weather-image
19°
×

Feuerwehr Bückeburg-Stadt beklagt mangelndes Engagement der Bürger

„Kaum jemand macht wirklich mit“

Bückeburg. Mit knapp 200 Einsätzen gehörte das Jahr 2014 für die Ortsfeuerwehr Bückeburg-Stadt nicht gerade zu den ruhigsten. Wie Ortsbrandmeister Torsten Buhrmester auf der Jahresversammlung bilanzierte, mussten die Blauröcke aus der Fürstenresidenz im abgelaufenen Jahr 82 Mal zu Brandeinsätzen ausrücken. Stadtbrandmeister Marko Bruckmann verwies auf das sehr gute Verhältnis der Wehren zur heimischen Politik, kam aber nicht umhin, in Sachen Nachwuchsmangel der „großen Politik“ die Leviten zu lesen. „Bei dem Thema können wir die Politik nicht in Ruhe lassen.“

veröffentlicht am 12.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

Autor:

Ganz besonders stört den Stadtbrandmeister die Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Ansehen der Feuerwehren in der Bevölkerung und der tatsächlichen Bereitschaft zum aktiven Engagement: „Es kann doch nicht angehen, dass wir bei den Bürgern eine Zustimmung von 97 Prozent haben, aber wirklich mitmachen tut kaum jemand.“ Auch bei den heimischen Feuerwehren seien es immer die gleichen, die sich aktiv engagierten. Daher verteilten sich angesichts steigender Einsatzzahlen und -arten immer größere Belastungen auf immer weniger Schultern.

Zu den 82 Einsätzen, welche die Ortsfeuerwehr Bückeburg-Stadt absolvierte, zählten vier Großbrände, elf Mittelbrände und 14 Kleinbrände. Dazu kamen 70 technische Hilfeleistungen, 18 Mal vorbeugender Brandschutz 25 Brandsicherheitswachen bei Großveranstaltungen. 195 Mal waren die Brandschützer insgesamt im Jahr 2014 im Einsatz. 278 Einsätze waren es, wenn man die Ausbildungs- und Übungsdienste noch hinzuzählt.

Eine ungewöhnliche hohe Steigerung musste die Ortsfeuerwehr Bückeburg-Stadt wieder einmal bei den Fehlalarmen durch Brandmeldeanlagen verzeichnen. 45 Mal wurden die Brandschützer umsonst gerufen, weil eine Brandmeldeanlage anschlug. Darunter fielen diesmal jedoch nur acht vorsätzliche und böswillige Fehlalarmierungen und fünf technische Defekte. Enorm zugenommen habe vor allem die Auslösung von Brandmeldeanlagen aufgrund von Handwerkerarbeiten, beklagte Buhrmester.

Torsten Buhrmester

Zu den spektakulärsten Brandeinsätzen im vergangenen Jahr zählten das Großfeuer in einer Nienstädter Fabrikanlage, ein Dachstuhlbrand in Obernkirchen sowie der Brand eines riesigen Komposthaufens auf dem Gelände der Fürstlichen Hofkammer nahe dem Mausoleum. Dass den Bückeburger Brandschützern 2014 nicht langweilig wurde, dafür sorgte auch eine Alarmübung Anfang September mit über 150 Einsatzkräften von Feuerwehr und Rettungsdiensten auf dem Gelände des Fleischwerks Bauerngut am Hasengarten. Sechsmal wurde die Ortsfeuerwehr zu Verkehrsunfällen gerufen, und nicht fehlen durften mehrere Tiere in Notlagen.

Eine besondere zeitliche Herausforderung stellen laut Torsten Buhrmester die Brandsicherheitswachen bei Großveranstaltungen wie dem Weihnachtszauber oder der Landpartie dar. Auf eine andere Entwicklung wiesen der stellvertretende Abschnittsleiter Süd Dirk Hahne und der Stadtbrandmeister Marko Bruckmann hin: Aufgrund der demografischen Entwicklung und der Überalterung der Gesellschaft komme es immer häufiger zu Einsätzen, bei denen hilflosen Menschen – zumeist in deren Wohnungen – geholfen werden müsse. Überall steige die Zahl der Einsätze, bei denen Feuerwehren den Mitgliedern von medizinischen Rettungsdiensten zu Hilfe kommen müssen, um beispielsweise einen Zugang zu einer Wohnung mit einer darin eingeschlossenen hilflosen Person zu schaffen. Es sei daher erforderlich, Ausbildung und Ausstattung der Feuerwehren stärker auf dieses Aufgabenfeld auszurichten.

Ein dicker Brocken nicht nur für die Feuerwehren, sondern auch in finanzieller Hinsicht für die Kommunen stellt die Umstellung auf den digitalen Sprechfunk dar. Dirk Hahne nannte diesen Schritt für eine reibungslose Kommunikation von Polizei, Feuerwehren und Rettungsdiensten im Einsatzfall trotz aller damit verbundenen Kosten „unausweichlich und bitter notwendig“. Dem schloss sich auch Arno Hansing von der Polizei Bückeburg in seinem Grußwort an.

Ganz schlecht zu sprechen ist Marko Bruckmann auf die Art, wie bestimmte Medien mit Brandschützern umgehen. Als Beispiel nannte er den gehässigen Bericht einer Berliner Tageszeitung über den Brand eines Feuerwehrhauses. Wie darin Kameraden lächerlich gemacht wurden, gehöre sich nicht. Hier erwartet der Stadtbrandmeister eine stärkere Parteinahme der Politik für die Feuerwehren.




Anzeige
Anzeige
Anzeige