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Karneval: Gute Stimmung überwältigt

RINTELN. Erst überrascht, dann sichtlich beeindruckt und schließlich überwältigt: Man konnte es Udo-Jürgens-Imitator Didi direkt ansehen, welche emotionalen Reaktionen das Rintelner Karnevalspublikum in ihm auslöste. So eine Stimmung hatte der Neuling auf der Rintelner Prunksitzung offensichtlich nicht erwartet. Wir sind hier schließlich in Norddeutschland.

veröffentlicht am 04.02.2018 um 19:17 Uhr

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Claudia Masthoff Reporterin
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Und trotzdem musste er nur kurz eines der bekannten Lieder anstimmen, das Mikrofon in Richtung Zuschauerreihen halten, und der Saal begann zu dröhnen, weil über 270 Gäste mitsangen! Nun muss man dazu sagen, dass Didi, erst stilecht in schwarzem Anzug und mit glänzend polierten Schuhen, später dann auch im legendären weißen Bademantel, besonderes Glück hatte.

Er trat als Letzter an diesem Abend auf und traf dadurch auf ein Publikum, das schon durch ein ganzes Feuerwerk von begeisternden Auftritten eingestimmt war. Man hatte bereits Maria Crohn erlebt. Diese schillernde, in Rinteln immer gern gesehene Travestiekünstlerin hatte in gewohnter Manier schlüpfrige Erzählungen aus dem eigenen Liebesleben zum Besten gegeben. Mit ihren fantastischen Kostümen und mit der, bei aller Schrägheit, für sie typischen eigenen Würde eroberte sie einmal mehr die Herzen ihres Publikums.

In ebendiese hatte sich zuvor schon eine andere bekannte schräge Truppe hineingetanzt: die Klosterelfen. Das Outfit 2018: schwarze Langhaarperücken und Indianermädchenkleider. Verblüffend: Anders als manch barttragender Mittänzer – die haben es aus einleuchtenden Gründen etwas schwerer mit der weiblichen Ausstrahlung – konnte man erkennen, dass Ratsherr Kay Steding wohl auch ein richtig hübsches Mädchen abgegeben hätte.

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Die Auftritte von Fürstengarde und Tanzmariechen hingegen hatten sowohl Elferrat, wie auch das Rintelner Publikum in Stolz und Freude vereint. „Unsere“ Mädchen boten Tänze auf derart hohem Niveau, dass allen nur staunend der Mund offen stehen blieb. Schönheit, strahlendes Lächeln, das einen ganz vergessen ließ, wie anstrengend diese Garde- und Showtänze sind. Und es war auch ein Tanzmariechen, das Anlass für den ersten stimmgewaltigen Gesang im Saal gab: Geburtstagskind Alina Schrader bekam ein „Happy Birthday“-Ständchen geboten, an das sie sich sicher lange erinnern wird. Richtig gute Stimmung hatten auch die Wesernixen verbreitet, die ihr Publikum dieses Jahr mit wunderschönen Saloondamen-Outfits und entsprechenden Cancan-Tänzen direkt in den Wilden Westen entführten.

Für wohliges Gemeinschaftsgefühl und viel zustimmendes Nicken, hatte am frühen Abend bereits die traditionelle Büttenrede des Rintelner Nachtwächters, Hans-Hermann Stöckl, gesorgt. Der nahm in gewohnt kritisch-witziger Weise aktuelle Entwicklungen in unserer Stadt aufs Korn.

Dass die Zukunft des Brückentorkomplexes in seiner Rede viel Raum einnahm, wunderte niemanden. Hier ist der RCV mit seinen Großveranstaltungen ganz direkt betroffen, und Stöckl verkündete: „Dem Rathaus sei nur kurz beschieden, wir sind mit diesem Saal zufrieden!“

Ohne „Rintelner Jungs“ keine Karnevalsstimmung – das ist eine weitere unumstößliche Tatsache in der Tradition des RCV. Diese treuen Sänger sind seit 35 Jahren dabei. Ihre Lieder „Wir feiern Karneval in Rinteln“ und „Tödörö, Tödörö, Tödörö“ legen beim Rintelner Publikum zuverlässig den Hebel von norddeutsch zurückhaltend auf karnevalistisch ausgelassen um. Ab diesem Moment wird gesungen, geschunkelt, geklatscht und nicht zuletzt (zur Live-Musik von „two Music“) getanzt.

Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen und es ist nicht auszuschließen, dass sich manch armer Narr am Ende dieser Nacht noch an die Worte seines Fürsten, Thomas I.: „Zu Hause ist, wo der Schlüssel passt“, erinnerte, und eine Weile ins Zweifeln geriet, ob er da wohl vor der richtigen Tür stand.

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