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Zuschauerreaktion auf Modenschau im Schloss: Lagerfeld hätte es nicht besser machen können

Konkurrenz für den großen Karl

Bückeburg. „Der große Karl Lagerfeld hätte es nicht besser machen können“, hat Edeltraut Müller am Ende der Modenschau „Nach Neuem Trachten“ spontan kundgetan. Die von der Vorsitzenden des Museumsträgervereins im Überschwang der frischen Eindrücke geäußerte Einschätzung mochte vielleicht einen kleinen Zierstich zu hoch gegriffen sein, traf die ins Enthusiastische tendierende Stimmung auf Schloss Bückeburg aber ziemlich akkurat. „Wir haben internationales Flair und Niveau erlebt“, meinte Dr. Henning Lemme.

veröffentlicht am 04.11.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 08:41 Uhr

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Die Präsentation habe „Vergangenheit und Tradition sowie Ideen der Zukunft mit einem Zwischenstopp in der Gegenwart verbunden“, legte der Vorsitzende der Schaumburger Landschaft dar, die im Zusammenspiel mit der Hochschule Hannover (HsH) und unter tatkräftiger finanzieller Unterstützung des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (50 000 Euro Zuschuss) die Schau im großen Festsaal auf die Beine gestellt hatte. Lemmes besonderer Dank galt HsH-Professorin Martina Glomb und Landschaftsgeschäftsführer Sigmund Graf Adelmann, in deren Händen der größte Teil der organisatorischen Fäden zusammenlief.

„Mehr als man erwarten konnte. Der ganze Abend war fantastisch. Tolles Ambiente, tolle Entwürfe, einfach schick“, lautete die Einschätzung von Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter. „Es war sehr interessant, ich muss die vielen Eindrücke erst einmal sacken lassen“, ließ die Vorsitzende der Landschafts-AG Trachten, Renate Gewers, wissen. „Die Idee fand ich wirklich gut“, sagte Gisela Grimme, die frühere Vorsitzende des Kulturvereins. „Wir möchten am liebsten alle Modelle und Models hier behalten“, merkte Bürgermeister Reiner Brombach an. „Ich bin hochzufrieden. Wir haben in Bückeburg selten eine Veranstaltung auf diesem Level gesehen“, erklärte Graf Adelmann.

Zu sehen waren in der rund einstündigen Darbietung etwa 100 von Studierenden der HsH gefertigte Kreationen. „Wie könnte eine moderne Version der Schaumburger Tracht aussehen?“, hieß die zentrale Fragestellung hinter dem zwei Semester dauernden Projekt. Und etliche der circa 300 Besucher gerieten über die Entwicklungsmöglichkeiten, welche die jungen Modedesigner für Dutzenmütze (Flügelhaube), Kaput (Jacke), Büffel (Rock) und Queder (Abschluss zwischen Rock und Wams) aufzeigten, mächtig ins Staunen.

In den Händen von Professorin Martina Glomb und Landschaftsgeschäftsführer Sigmund Graf Adelmann laufen die organisatorischen Fäden zusammen.

Im ersten Abschnitt – „Traummantel“ – stellten die insgesamt 90 Mannequins von historischen Silhouetten inspirierte Mäntel vor. Der Abschnitt „Neue Schaumburger Tracht“ war zwei – eine für Frauen und eine für Männer – zeitgemäßen Kollektionen gewidmet, die tradierte Handwerkstechniken in industriell produzierbare Mode umsetzten. Beim dritten Teil, „NNT in Denim“, kamen japanisches Denim und Schaumburger Leinen als alltagstaugliche Streetwear-Kollektion daher. Und Teil vier – „Chez Schaumburg“ – setzte dem fantasievollen Geschehen gewissermaßen die gestalterische Krone auf. Hier war intuitives Spiel mit Volumen und Farben zu bewundern; herkömmliche Handarbeiten stießen auf Siebdruck-Graffiti, wertvolle Seiden auf digital verfremdete Borten, opulente Stickereien auf wirre Musterfehler, Häkelspitzen auf Pailletten und Plexiglas.

Nicht unerheblich zum überwältigenden Erfolg des von beträchtlichem Medieninteresse begleiteten Gesamtkunstwerks trug die Tatsache bei, dass die musikalische Begleitung von ähnlicher Individualität wie die Schöpfungen der Kreativ-Künstler geprägt war. Mal strebten die von Jens Mahlstedt eigens für diese Show komponierten Klänge ins Sphärische, ein anderes Mal ins Maschinenhafte. Später ließen südamerikanische und schließlich – Anton Wilhelm Zuccalmaghios „Kein schöner Land“ – volkstümliche Töne aufhorchen. „Im Grunde genommen haben wir Trachtenmusik modifiziert“, erläuterte Martina Glomb. „Ein Achttouriger in Moll gleichsam.“ Wobei die eher betrübliche Tonart der prächtigen Stimmung auf Schloss Bückeburg keinerlei Abbruch tat.




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