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Drei Jahre lang auf Wanderschaft

Junghandwerker Dennis Röver (25) auf der „Walz“

Soldorf (nah). Der 25-jährige Dennis Röver hat seinem Heimatort den Rücken gekehrt. Der gelernte Bauzeichner und Maurer geht für drei Jahre und einen Tag auf die „Walz“, um weitere berufliche Erfahrungen zu sammeln. Der Start wurde im Beisein zahlreicher Angehöriger, Freunde und Einwohner durch traditionelle Rituale markiert.

veröffentlicht am 08.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:22 Uhr

Der Experte für Lehmbau hatte zuletzt bei der Restaurierung der alten Schule mitgewirkt und dort wiederholt Praxisseminare geleitet. Zudem gewann er über die Schaumburger Interessengemeinschaft Bauernhaus viele Kontakte zu Handwerkern, die früher selbst auf Wanderschaft gegangen waren. Deren Erzählungen sowie der schon in der Lehre geborene eigene Wunsch ließen die Entscheidung reifen: Das wollte er auch selber ausprobieren.

Zunächst schloss er sich dem „Schacht der Rolandsbrüder“ an, um einen reisenden Kollegen zu finden, der ihn „auf den Weg bringt“. So will es die Tradition der Tippelbrüder. Ein erfahrener Kamerad begleitet ihn in der Anfangszeit, bringt ihm wichtige Tipps bei und beurteilt auch, ob der Neuling überhaupt die nötigen Voraussetzungen mitbringt, die vorgesehene Wanderzeit durchzustehen. Erst nach erfolgreicher „Probezeit“ darf er die „Ehrbarkeit“ erlangen und eine Art blauen Schlips und den Ohrring mit dem Zunftzeichen tragen. In der Zwischenzeit musste er sich auch nach einem geeigneten Knotenstock umsehen, den er schließlich in der Nähe der Rodenberger Windmühle fand und sorgfältig entrindete.

Begleitet wird Dennis von Tischlergeselle Julian aus Halle (Westfalen) und Zimmerer David aus Plauen. Julian ist seit zwei Jahren, David seit einem Jahr unterwegs.

Zunächst musste Dennis sein Bündel schnüren. Das nur etwa 80 mal 80 Zentimeter große Tuch enthält Ersatzkleidung und das nötigste Handwerkszeug. Das Handy musste dagegen zu Hause bleiben.

Apelern-Wappen vom Bürgermeister

Vor der Abreise schauten sich die fremden Gesellen noch in der Alten Schule Soldorf um und widmeten sich einer ausgiebigen Abschiedsfeier. Am anderen Morgen wurde es ernst: Am Soldorfer Ortsschild übergab Bürgermeister Heinrich Oppenhausen noch eine Anstecknadel mit dem Apelerner Wappen.

Dann musste Röver nur mit Hilfe seines „Stenz“ (dem Knotenstock) ein 80 Zentimeter tiefes Loch graben, in dem eine Flasche und die zu Papier gebrachten Wünsche seiner Lieben versanken. Danach kletterte er über das Ortsschild und marschierte mit seinen Kumpels in Richtung Rodenberg davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Wenn er die strengen Regeln des Schachtes einhalten will, darf sich Röver während der nächsten drei Jahre seinem Heimatort nicht mehr als 60 Kilometer nähern. Ende Juli 2015 wird er in Soldorf zurückerwartet.




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