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Spaniens aufgeweckte Metropole von Ateliers bis Poesie

Kleider, Kunst, Kollektionen – Madrid betört mit Vielfalt

Madrid. Zwischen Handys, Post-it-Zetteln, Klebeband, Stiften und Stoffen tummeln sich immer wieder einzelne Stecknadeln, schlängeln sich abgerollte Maßbänder über die Tischplatte. Leere Wasserflaschen zeugen davon, dass hier jemand geschwitzt hat – und noch schwitzt. Während die edlen Roben in schützende Folien geschlagen wartend am Garderobenständer hängen, laufen die Modemacher und ihre Assistenten hektisch durch den Raum. Wer in den Tagen der Madrider Modemesse ein spanisches Designeratelier besucht, wird alles vorfinden – nur garantiert keinen aufgeräumten Schneidertisch. Im geordneten Chaos werden letzte Vorbereitungen getroffen, komplette Outfits vom Ohrring bis zur Sandalette zusammengestellt. Bis die perfekt gestylten Models schließlich bei ohrenbetäubend lauter Musik über den Laufsteg stolzieren, vergeht jede Menge Arbeit in jeder Menge Zeit.

veröffentlicht am 20.02.2009 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 26.03.2009 um 12:27 Uhr

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Die Cibeles Madrid Fashion Week, die sich erst vor wenigen Jahren aus dem Schatten ihrer großen Schwester, der Pasarela Gaudì in Barcelona, gelöst hat, bricht alle Rekorde: Zuletzt zeigten in der spanischen Hauptstadt 52 Designer in 40 Shows ihre Kollektionen auf zwei Laufstegen – und das an nur fünf Tagen. Das Modespektakel genießt die internationale Aufmerksamkeit, das Interesse wächst stetig. Kein Wunder bei der Vielfalt und Kreativität, die hier in Form atemberaubender Gewänder gezeigt wird.

Auch im Hinblick auf die Gesundheit ihrer Models sind die spanischen Modedesigner ihren Kollegen aus London und New York einen Schritt voraus: In Madrid darf nur auf den Catwalk, wer einen bestimmten Body-Mass-Index vorweisen kann; für alle anderen Mannequins stehen eine Ernährungsberatung und ein Psychologe bereit. Zugegeben: Die Damen, die in den Kollektionen der je übernächsten Saison durch das Scheinwerferlicht stolzieren, wirken noch immer sehr dünn. Das mag jedoch auch an den 15-Zentimeter-Absätzen liegen.

Sogar die Prinzessin

kauft hier Handtaschen

Wem der Trubel mit der Modeshow zu wenig exklusiv ist, der sollte sich gegen die Fashion Week und für einen Schaufensterbummel in Madrids Altstadt entscheiden. Die wichtigsten Modegrößen Spaniens wie Jesús del Pozo, Davidelfin und Adolfo Domìnguez zeigen auch hier ihre Vorstellungen von Eleganz. Eindrucksvolle Innenausstattungen – sei es hochmodern oder kitschig-glamourös – begeistern dabei oft genauso sehr wie die dargebotene Kleidung.

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Auch bei Cibeles Madrid vertreten, aber viel angenehmer in der Boutique-Atmosphäre zu bestaunen, sind die Kollektionen von Loewe, einem Hessen, der in Spanien einen Familienbetrieb mit langer Tradition auf die Beine gestellt hat: Seit 136 Jahren existiert die gleichnamige Boutique an der Gran Via 8. Als Beweis dient das stolz gehütete Gästebuch, in dem sich über die Jahre viele namhafte Käufer eingetragen haben. Besonders in den 50er und 60er Jahren war Loewe sehr beliebt bei Hollywoodschauspielern. Hier verewigten sich Grace Kelly, Cary Grant, Deborah Kerr und Anthony Quinn sowie etliche Mitglieder der Königsfamilie, die noch heute regelmäßig im oberen Stockwerk in der Gran Via Champagner schlürfend Handtaschen oder Parfüms aussuchen. „Die erste Etage wird dann für andere Kunden geschlossen, sodass wir der Prinzessin in Ruhe unsere Ware zeigen können. Sie ist ein Fan unserer Handtaschen“, berichtet stolz Geschäftsführer Manel Gimeno.

Junge Modeschöpfer und

ihre zehn Quadratmeter

Wer weniger Geld ausgeben kann oder möchte, findet paradoxerweise an der teuersten Straße Madrids, Serrano, die Niederlassung von Adolfo Domínguez. Seine vielfältigen Kollektionen sind sehr beliebt und bieten ein adäquates Preisleistungsverhältnis. Es ist genau genommen sogar der einzige Laden an der Serrano, in dem es möglich ist, schon für 20 Euro etwas zu kaufen. Noch günstigere und umso trendigere Einkaufsmöglichkeiten bietet das alternative Stadtviertel Fuencarral, das mit direkter Verbindung an die Gran Via an die Altstadt anschließt. Mit etwas Glück bekommt man hier die Schuhe, die bei den Modenschauen vorgeführt wurden, als Auslaufmodelle für wenig Geld. Allerdings nur in den Größen 36 und 37, denn das ist in Spanien die durchschnittliche Damenschuhgröße.

Abwechslungsreich ist

auch die Kunstszene

Ausgefallene Kleidung lässt sich im mercado fuencarral finden. Hier stöbert der Kunde auf drei Etagen in den Kollektionen junger Modeschöpfer und Schmuckdesigner, die den geringen Platz ihrer kleinen Boutiquen von je weniger als zehn Quadratmetern voll ausschöpfen. Die Beafeater-Bar im Untergeschoss lädt zum Kaffeetrinken ein, und auch der skurrile Bau mit seinen vielen bunten Hinguckern sowie das muntere Treiben und die farbige Mode lassen sich von den gemütlichen Sofas aus gut beobachten.

Um beim Modernen zu bleiben, bietet sich der Besuch des Caixa Forums an, Madrids Kulturzentrum. Untergebracht im alten Elektrizitätswerk, dessen Fassade zur Hälfte aus Backstein besteht, der vom rostigen Kupferaufbau gekrönt scheint, offenbart Madrid darin seine abwechslungsreiche Kunstszene. Wechselausstellungen moderner sowie klassischer Kunst auf der einen Etage, Musikfestivals, Poesie, Multimedia-Kunst, Weiterbildungsmöglichkeiten und Workshops für die Familie auf einer anderen. Über all dem, direkt hinter der löchrigen Kupferfassade, die dem Raum eine gewisse Mystik verleiht, befindet sich ein Café. Aus den Fenstern blickt man auf den größten vertikalen Garten der Welt, dessen 15 000 Pflanzen an die synthetische Mauer des Nachbargebäudes gepflanzt wurden. Hier lässt es sich wunderbar durchatmen und ausruhen von dem bunten Treiben auf Madrids Straßen – diese Stadt schläft wirklich nie.

Eine Art Baumhaus: das Caixa Forum ist Madrids Kulturzentrum, das in einem alten Industriegebäude untergebracht ist.

Fotos: Marre




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