebeneffekt“, wie Richter Stumpe erklärt.

Zu den Taten könnte es gekommen sein, weil der Heranwachsende sich an Gleichaltrige nicht herantraute. Nach eigener Darstellung hatte er damals weder eine Freundin noch Kontakt mit Mädchen. „Sexuell war der Angeklagte noch nicht ausgereift“, glaubt Stumpe.

Doch im Internet gebe es andere Möglichkeiten. „Da muss man nicht an Zwölfjährige ran. Das nimmt das Gericht ihm übel.“

Hoch rechnet Stumpe dem nicht vorbestraften 21-Jährigen dagegen an, dass dieser gleich zu Beginn ein Geständnis abgelegt hatte, getragen von Reue. Dadurch mussten die Mädchen nicht mehr vor Gericht aussagen. „,Leugnen wäre ohnehin zwecklos“, meint Staatsanwalt Wilfried Stahlhut. Für einen Pädophilen hält Stumpe den jungen Mann nicht. „Ich denke“, so der Vorsitzende, „dass es ein Einzelfall war.“ Vor der Tür wartete die Freundin des Auszubildenden. Sie wusste, worum es ging.




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