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Lauten- und Flötenvergnügen im übervollen Refektorium

Klänge voller feiner Abstufungen

Loccum (dis). Unter dem Motto "Musikalisches Vergnügen am barocken Hof" hat das Duo "Musical Delight" in der Veranstaltungsreihe "Einkehr am Sonntag" im Refektorium des Klosters Loccum ein ganz besonderes Konzert geboten. Diesem Auftritt war ein voller Erfolg beschieden - wobei der Begriff "voll" wörtlich zu verstehen ist, denn die Stühle reichten für die vielen Interessenten nicht aus.

veröffentlicht am 26.07.2008 um 00:00 Uhr

Diejenigen, die einen Sitzplatz ergattert hatten oder mit einem Stehplatz vorliebnehmen mussten, erlebten indes eine interessante Darstellung klingender Geschichte. Mit der auch Theorbe genannten großen Laute und Traversflöte beschworen Susanne Peuker und Dorothee Kunst eine Klangwelt herauf, die im krassen Gegensatz zum heutigen Trend der immer schriller werdenden Beschallung stand. Die Zuhörer fühlten sich auf diese Weise in die Zeit des höfischen Lebens zurückversetzt und ließen sichgern von den (nach ihrer Phonzahl) stillen Werken gefangen nehmen. Der filigrane und beseelte Ton der Laute sowie der warme und dennoch kräftige der Flöte kamen einleitend der lebendigen "Premiere Suite in G-Dur" von Louis Antoine Dornel entgegen. Reich an rhythmischer Vielfalt entfaltete sich danach Giovanni Plattis "Sonate IV in G-Dur", die ihren Ausdruck in vier ganz unterschiedlichen Sätzen fand. In der folgenden "Sonate d-Moll" aus der Feder Christoph Schaffraths konnte man ebenfalls bewundern, welch feine Abstufungen die Expertinnen ermöglichten, und wie nuanciert das Zusammenspiel zwischen Flöte und dem silbrig-zarten Sound der Laute ausfiel. Das Spektrum an Möglichkeiten der Differenzierung und der Betonung von Melodieverläufen nutzte die sich sehr gut ergänzenden Interpretinnen darüber hinaus beim Vortrag der bunt schimmernden "Sonate G-Dur" (Hamburger Sonate) von Carl Philipp Emanuel Bach nach Kräften aus. Da in unserer Zeit Disco- und Computerrhythmen ein gnadenloses Tempo vorgeben, bekam Susanne Peukers Lautensolo zwischendurch einen ganz eigenen Stellenwert. Mit virtuosem Zugriff gelangen ihr in der "Fantasie c-Moll" von Silvius Leopold Weiss subtile Abstufungen und die Setzung typisch barocker Akzente. Den Anwesenden wurde an diesem Abend deutlich, welche Vitalität in der "alten" Musik steckt, wenn sie mit Gespür für originale Gestaltung und Fantasie vorgeführt wird, und es dankte mit freundlichem Beifall.




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