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Landesrabbiner Jonah Sievers zu Gast im „Forum Stadtkirche“

Kein Freund der „Gleichmacherei“

Bückeburg. Ökumene? Mit diesem Wort kann Jonah Sievers aus Braunschweig nur wenig anfangen. Er halte gar nichts von „Gleichmacherei“, befand der Landesrabbiner Niedersachsens bei seinem Auftritt im „Forum Stadtkirche Bückeburg“. Es gebe Sachen, die man gemeinsam und andere, die man nicht gemeinsam machen könne.

veröffentlicht am 13.09.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 12:21 Uhr

Es war ein erkenntnisreicher Vortrag, den Landesrabbiner Jonah Sievers vor rund 100 Zuhörern im Gemeindehaus der Stadtkirche gehalten hat. Unter dem Titel „Von der Weisheit und Schönheit der Religion“ beschäftigte sich der 43-Jährige zunächst mit theologischen Fragen, bevor er in eine Diskussion mit dem Publikum einstieg. Das, so Sievers, sei am Produktivsten. „Ich möchte ihren Standpunkt kennenlernen.“

Den Vortrag selbst begann Sievers mit dem Vorurteil, dass das Judentum, als „Religion des Gesetzes“, wie „ein enges Korsett“ sei, „aus dem man sich nicht befreien kann“. Juden gingen ängstlich umher und schauten, ob gegen kein Gesetz verstoßen werde. Natürlich schränke einen das Gesetz ein, beispielsweise in dem, was man essen könne. Aber: „Das Gesetz umfasst das gesamte Leben und es gibt uns Freiheit“. Er jedenfalls laufe nicht den ganzen Tag rum und frage sich, ob er etwas falsch mache.

Als Beispiel für die Ausnahmestellung des Gesetzes führte Sievers an, dass einige Zeit nach dem Pessach-Fest (eine Erinnerung an den Auszug aus Ägypten) die Gabe der Tora (hebräische Bibel) gefeiert werde. Man könne also sagen, dass die physische Befreiung nicht genug gewesen sei, „es brauchte die geistige Befreiung durch die Gabe der Tora“, befand der Geistliche.

Ein weiteres Missverständnis, dass an diesem Abend aufgelöst wurde, betrifft den heiligen Tag der Juden. Darf man am Sabbat arbeiten? Nein, lautet die weitverbreitete Meinung. Ja, sagt Sievers. „Tatsächlich können sie den ganzen Sabbat über Colakisten rumschleppen und sie haben den Sabbat technisch nicht gebrochen.“ Verboten sei lediglich die kreative, produktive Arbeit. „Man darf also ein Haus kaputtmachen, aber nicht, um ein neues zu bauen.“ Das sei eine „Notbremse“, sagt Sievers. „Sechs Tage lang könnt ihr euren Verstand benutzen, um die Welt mitzugestalten, aber einen Tag in der Woche nicht, damit ihr nicht übermütig werdet.“

Die anschließende Frage-Runde mit einem engagierten Publikum trug dann zur weiteren Erhellung bei. Etwa in Sachen Ökumene: „Ich bin kein großer Freund der Gleichmacherei“, gab Sievers zu verstehen. Es gebe viele Sachen, die man gemeinsam machen könnte, andere könne man eben nicht gemeinsam machen. „So wie es nicht den Menschen gibt, wird es auch nicht die Einheits-Religion geben.“ Was passiere, wenn der Messias komme, „who know’s“. Und auch die Zusammenfassung unter das Label „abrahamitische Religionen“ ist Sievers sichtlich fremd. Damit könne er nur wenig anfangen, schon allein weil es in Bezug auf den Islam Unterschiede im Verständnis von Abraham gebe.

Eine Zusammenarbeit von Christen, Moslems und Juden in Niedersachsen hält der Landesrabbiner trotzdem für wünschenswert. Vor einiger Zeit hätte eine Koalition jüdischer und christlicher Gemeinden dafür gesorgt, dass Gott in der niedersächsischen Verfassung verankert werde. „Und bei der Diskussion um die Beschneidung haben die Kirchen sofort gemerkt, dass das ein Angriff auf die Religion als solche ist und haben sich sofort an unsere Seite gestellt.“ Kurzum: „Uns verbindet mehr als uns trennt.“ Es sei ein gemeinsames Anliegen „das Religion weiter gehört wird“.mig

Landesrabbiner Jonah Sievers wird im „Forum Stadtkirche Bückeburg“ von Landesbischof Karl-Hinrich Manzke begrüßt.

mig




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