weather-image
28°
×

„Wie gehen wir mit Sucht um?“ Thema beim Gesprächskreis „Nachgefragt“

Koma-Saufen nicht typisch für Jugend

Bückeburg (mig). Seinem Namen alle Ehre gemacht hat der vom Museum Bückeburg in Kooperation mit dem Kulturverein Bückeburg und der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik organisierte Gesprächskreis „Nachgefragt“ bei der jüngsten Veranstaltung zum Thema „Wie gehen wir mit Sucht um?“. Ein höchst engagiertes Publikum und zwei kompetente Referentinnen – Dominika Lachowicz und Ulrike Suckow vom Diakonischen Werk der Schaumburg-Lippischen Landeskirche in Stadthagen – machten den Abend zu einem echten Gewinn für die Zuhörer.

veröffentlicht am 02.02.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 19:21 Uhr

Deutschland trinkt, raucht und schluckt zu viel – das wissen wir eigentlich alle. Wie man diesem Phänomen vorbeugen kann, wie man also verhindern kann, dass 1,3 Millionen Menschen alkohol- und 1,5 Millionen Menschen medikamentenabhängig werden, darüber informierten an diesem Abend die beiden Mitarbeiterinnen der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention, Dominika Lachowicz und Ulrike Suckow. Interessiert zeigte sich das Publikum vor allem beim Thema „Koma-Saufen“, das die Referentinnen als ein sehr ernsthaftes Problem einstuften. Allerdings mit Einschränkungen: so gebe es zwar einen starken Anstieg der stationären Krankenhausaufenthalte aufgrund einer akuten Alkoholintoxikation, das heiße aber nicht, dass alle Jugendlichen mehr trinken würden. „Die Gruppe, die zu viel trinkt, ist nicht repräsentativ für die Jugendlichen. Der große Teil trinkt weniger Alkohol“, betonte Lachowicz. Was Alkohol so attraktiv für Heranwachsende macht, erläuterte Ulrike Suckow am Beispiel eines beliebten, aber bitteren Kräuterschnapses. „Dieses Getränk ist erst durch eine geschickte Marketingstrategie trendy geworden“, sagte sie. Die Alkoholindustrie sei heute wesentlich geschickter, was ihre Werbung angehe.

Damit Jugendliche erst gar nicht zu riskantem Alkoholkonsum verführt werden, ist die Fachstelle vor allem vorbeugend tätig. Dabei arbeitet sie mit dem sogenannten „Liveskills-Ansatz“, der die Heranwachsenden in die Lage versetzen soll, „Nein“ zu sagen. „Wir wollen ihnen zeigen, wie man mit Stress oder mit Problemen umgeht“, erläutert Lachowicz das Konzept. Wenn das Kind dann trotz aller Anstrengungen in den Brunnen gefallen ist, greift die sogenannte „Halt (Hart am Limit)“-Strategie, an der sich die Fachstelle in Stadthagen ebenfalls beteiligt. „Konkret heißt das, dass wir benachrichtigt werden, wenn in einer der drei Schaumburger Kliniken ein Jugendlicher wegen akuter Alkoholintoxikation aufgenommen wird“, schildert Suckow den Ablauf.

Ziel der Maßnahme sei es, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. „Wir müssen das Zeitfenster nutzen, in dem sich die Eltern Sorgen machen und der Jugendliche weiß, dass er eine Grenze überschritten hat.“ Einen ganz anderen Vorschlag für die Bewältigung derartiger Krisen hatte ein Zuhörer aus dem Publikum. „Am besten wäre es, wenn die Eltern für die Behandlung bezahlen müssten“, sagte er. Und: „Dann würden sie sich das auch wirklich merken.“




Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Anzeige