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Hinter den Kulissen der Ortsfeuerwehr Bückeburg-Stadt

Kinderfeuerwehr soll die Nachwuchsarbeit optimieren

Bückeburg (kk). Wenn in der Öffentlichkeit von der Bückeburger Feuerwehr die Rede ist, geht es meist um spektakuläre Einsätze wie einen Cabriobrand (Bericht rechts) oder Probleme wie – im vorigen Jahr – die Besetzung von Leitungspositionen. Nur ganz selten kommt zur Sprache, wie es eigentlich hinter den Kulissen auszieht, wie der Betrieb Feuerwehr mit Ehrenamtlichen am Laufen gehalten wird; wie viel Engagement nötig ist, um die freiwilligen Brandschützer immer aufs Neue zu motivieren, auszubilden und auch noch genügend Nachwuchs zu finden. Über diese – oft vergessenen – Aspekte des Feuerwehralltags äußerten sich jetzt der neue Bückeburger Ortsbrandmeister Torsten Buhrmester und sein Stellvertreter Erwin Tatge.

veröffentlicht am 19.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 09:21 Uhr

Die Feuerwehr Bückeburg-Stadt ist gut aufgestellt – darüber sind sich Buhrmester und Tatge einig. 81 Aktive stellen Tag und Nacht den Brandschutz sicher, leisten technische Hilfeleistungen oder schieben Brandwachen, 18 Jugendliche bereiten sich in der Jugendfeuerwehr auf den aktiven Dienst vor. Motivation und Betriebsklima stimmen, „gute Kameradschaft“ lautet ein Rezept für den reibungslosen Dienstbetrieb. „Wir können uns aufeinander verlassen,“ erklärt Buhrmester ein wenig stolz, was damit gemeint ist. „Alle packen mit an, wenn etwas erledigt werden muss,“ ergänzt Tatge. Auch unabhängig von den Einsätzen sei es kein Problem, Unterstützung zu finden. Gleichzeitig korrigiert er ein Bild, dass der eine oder andere noch von der Feuerwehr alten Schlages haben mag: „Gefeiert wurde früher mehr!“ Alkohol sei im Einsatz und bei Übungsdiensten selbstverständlich tabu. Zu komplex seien die Anforderungen, die zum Beispiel moderne Technik an die Feuerwehrleute stelle. Da werde jederzeit ein klarer Kopf gebraucht.

Den brauchen die Mitglieder des Führungsteams und des Kommandos auch, wenn sie sich durch den Wust neuer Vorschriften und Anweisungen arbeiten müssen. Mit dem Löschen und Üben allein ist es schon lange nicht mehr getan: Die Bürokratie hat längst Einzug gehalten in den Feuerwehralltag. Ein paar Aktenordner reichen da nicht mehr aus. „Und plötzlich sind schon wieder 60 oder 80 neue Mails auf dem Rechner – fast alle mit umfangreichen Anhängen,“ so Tatge. Ob Feuerwehrverband oder Unfallkasse, fast täglich beanspruchen geplante, neue oder geänderte Vorschriften die Aufmerksamkeit, wollen nicht nur dokumentiert, sondern auch umgesetzt werden.

Das kostet Zeit, Kraft und nicht zuletzt Nerven. Und führt auch dazu, dass es gar nicht so einfach ist, Leitungspositionen zu besetzen. „Schließlich ist die Feuerwehr unser Hobby,“ erklären Buhrmester und Tatge. Bei einem „normalen“ Job sei das nach Feierabend gar nicht zu stemmen. Da müsse man schon sehr viel Unterstützung des Arbeitgebers haben oder als Selbstständiger bereit sein, entsprechend Zeit zu opfern.

Schon heute machen sich die Bückeburger Brandschützer Gedanken um das Führungspersonal von übermorgen. Um die Nachwuchswerbung weiter zu verbessern, soll wahrscheinlich noch im Herbst eine Kinderfeuerwehr gegründet werden. Hintergrund: Wer in die Jugendfeuerwehr eintreten möchte, muss mindestens zehn Jahre alt sein. „In diesem Alter haben aber viele Kinder ihr Hobby schon gefunden,“ weiß Buhrmester. Folgerichtig soll eine Kinderwehr für die Jüngsten vorgeschaltet werden – auch hier werden Spaß und Spiel im Vordergrund stehen. Aus seinem Engagement in der Brandschutzerziehung weiß der Ortsbrandmeister, dass Kindergarten- und Grundschulkinder leicht für die Feuerwehr zu begeistern sind – quer durch alle sozialen Schichten. So bietet sich auch die Chance, Kinder in die Gruppe zu integrieren, die sonst vielleicht Außenseiter bleiben würden. Denn: „Hier zählt nicht die Marke, sondern der Mensch.“

Und wenn es gelingt, diese Begeisterung der Kinder und Jugendlichen über Jahre zu erhalten, muss sich auch die „große“ Feuerwehr um geeigneten Nachwuchs keine Sorgen zu machen. Allerdings freuen sich die Verantwortlichen auch immer wieder über erwachsene Seiteneinsteiger. „Wir sind offen für alle,“ so Tatge. Damit sind auch Männer und Frauen mit Migrationshintergrund angesprochen, die sich zur Zeit allerdings noch eher rar machen.

Verbindendes Element seien das Wissen und die Motivation, anderen zu helfen. „Das gibt Kraft, auch schwierige Situationen durchzustehen,“ weiß Tatge aus eigener Erfahrung. Und das motiviere auch die Führungscrew immer aufs Neue. In der Gemeinschaft sei es auch leichter, grausame Eindrücke, die jeder Aktive früher oder später zum Beispiel bei einer Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall erlebt, zu verarbeiten.

Gerade der besonnene Umgang mit schwierigen und manchmal auch gefährlichen Situationen unterscheide die Feuerwehrleute von anderen Ehrenamtlichen in der Gesellschaft. Im Sportverein sei man nun einmal nicht rund um die Uhr bei jedem Wetter gefordert. „Das macht uns natürlich nicht zu besseren Ehrenamtlichen – aber zu anderen,“ sind sich Buhrmester und Tatge einig.




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