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Gewässerwart der Hülse beharrt darauf: Stadthäger Abwasserbetrieb verantwortlich für Fischsterben

Klärwerksleiter stellt sich „Persilschein“ aus

Lauenhagen/Stadthagen (gus). Die Auseinandersetzung über die Ursache des Fischsterbens in der Hülse vor knapp drei Wochen geht in die nächste Runde. Die Werksleitung der Stadthäger Kläranlage weist in einem Schreiben an diese Zeitung alle Vorwürfe zurück. Für Gewässerwart Frank Scholz ist das Vernebelungstaktik.

veröffentlicht am 31.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 06:42 Uhr

Die „Unterstellungen“, der Abwasserbetrieb der Stadt Stadthagen habe eine Flüssigkeit in den Bach geleitet, die zu dem Fischsterben auf zehn Kilometer Länge geführt hat, will Werksleiter Manfred Lück „nicht unwidersprochen“ hinnehmen, schreibt er. Sieben Punkte, die gegen die Kläranlage als Verursacher sprechen, sollen eine Art „Persilschein“ ergeben.

Unter anderem weist Lück darauf hin, dass es seit Jahrzehnten keine Havarie an der Anlage gegeben hat. Auch haben laut Lück am Tag der Hülse-Verseuchung, dem 11. Juli, alle Aufzeichnungsinstrumente keine Normabweichung angezeigt. Gewässerwart Scholz erklärt, dass dieses Argument hinfällig ist, weil er ohnehin von keinem Unfall ausgeht und das Einhalten der Norm im getesteten Klärwasser eben eine Folge der Verunreinigung der Hülse ist.

Es liege nahe, dass hoch konzentriertes häusliches Abwasser aus dem Klärzyklus abgezweigt wurde, um dessen Klärbecken vor dem Umkippen zu schützen. Es sei möglicherweise versucht worden, die Kläranlage zu schützen, weil es lange gedauert hätte, das Gleichgewicht beispielsweise in den Klärteichen wiederherzustellen, wenn diese einmal umgekippt wären.

„Aus meiner Sicht war die Kläranlage am Limit. Das war auch eine Folge der Hitze“, so Scholz. Dass der „Schönungsteich“ auf dem Betriebsgelände am Abend des 11. Juli von Polizei und Landkreismitarbeitern in Augenschein genommen wurde und dabei keine milchige Trübung festgestellt wurde – Lücks drittes Argument – ist nach der Folgerung Scholz alles andere als ein Wunder. Das Wasser, das die Hülse verunreinigt habe, sei dort bewusst nicht eingeleitet worden.

Der Gewässerwart ist sich der Brisanz seiner Vermutung bewusst. Er wolle auch niemanden direkt beschuldigen. Allerdings lasse seine jahrelange Arbeitserfahrung als Tester von Kläranlagen keinen anderen Schluss zu, als dass bewusst Abwasser in den Bach bei Lauenhagen geleitet wurde. Um dies aufzuklären, werde die Staatsanwaltschaft eingeleitet.

Auch Lücks weitere Argumente beziehen sich auf Probenergebnisse von Kläranlagen-Teilen. Beispielsweise habe auch eine Untersuchung des unterirdischen Ablaufkanals zwischen Hülse und Klärwerk keine milchige Flüssigkeit, wie sie im Bach gesichtet wurde, zutage gefördert. Dies schließe aus, dass eine solche Substanz „durch Dritte eingeleitet“ worden war.

Scholz misst auch diesem Punkt keine Bedeutung bei. Es sei die Frage, wann am Sonntagabend dieser Untersuchung vorgenommen wurde. Mit etwas Nachspülen könne in einem Kanal leicht jede Spur verwischt werden. Nicht aber im Hülsebach, wo sich die milchige Flüssigkeit an Uferpflanzen festsetzte und Tausende tote Fische sichtbares Resultat des Umweltfrevels waren.

Dass die Werksleitung Abwasserproben aus dem Klärbetrieb als Beweise aufführt, findet Scholz ärgerlich. Eigentlich müssten die Verantwortlichen wissen, was Sache ist. Und um Klärteiche vor dem Umkippen zu schützen, gebe es andere Entsorgungsmöglichkeiten, als einen Bach zu verseuchen.




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