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Rasensprenger-Methode beim Klinikum als Übergangslösung

Klinikum gibt sich erfinderisch: Klimaanlage braucht Kühlung

Minden (mt). Ganz Deutschland ist seit Wochen im Schwitzkasten. Selbst Kühlwerke müssen gekühlt werden. Im Johannes-Wesling- Klinikum hat man sich dazu etwas einfallen lassen.

veröffentlicht am 23.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 08:21 Uhr

Die Rückkühlwerke auf dem Flachdach des 300 Meter langen Klinikumsgebäudes in Häverstädt sind weithin sichtbar und sind besonders der prallen Sonne ausgesetzt. Laut Herstellergarantien seien sie bis 35 Grad Celsius Außentemperatur ausgelegt, berichtet die Pressesprecherin der Mühlenkreiskliniken (MKK), Gabriele Rolfes. Rückkühlwerke kühlen das Wasser aus den Absorptionsanlagen der Klimaanlage des Klinikums.

Seit etwa drei Wochen würden die Rückkühlwerke auf dem Dach ab Temperaturen über 32 Grad wassergekühlt. „Die Art und Weise ist unkonventionell, aber nützlich,“ beschreibt Rolfes die gefundene Übergangslösung. Man benutzt provisorisch herkömmlich Rasensprenger, solange man noch keine feste Sprengeranlage installiert hat.

Operationsräume, Intensivstationen und einige weitere wichtige Funktionsbereiche müssen schon gesetzlich auf bestimmte Temperaturbereiche eingestellt werden. Dort sind deshalb Klimaanlagen installiert, deren Wärmetauschfunktion über die Absorptionsanlagen jederzeit sichergestellt sein muss.

Anders bei den Bettenstationen in deutschen Krankenhäusern. Hier gibt es keine Normvorschriften. Und in der Krankenhausarchitekten-Branche gibt es unterschiedliche Auffassung über die Frage, ob Krankenzimmer mit Klimaanlagen ausgerüstet sein sollten. In Hamburg beispielsweise hat man bei den Neubauten solche Anlagen eingebaut, in der Planung des neuen Krankenhauses für den Kreis Schaumburg in Obernkirchen sind sie nicht vorgesehen.

Individuelles Lüften oder Klimaanlage

Individuell lassen sich die Jalousien der Zimmer auf den Krankenstationen einstellen. Individuell heißt aber pro Zimmer – und die Empfindlichkeiten von bis zu vier Patienten in einem Raum sind unterschiedlich. Das sei auch ein Grund gewesen, warum man sich beim Neubau des Klinikums gegen Klimaanlagen auf den Stationen entschieden habe.

„Während der Bauplanung wurde die Installation einer kompletten Klimatisierung des Gebäudes geprüft, aber verworfen. Sehr hohe Betriebskosten für die Stromversorgung und die hygienische Reinigung der Klimaanlage wären die Folge gewesen“, teilte die MKK-Sprecherin mit. Da insgesamt nur an wenigen Tagen im Jahr mit außergewöhnlich hohen Temperaturen zu rechnen war, habe man auf die vollständige Klimatisierung verzichtet – wie übrigens seit einigen Jahren bei Klinikneubauten in Deutschland üblich.

Was Harald Klösges, Architekt des Gebäudes, bestätigt. 70 bis 80 Prozent hätten keine klimatisierten Krankenzimmer. „Die normale Reaktion bei zu großer Hitze in unseren Breitengraden ist doch das Fenster zu öffnen“. Damit aber sei jede Klimaanlage wirkungslos. Gleiches gelte auch im Winter, wenn der Bedarf nach frischer Luft auch in klimatisierten Räumen groß sei und Fenster „auf Kipp“ gestellt würden.

Wärmeschutzglas und Kühldecken

Es gibt aber noch andere technische Möglichkeiten, die Lichtwellen der Sonne herein-, aber ihre Wärmestrahlung draußen zu lassen. Sogenanntes Wärmeschutzglas nach der DIN-Norm 673. Ausgerichtet eigentlich, um größere Glasfronten nicht zu Energieschleudern nach außen zu machen, halten sie auch von außen kommende Wärme ab, während normale Scheiben eher wie ein Brennglas wirken. Wärmeschutzglas ist aber um einiges teurer.

Eine andere Kühl-Möglichkeit wird im Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen angewandt. In den Bettenbereichen sind sogenannte Kühldecken eingebaut worden, die die Raumtemperatur individuell absenken können.




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