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Dietmar Weikert ist einer der letzten: Nur noch sieben Imker im Raum Bückeburg

Kaum noch "Jungvolk" will sich um die Bienenvölker kümmern

Bückeburg (mig). Genpflanzen und Varroa-Milbe, Mitgliederschwund und Klimawandel: Die deutschen Imkervereine müssen derzeit an vielen Fronten kämpfen. Im vergangenen Jahr schreckte das mysteriöse Bienensterben in den USA, im Mai schädigte das Insektizid Clothianidin 300 Millionen Bienen in Baden-Württemberg. "Im Normalfall und wenn richtig gebeizt wird, dürfte so etwas eigentlich nicht passieren; in Frankreich ist das Mittel aber verboten", sagt Dietmar Weikert, Vorsitzender des Imkervereins Bückeburg. Ein größeres Problem sieht Weikert in der Mitgliederentwicklung der Ortsvereine: "Das speziell die jungen Leute wegbleiben, ist derzeit die größte Sorge der deutschen Imkerei."

veröffentlicht am 31.07.2008 um 00:00 Uhr

Weikert selbst hat schon als 14-Jähriger mit der Imkerei begonnen. Ein freifliegender Bienenschwarm bildete den Grundstock, danach hat ihn die Bienenzucht nicht mehr losgelassen. "Es ist faszinierend einen Schwarm von 20 000 Bienen auffliegen zu sehen, im Stock ihren Lebensrhythmus zu beobachten", sagt Weikert heute. Wer den Vereinsvorsitzenden an seinen vier Stöcken arbeiten sieht, merkt sofort, dass er ein "alter Hase" ist. Ohne Schleier und Schutzanzug hantiert der Bergdorfer mit den Waben, immer wieder kriechen Bienen über seine bloßen Hände. "Ich brauche keinen Schleier. Die Bienen sind auf Friedlichkeit gezüchtet", sagt er. Nur äußerst seltenwird Weikert im Verlauf des Sommers gestochen. Bis Mitte Juli tragen die Bienen Honig ein, danach muss eine Futterquelle im Stock platziert werden. Dafür, dass der Imker die Immen um ihren Honig erleichtern darf, gibt er ihnen Zuckerlösung oder -teig in den Stock. Gerade bei schlechtem Wetter verhindert der Züchter so, dass die Bienen in den Herbst- und Wintermonaten verhungern. In der "ausgeräumten Landschaft" finden die Bienen schon im Spätsommer kaum noch Blütenstände. Inzwischen ist die Saison zu Ende, vor einigen Wochen hat Weikert den Honig "abgeschleudert". Die Ernte bleibt vornehmlich in der Familie, ein Teil der süßen Leckerei geht aber auch an Freunde und Bekannte. Auch wenn Imker Weikert im Gegensatz zu vielen Mitbürgern weiß, was er auf sein Brötchen streicht, hat sich sein Einsatz in diesem Jahr nur bedingt gelohnt. "Die Frühtrachternte war durchschnittlich, die Sommerernte bescheiden." Weil in Deutschland vergleichsweise viel Honig verzehrt wird (etwa 1,4 kg pro Kopf und Jahr), muss inzwischen ein großer Teil importiert werden. Von Billighonigen aus dem Discounterregal sollten umweltbewusste Käufer trotzdem die Finger lassen. Weikert: "Die EU hatte Honigeinfuhren aus China zeitweilig verboten, in Deutschland unterliegen die Imker strengen Kontrollen durch den deutschen Imkerbund." Problematisch sind vor allem Arzneien gegen die Varroa-Milbe. Diese dürfen nur dann gegeben werden, wenn gerade kein Honigeintrag erfolgt. Die kleine Milbe, die in Europa fast jeden Stock befallen hat, ist die Hauptverantwortliche für das stille Sterben der Bienen. Gefährlich ist der Parasit vor allem, weil er die Biene schon im Larvenstadium schädigt. Ob neben der Varroose auch andere Faktoren eine Rolle spielen, ist unsicher. "Mit dem Insektizid, das in Baden-Württemberg so viele Bienen geschädigt hat, haben wir bishernoch keine Probleme gehabt", gibt Weikert Entwarnung, fordert aber verstärkte Kontrollen. Mehr Fragen wirft da ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Augsburg auf. Danach darf Honig, der Pollen von Genpflanzen enthält, nicht in den Verkehr gebracht werden. "Das ist ein Unding. Niemand weiß, ob es in dem Flugbereich seiner Bienen Felder mit genveränderten Pflanzen gibt. Wenn es immer mehr Felder mit Genpollen gibt, kommen die auch zwangsläufig irgendwann in den Honig." Am meisten Sorgen bereiten dem Züchter aber Überalterung und Mitgliederschwund. Während es in den 1950er Jahren im Bereich Bückeburg ungefähr 60 bis 70 Imker gab, zählt der Verein heute nur noch sieben Aktive. Bundesweit liegt das Durchschnittsalter der rund 82000 Hobbyimker bei über 60 Jahren, junge Züchter sind selten geworden. "Das Arbeitsleben stellt immer größere Anforderungen an die jungen Leute, außerdem haben Sport und Freizeit einen größeren Stellenwert bekommen", erläutert Weikert den Aderlass. Problematisch ist das "Imker-Sterben" vor allem im Hinblick auf die Bestäubungsleistung. Weikert: "Scheie und Müsingen, aber auch andere Orte haben keinen Imker mehr. Man muss davon ausgehen, dass dadurch auch weniger geerntet wird, eine flächendeckende Bestäubung nicht mehr gewährleistet ist." Ob es in Zukunft einen "Bestäubungsnotstand" und "bienenleere Landschaften" geben wird (Aktivist Karl-Heinz Bablok in der "Welt"), kann aber auch Weikert nicht sagen. "Vielleicht haben wir in 50 Jahren Großimker wie in den USA, die mit mehr 1000 Völkern von Ort zu Ort ziehen."




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