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Wegen des „Falschen Weißen Stängelbecherchens“ – 80 Prozent fallen

Killer-Pilz macht Eschen den Garaus

veröffentlicht am 01.09.2016 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:29 Uhr

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BÜCKEBURG. Das Eschensterben oder auch Eschentriebsterben in den Fürstlichen Forsten geht weiter und hat in diesem Jahr „dramatische Ausmaße“ erreicht. „Wenn man genau hinschaut und das Schadbild kennt, kann man es fast an jeder Esche entdecken“, sagt Revierförster Alfred Matthaei. Er hat zu einem Ortstermin in den Sandfurth-Wald zwischen Gevattersee und der Großen Klus im Bückeburger Ortsteil Röcke geladen. Hier steht in einem Bereich ein knapp 100 Jahre alter Eschen-Bestand, der ab kommenden Montag mitsamt Eschen aus jüngeren Beständen gefällt wird.

Und gefällt werden muss, denn das Heimtückische an dem für das Eschensterben verantwortlichen Pilz, dem „Falschen Weißen Stängelbecherchen“, ist, dass er zunächst zwar nur die Stängel der Blätter befällt, dann aber arbeitet er sich über die Zweige und Äste bis zum Stamm vor. Sekundäre Schädlinge folgen oder die Wurzelfäule. Die Bäume reagieren mit Notmaßnahmen, bilden buschartige Blatthaufen an den Ästen oder sogenannte Wassertriebe am Stamm aus. Was alles nichts hilft. Sie sind dennoch dem Tode geweiht. Gegenmittel gegen den asiatischen Killerpilz gibt es nicht.

Ist der Pilz erst einmal im Stamm, ist er für das Fürstliche Forstamt nicht mehr zu verwerten und muss als billiges Brennholz oder für die Industrie verramscht werden. Riesige Verluste nicht nur für das Forstamt, sondern für alle Forstbesitzer bundesweit. Sie fürchten, ebenso wie Matthaei, dass es demnächst keine Eschen mehr geben wird, sie aussterben. Denn bisher gibt es nur einige, ganz wenige Bäume, die Resistenzen gegen den aus Asien eingeschleppten Pilz gebildet haben. Esche gehört zu den wertvollsten Edelhölzern in Deutschland.

„Das hier rechts sind Bestände, die wir über Jahrzehnte und über Generationen gepflegt haben. Die hier links sind um die 50 Jahre alt und mit Stammdicken zwischen 20 und 30 Zentmieter gerade so, dass sie Gewinn abgeworfen hätten“, zeigt Matthaei auf Bäume auf der anderen Seite des Weges. Fast alle tragen schon ihre blauen Punkte. Damit die Waldarbeiter, die am kommenden Montag mit ihren großen Harvestern anrücken werden, wissen, was gefällt werden darf – samt der „dienenden Hainbuchen“, die durch ihr Blattwerk und dem wenigen Licht, das noch einfällt, dafür gesorgt haben, dass die Eschen rank und schlank ohne Äste in den Himmel gewachsen sind.

Rund 80 Prozent der Eschen und Hainbuchen im Sandfurt Wald tragen blaue Punkte. Nur 20 Prozent sind mit blauen Ringen markiert, dem Zeichen für die Waldarbeiter, dass diese Bäume stehen bleiben. „Da blutet einem das Herz“, stellt Matthaei resigniert mit Blick auf den fast 100 Jahre alten Bestand fest. Und ob in den kommenden Jahren die Harvester nicht noch einmal anrücken müssen, um dann die restlichen Eschen zu fällen ist nicht sicher. „Ein Baum, der dieses Jahr noch einen gesunden Endruck macht, kann im kommenden Jahr schon ganz anders aussehen.“

Der Sandfurth-Wald ist nicht der einzige Wald, wo in den kommenden Wochen Eschen geschlagen werden. Allein in seinem Bereich, der 1368 Hektar umfasst, rechnet Matthaei damit, das rund 2000 Festmeter Schadholz aus den Forsten geholt werden – allein in diesem Jahr. Was rund 20 Prozent der Gesamtmasse des Holzeinschlags von jährlich rund 9000 bis 10 000 Festmeter allein im Revier von Matthaei ist. Auch im Harrl oder im Schaumburger Wald wird die Säge noch zum Einsatz kommen – oder in der Landwehr oder dem Siekholz. Hier geht es allerdings nicht um große zusammenhängende Eschenbestände. Insgesamt umfassen die Fürstlichen Forsten 3738 Hektar.

Die freien Flächen werden in den kommenden Jahren wieder aufgeforstet. „Nicht mit Esche“, wie Matthaei eigentlich nicht betonen muss: Eiche, Ahorn, Buche oder Erle zählt er auf. Alles auf einmal aufzuforsten, dafür fehle Personal, macht der Revierförster deutlich, dass sich die Augen der Spaziergänger in dem beliebten Naherholungsgebiet auf Kulturgründungen statt wildem Wald einstellen müssen.

Am kommenden Montag beginnen die Arbeiten im Sandfurth-Wald. Aus Sicherheitsgründen werden Wege gesperrt und nicht passierbar sein.




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