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Gottesdienst am 9. November / Gedenktafel am jüdischen Friedhof / Ausstellung in der Sparkasse

Kirchen erinnern an die "Reichskristallnacht"

Rinteln (who). Am Sonntag, 9. November, jährt sich zum 70. Mal die von den Nazis zynisch verharmlosend "Reichskristallnacht" genannte Pogromnacht vom 9. November 1938. Schaumburger nehmen dies zum Anlass, die Erinnerung an ehemalige jüdische Mitbürger in den Mittelpunkt ihrer Gedenkgottesdienste zu stellen. In Rinteln widmet sich zudemeine Ausstellung den Biografien jüdischer Bürger, und am jüdischen Friedhof wird eine Gedenktafel enthüllt.

veröffentlicht am 28.10.2008 um 00:00 Uhr

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In der "Reichskristallnacht" beziehungsweise Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurden tausende Geschäfte jüdischer Inhaber sowie Synagogen und jüdische Friedhöfe im gesamten Deutschen Reich zerstört. Der 70. Jahrestag ist Anlass zum Gedenken: In Rinteln werden sich die evangelisch-lutherische Nikolai- und Johannis-Gemeinden, die evangelisch-reformierte Jakobi-Gemeinde und die katholische St.-Sturmius-Gemeinde an der Gedenkveranstaltung beteiligen. Beim Pressegespräch in der Superintendentur haben die Initiatoren das Konzept vorgestellt, das aus drei Bausteinen besteht. Pastor Falk Nisch aus Beckedorf erklärt: "Baustein Nummer eins ist ein gemeinsamer Gedenkgottesdienst der Reformierten sowie der Nikolai- und der Johannis-Gemeinde in der Nikolaikirche." Eigentlich habe man sich gewünscht, dazu Zeitzeugen einladen zu können, was leider nicht möglich gewesen sei. Beim zweiten Baustein geht es darum, den jüdischen Friedhof ins Gesichtsfeld zu rücken. "Nach dem Gedenkgottesdienst zieht die Gemeinde zum jüdischen Friedhof an der Ostertorstraße und dort kommt die Sturmius-Gemeinde hinzu, die zuvor ihren eigenen Gottesdienst abhält", erklärt Superintendent Andreas Kühne-Glaser. Nach der Ankunft werde zunächst eine von der Stadt Rinteln gestiftete schlichte Gedenktafel durch Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz enthüllt. Anschließend werden die Namen von jüdischen Mitbürgern verlesen, die früher in Rinteln gelebt haben. Danach geht es zurück in die Innenstadt zur Sparkasse in der Klosterstraße. Denn, so Pastor Falk Nisch: Dritter Baustein der Gedenkveranstaltung ist die von Dagmar Giesecke gestaltete Ausstellung "Jeder Mensch hat einen Namen" - am Sonntag besteht gegen 11.45 Uhr die Möglichkeit zum Rundgang durch die Ausstellungmit einer kurzen Einführung durch die Initiatorin. Die Wahl-Rintelnerin und Archivarin am Stadtarchiv Bielefeld hat dazu Fotografien ehemaliger jüdischer Bürger aus Rinteln jeweils mit einem Kurzporträt und dem persönlichen Schicksal auf Postern vereinigt. Die offizielle Eröffnung der Ausstellung in der Sparkasse ist am Freitag, 7. November, um 18.30 Uhr. Nach den Grußworten der Gäste wird Dagmar Giesecke eine persönliche Einführung geben. Die Porträts sind zu sehen vom 10. bis 28. November, jeweils Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. Der Gedenkgottesdienst am Sonntag, 9. November, in St. Nikolai beginnt um 10 Uhr. Die Enthüllung der Hinweistafel am jüdischen Friedhof ist für 11 Uhr geplant. Die Gedenkveranstaltungen im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg am 9. November sollen schwerpunktmäßig auch dazu dienen, schrittweise das Verhältnis zwischen den Menschen christlichen und jüdischen Glaubens zu entkrampfen, erläutert Superintendent Andreas Kühne-Glaser aus Rinteln. "Wir müssen abwarten, was daraus erwächst, und werden die Gedenkveranstaltungen in ähnlicher Weise eventuell in jedem Jahr wiederholen", kündigt Pastor Heiko Buitkamp an.




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