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Bärbel Rehmeier (59) aus Friedrichshöhe schafft zauberhafte Miniaturwelten

Klorollen-Winzlinge und Mini-Ölbilder: Vom Puppenhaus-Virus angesteckt

Friedrichshöhe. Langeweile, das gibt es bei Bärbel Rehmeier (59) einfach nicht. "Im Moment fälsche ich gerade Ölbilder!", sagt sie und zeigt ihre Werkstatt im Wäschekeller, in der es nach Firnis riecht. Wirklich, lauter fotokopierte Ölbild-Klassiker! Winzigklein! "Ich habe mir da diesen Virus eingefangen...", meint sie dazu. "Den Puppenhaus-Virus!"

veröffentlicht am 04.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

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Ja, dass es hier um Puppenhäuser geht, sieht man sofort, wenn man ihr Haus in Friedrichshöhe betritt. Dabei ist das Wohnzimmer eigentlich "puppenhausfreie Zone". Und doch steht dort ein prächtiges Gebäude und zieht sofort den Blick auf sich, ein weißes Haus im englischen Stil, mit zwei Stockwerken und einem Souterrain -der "Brautladen". Wenn sie die Schaufensterfront aufklappt, eröffnet sich dahinter eine unglaublich reiche Idylle und man kann gar nicht anders, als "ahh" und "ohh" zu staunen. Da zeigt sich der Laden mit den schönsten Hochzeitskleidern und geschmückte Frauen drehen sich vorm Spiegel. In der Schneiderwerkstatt wird fleißig gearbeitet und außerdem lebt hier eine Großfamilie, in deren Küche gerade ein Festessen vorbereitet wird. Das Wunderbare, geradezu Unglaubliche an dieser Inszenierung ist die Fülle der kleinen, feinen Überraschungen, die Bärbel Rehmeier in einer individuellen Komposition und mit seit Jahren anhaltender Energie zusammengetragen und selbst angefertigt hat. Sie studiert Kataloge, besucht Messen und beim Internet-Auktionator eBay entgeht ihr kein interessantes Angebot. "Es gibt nichts, was es nicht gibt - sogar Mini-Kondome." Ob man die bei ihr wohl auch in irgendeiner kleinen Nachttischkommode finden könnte? Auf jeden Fall sind da Klorollen-Winzlinge mit besticktem Blumenüberzug und Parfümflakons, die auf die Fingerspitze passen. Edle Einkaufstüten, selbst gebastelt, Schmuck, für den man sich in eine Däumlingsbraut verwandeln können möchte, und Orientteppiche, genäht aus den Resten alter Gobelinhandtäschchen. Die Uhr an der Wand tickt, ein kleines Radio kann Musik spielen, im Zeitungskorb liegt die Miniaturausgabe der "Schaumburger Zeitung" und gerade hat das Kätzchen eine Schale Milch umgestoßen. Es war nach einem schweren Autounfall, als die aus Lübeck stammende ehemalige Bezirksleiterin einer Modeschmuckkette mit dem Einrichten von Puppenhäusern begann. Schon vorher hatte sie Porzellanpuppen gebrannt und bekleidet, auch getöpfert, Seidentücher bemalt und überhaupt alles, was sie begann, mit großer Leidenschaft durchgezogen. Um Lichtleitungen und Lampen, reparaturbedürftige Möbel und alte Stoffe, richtig funktionierende Waschmaschinen und Minispielzeug bei eBay ersteigern zu können und dort ihrerseits verkaufen zu können, belegte sie extra einen Computerkurs. Ihre Freundin führt in Hessisch Oldendorf die Firma "Sammlerliebe" (www. sammlerliebe.de) und von ihr bekommt Bärbel Rehmeier die ganz verrückten Kleinigkeiten: Das kalte Buffet aus Fimo sieht so appetitlich echt aus, dass man ohne weiteres den Verkleinerungstrank aus "Alice im Wunderland" trinken würde, um davon naschen zu können. So verteilen sich nun etwa 15 Puppenhäuser im Haus, darunter auch eine preisgekrönte "Weihnachtswerkstatt", die zum Motiv eines Ausstellungsplakates in Bern wurde mit dem Titel: "Der Weihnachtsmann kommt aus Rinteln!" "Vielleicht mache ich das alles, weil ich in meiner Kindheit wenig Gelegenheit hatte, mit schönen Sachen zu spielen", meint Bärbel Rehmeier. Ihrer dreijährigen Enkelin jedenfalls geht es da anders: Sie wird zu Weihnachten eine spielgerechte Puppenstube bekommen, in der alles in ihrer Lieblingsfarbe rosa eingerichtet ist.




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