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Forstamt beklagt illegale Entsorgung / Heimische Pflanzen bedroht

Kampf gegen Gartenabfälle im Wald

Bückeburg. Rechtlich ist die Situation klar: Wer einen Garten hat, muss auch für die ordnungsgemäße Entsorgung seines hier anfallenden Grün- und Grasschnittgutes aufkommen. Sei es durch Kompostierung auf dem eigenen Grundstück oder indem diese Gartenabfälle etwa über den Weg der Biotonne einer öffentlichen Kompostierungsanlage zugeführt werden. Immer wieder gibt es jedoch Zeitgenossen, die das nicht akzeptieren und die ihr Schnittgut und andere Grünabfälle stattdessen einfach in den Wald bringen.

veröffentlicht am 19.04.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:41 Uhr

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Allein im Bereich des Schaumburger Waldes gebe es knapp 30 solcher illegalen Abladestellen, berichtet Sören Peters, der Leiter des Forstreviers Meinser Kämpen. Exemplarisch zeigt er ein bei Rusbend nahe der östlichen Mittellandkanalbrücke gelegenes Waldstück, in dem ein rund 200 Quadratmeter großer und mehrere Meter hoher Haufen wild entsorgter Gartenabfälle als trauriges Anschauungsbeispiel für die Ignoranz mancher Grundstücksbesitzer dient. Dabei sind es jedoch nicht nur die Umweltfreveleien an sich, die den Revierförster wütend machen. Vielmehr bereitet es ihm auch Sorgen, dass mit den Grünabfällen aus den Gärten auch viele exotische Pflanzen in den Wald gelangen, die sich hier über ihre Samen oder neu austreibende Wurzelstücke verbreiten.

Stark invasive Neophyten – so der Fachjargon für fremdländische Pflanzenarten, die sich durch den Einfluss des Menschen in Gebieten ausbreiten, in denen sie bislang nicht heimisch waren – seien beispielsweise die „Kanadische Goldrute“, das „Indische Springkraut“ und die „Nordamerikanische Traubenkirsche“. Allesamt sehr wuchsfreudige Arten, die – auch weil sie hierzulande keine natürlichen Feinde haben – heimische Pflanzenarten mit der Zeit verdrängen können.

Die „Nordamerikanische Traubenkirsche“ etwa, ein Großstrauch, habe einen Ausbreitungsdrang, der dem des von vielen Gartenbesitzern verhassten Giersch entspreche, führt Christian Weber, der Leiter des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg, weiter aus. Schon ein kleines im Boden verbliebenes Wurzelstück reiche aus, dass daraus wieder eine Pflanze erwächst. Nicht nur im Schaumburger Wald führe dies zu erhöhten Kosten bei der Kultivierung neuer Anpflanzungen (hier: Eichen), indem manche Standorte mehrmals im Jahr von Hand gemäht werden müssen, um die „Nordamerikanische Traubenkirsche“ dort im Zaum zu halten. Und trotzdem wisse man nicht, ob man die jungen Eichen tatsächlich groß bekomme.

Das Problem sei, dass jene Gartenbesitzer, die ihre Grünabfälle verbotenerweise im Wald entsorgen, keinerlei Unrechtsbewusstsein hätten und sie auch die negativen Folgen für die Natur nicht abschätzen könnten, resümiert Weber. Wobei es erfahrungsgemäß eher „gut bürgerliche“ Mitmenschen seien, die ihr Grün- und Grasschnittgut hierher brächten, ergänzt Peters. Wie dreist sich dabei manche Umweltfrevler verhalten, schildert er am Beispiel eines Rusbenders, den er dabei erwischt hatte, wie dieser gerade einen landwirtschaftlichen Anhänger mit Gartenabfällen im Wald entlud. Trotz deutlicher Aufforderung, den Unrat wieder aufzuladen, habe sich der Mann in seinem Tun nicht beirren lassen, berichtet der Revierförster. Und selbst das von der hinzugeholten Polizei aufgrund Ordnungswidrigkeit verhängte Verwarnungsgeld habe mutmaßlich keinen großen Eindruck hinterlassen. Gleichwohl habe dieser seine Grünabfälle auf Druck der Polizeibeamten letztlich doch wieder mitgenommen.

Man könne nur daran appellieren, einmal darüber nachzudenken, was man der heimischen Natur durch solche illegalen Handlungen für einen Schaden zufüge, mahnt auch Bürgermeister Reiner Brombach. Zumal die ordnungsgemäße Entsorgung von Gartenabfällen bei der städtischen Kompostierungsanlage (Kornmasch, hinter der Kläranlage) mit einem Preis von 5 Euro pro angefangenem Kubikmeter ja nicht teuer sei.

Weitere Informationen im Internet unter www.bueckeburg.de.

Aus einem im Wald bei Rusbend gelegenen illegalen Grünabfallhaufen (Hintergrund) hat Revierförster Sören Peters die vertrockneten Reste einer Gartenstaude herausgefischt, die sich noch über ihre Samen in der Natur ausbreiten kann. wk




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