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35. Eisfahrt des Rintelner Kanuclubs mit Gästen aus ganz Deutschland und etlichen "Schwarzfahrern"

Kein Eis, dafür 1000 Kanuten auf der Weser

Rinteln (who). Die Paddler vom Rintelner Kanu-Club und die Bürger von Bremen haben mindestens zwei Gemeinsamkeiten: Beide wohnen am selben Strom und meistens fehlt es beiden Städten bei ihren Großveranstaltungen auf dem Fluss am Eis, den Bremern bei ihrer Eiswette im Januar und den Rintelnern bei der Eisfahrt im Dezember. Auch am Sonnabend, als 972 offiziell gemeldete Paddler in Hameln Richtung Rinteln auf die Weser gingen, war die Weser offen, herrschten fast frühlingshafte Temperaturen. Die Boote zogen an saftig grünen Ufern vorbei.

veröffentlicht am 11.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

"Wir haben inoffiziell auf jeden Fall die 1000 Teilnehmer erreicht", strahlte der 1. Vorsitzende und Eisfahrt-Organisator des RKC, Peter Specht am Abend, gut drei Dutzend unangemeldete "Schwarzfahrer" seien spontan noch dazu gestoßen - "die haben wohl erst das Wetter abgewartet". Schon ab 11 Uhr füllte sich der Platz vor der Grillhütte beim Fähranleger in Großenwieden mit Kanuten, die auf dem Weg von Hameln nach Rinteln zum Bootshaus der Gastgeber eine Pause einlegen. Ein Neuling geriet bei der Anfahrt zum Anlegeplatz mit seinem Boot unter die Fähre und ging über Bord. Die DLRG-Helfer aus Hameln, Hessisch Oldendorf und Rolfshagen mussten nicht mehr eingreifen, andere Paddler zogen den Unglücksraben vorher aus dem Wasser. Ulli Dörjes vom "Suppenkaspar" aus Porta Westfalica ist für den Ansturm gut gerüstet: 120 Fleisch und 40 Kilo Gemüse schmoren in seiner großen Gulaschkanone, aus der sich die hungrigen Paddler gern bedienen. Weil Paddler eher ruhige Leute sind, fällt das Mega-Ereignis insgesamt eigentlich gar nicht auf, eher still zieht die Armada der kleinen wie großen Boote über den Fluss. Die Eisfahrt-Aufkleber, auf denen ein witziges Porträt von Specht und die Zahl 60 an den Dezember-Event erinnert, sind Specht ziemlich schnell ausgegangen, dafür durfte er am Ende des Tages gleich die ersten Anmeldungen von Paddlern für das nächste Jahr annehmen. Seit 35 Jahren richtet der RKC Eisfahrten aus. Zunächst nur für den eigenen Verein und seit 25 Jahren offiziell bundesweit. Für viele alte Paddler-Hasen gehört die Massentour zum persönlichen Jahresprogramm. Darunter ist auch die Truppe von "Union Zwickau", die seit der Wende 1989 regelmäßig zur Eisfahrt kommt. "Wir haben uns schon seit 1984 durch den Austausch mit dem Polnischen Kanuverband kennen gelernt und gleich 1990 nach der Grenzöffnung waren sie dabei", erzählt Peter Specht. Dieses Mal sind neun Paddler aus Mitteldeutschland zur Eisfahrt gekommen und sie haben ein Verkehrsschild mit einer großen 60 darauf als Überraschungsgeschenk für den RKC-Vorsitzenden mitgebracht. Der feierte nämlich am Eisfahrttag seinen runden Geburtstag. Peter Specht ist seit 45 Jahren Mitglied seines Vereins und seit 1996 Vorsitzender. Dass sein Geburtstag immer wieder mal mit der Eisfahrt zusammen fällt, ist er gewöhnt. "Das war auch 1989 so, als uns unsere Freunde aus den neuen Bundesländern zum ersten Mal besucht haben", erinnert er sich. Aber ausgerechnet an dem Tag sei er selber verreist gewesen, "nach Schweden, weil ich meine Tante besuchen wollte, die damals ebenfalls ihren 60. Geburtstag gefeiert hat..."

3 Bilder
An der Fähre in Großenwieden war Pausenstation - elf Kilometer später wartete das Ziel in Rinteln.



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