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Klinikum: „Spätestens Anfang 2014 steht das hier“

Vehlen (rnk). Wer als Geschäftsführer einer Betreiberfirma für Großkliniken telefonisch erreichbar ist, der demonstriert nicht nur Nähe und Transparenz, sondern erfährt auch als erster von den Gerüchten. Bei Claus Eppmann von ProDiako klingelte dieser Tage das Telefon, ein Vehlener Bürger fragte nach: Jetzt sei das Klinikum doch Geschichte, jetzt, wo die Stiftung Krankenhaus Bethel dort weiteren Platz gekauft habe. Eppmann nahm die Steilvorlage vorgestern in öffentlicher Sitzung dankbar an: Dort entstehe ein medizinisches Versorgungszentrum, auch mit Blick auf das kommende Gesamtklinikum. Würde man auf dem eher kleinen Grundstück in der Residenzstadt ein Gesamtklinikum wie in Vehlen bauen wollen, „dann hätte das Gebäude 38 Stockwerke.“

veröffentlicht am 14.08.2010 um 13:19 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 13:20 Uhr

Klinikum-Gerüchte gibt es einige im Dorf und in der Stadt, daher nutzten die gemeinsame Sitzung des Ortsrates Vehlen und des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt Eppmann und Georg von Luckwald vom zuständigen Planungsbüro für grundsätzliche Aussagen: Man liege deutlich besser im Zeitplan als vorher gedacht, betonte von Luckwald, vor ein paar Monaten hätte ihnen noch mancher einen Vogel gezeigt, aber heute sei er durchaus zuversichtlich: „Ende 2013, Anfang 2014 steht hier das Großklinikum.“ Den frühesten Baubeginn benannte er später mit dem Herbst kommenden Jahres. Dass das Land Niedersachsen angekündigt habe, Fördermittel für Kliniken zu streichen, berühre den geplanten Neubau nicht, führte Eppmann aus: Das habe mit dem Fördertopf für vorhabenbezogene Investitionen, der für den Neubau relevant sei, nichts zu tun: „Wir machen uns keine Sorgen, dass es hier Auswirkungen auf das Klinikum geben wird.“

Verärgert reagierte der Arbeitskreis Dorferneuerung über die aus ihrer Sicht unzureichende Informationspolitik. Vor allem die Zahlen über die kommenden Verkehrsströme in Vehlen nach dem Bau des Klinikums sowie Informationen über die künftige Verkehrsführung hätte man aus Ahnsen erhalten, erklärte ein sichtlich verärgerte Volker Wehmeyer: „Es wäre schön, wenn man unsere Arbeit auch achtet.“ Später einigte man sich darauf, dass es „Irritationen“ gegeben habe, auf Antrag von Thomas Stübke (Grüne) beschloss der Ausschuss später, dass alle Termine des Arbeitskreises und die Sitzungsprotokolle von der Stadt auf ihren Internet-Seiten einsehbar sein sollten: Sie werden ins Ratsinformationssystem gestellt. Generell, so erklärte von Luckwald, sei dies aber das transparenteste Projekt, an dem er je mitgearbeitet habe – und er habe schon manches Großprojekt betreut. Auch Martin Schulze-Elvert (CDU) gab sich zufrieden: „Ich fühl’ mich richtig mitgenommen.“

Grundsätzlich, so sah es der Arbeitskreis Dorferneuerung, werde das Großklinikum begrüßt, die Ansiedlung biete positive Entwicklungschancen für Stadt und Ortschaft. Aber die Verkehrsbelastung dürfe nicht zulasten von Vehlen gehen: Zur Vermeidung von Mehrbelastungen auf der Ahnser Straße werde daher eine Westumfahrung vorgeschlagen, die von der Bundesstraße kurz vor dem Ortseingang direkt auf die Ahnser Straße führen solle. In jedem Fall seien hier verkehrsberuhigende Maßnahmen erforderlich und ein Radweg anzulegen. Auf eine zweite Erschließung von Süden, also von Röhrkasten aus, solle im Interesse das Landschaftsschutzes verzichtet werden. Eine Zersiedelung der Landschaft müsse verhindert werden, um Landschaft und Bürger so wenig wie möglich zu stören. Große Hoffnungen auf eine Westumfahrt solle sich der Arbeitskreis nicht machen, entgegnete von Luckwald: Das Verkehrsgutachten sei eindeutig, es schlage eine zweiseitige Erschließung vor. Mit Blick auf Westumfahrt und Zersiedelung sagte er: „Eine kleine Ortsumgehung würde sie sicherlich zersiedeln.“ Eine Finanzierung für diese Umgehung „sehe ich zurzeit nicht“.

Größeren Raum nahm die Frage nach den Ausgleichsflächen für den Klinikum-Neubau ein: Wo sollen sie liegen? Der grundsätzliche Tenor von Ortsrat, Ausschuss und Arbeitskreis lautete: An der Bückeburger Aue, also nahe an Klinikum und Dorf. Später bezifferte von Luckwald den Anteil der Flächen, die hier ausgewiesen werden könnten, auf rund 15 Prozent. In der Frage, wer diese Flächen später pflege, müsse eine Lösung gefunden werden, so der Planer.

Ansonsten, so ließ von Luckwald keinen Raum für Zweifel, gehe alles seinen geordneten Gang: Die Stellungnahmen von Bürgern und Institutionen lägen vor und würden aufbereitet, darunter sei aber nichts, was den Platz grundsätzlich infrage stelle. Gespräche mit dem Ministerium würden alle zwei Wochen geführt, die Untersuchungen bei den Brutvögeln oder den Fledermäusen sei begonnen worden: „Insgesamt gibt es keine neuen Erkenntnisse.“ Und bekräftigte: „Der Platz ist richtig ausgewählt.“ Die Frage, ob der Grundwasserspiegel für das Klinikum gesenkt werden, beantworte von Luckwald kurz und bündig: „Nein.“




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