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Krankenhaus: Erste Kündigungen im August

Rinteln (crs). Nur einen Tag nach der Entscheidung der Politik nehmen die „bedarfsorientierten Anpassungen“ im Krankenhaus Rinteln Kontur an: Noch in dieser Woche will Klinikum-Geschäftsführer Christian von der Becke die notwendigen Gespräche mit den Abteilungsleitern führen – ProDiako-Geschäftsführer Claus Eppmann zufolge werden maximal zwei Wochen vergehen, bis die ersten Kündigungen ausgesprochen sind. Vor diesem Hintergrund üben Rintelner Ratspolitiker heftige Kritik an der Verhandlungstaktik von Verdi in den gescheiterten Tarifgesprächen: Als „unsolidarisch“ verurteilen unter anderem SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann und CDU-Fraktionschef Ulrich Goebel die starre Haltung der Gewerkschaft beim Thema Gehaltsverzicht.

veröffentlicht am 20.07.2010 um 17:10 Uhr
aktualisiert am 04.12.2012 um 17:11 Uhr

„Es ist sehr schade, dass es keine Einigung gab – ich hatte eigentlich fest damit gerechnet.“ Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz sieht die Verantwortung für das Scheitern der Tarifgespräche auf der Arbeitnehmerseite: „Verdi hätte sich bewegen müssen.“ Von der Gewerkschaft „sehr enttäuscht“ ist Klaus Wißmann: „Verdi hat sich kein Stück bewegt und dadurch letztlich die Kündigungen zu verantworten“, ärgert sich der SPD-Politiker darüber, dass die Arbeitnehmerseite „das in der heutigen Zeit einmalige Angebot einer sieben Jahre währenden Beschäftigungssicherung“ in den Wind geschlagen habe. Ähnliches Unverständnis äußert CDU-Fraktionschef Goebel: „Ich kann mich über die fehlende Bereitschaft zum Gehaltsverzicht bei Marburger Bund und Verdi nur wundern.“ Auch die grüne Ratsfrau Ursula Helmhold bewertet die Gewerkschaftsposition kritisch: „Das ist nicht solidarisch, eine andere Lösung wäre mir deutlich lieber gewesen.“ Für die WGS sieht Heinrich Sasse die Verantwortung vor allem bei den im Marburger Bund organisierten Ärzten, die sich vor dem Hintergrund des Ärztemangels gegen einen Gehaltsverzicht geweigert hatten: „Verdi kann man nur eingeschränkt einen Vorwurf machen – sonst wäre die Arbeitnehmerschaft in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gespalten worden.“ Anders bewertet Paul-Egon Mense den ergebnislosen Ausgang der Tarifverhandlungen: Der FDP-Ratsherr sieht die Verantwortung auf der Arbeitgeberseite, „da hätte mehr kommen müssen“.

Unterdessen bündeln Rintelns Krankenhaus-Mitarbeiter die Kräfte, um die Akzeptanz und damit die Auslastung ihres Standortes zu erhöhen: Bei der Mitarbeiterversammlung gestern Nachmittag sind bereits Vorschläge laut geworden, wie verschiedene Aktivitäten in den nächsten Wochen und Monaten den Fokus der Bevölkerung auf die Leistungsfähigkeit des Hauses lenken können. „Die Mitarbeiter sehen nicht nur die Risiken, sondern vor allem die Chancen“, schildern von der Becke und Eppmann ihre Eindrücke nach der rund einstündigen Versammlung. Ähnlich bewertet Dr. Christoph Hunnius, seit Anfang des Jahres neuer Chefarzt für die Innere Medizin, die Situation: „Insgesamt herrscht Erleichterung, dass der Standort Rinteln nicht aufgegeben wird“, umreißt Hunnius die Stimmungslage unter den Mitarbeitern. „Wir sind entschlossen, für die Entwicklung des Krankenhauses zu kämpfen.“

So sehen es auch andere Mitarbeiter: „Ich bin erleichtert, habe aber auch eine gewisse Skepsis“, sagt Doris Knitter, Mitarbeiterin in der Verwaltung. „Jetzt kommt alles auf die Patientenströme an, wir müssen das Vertrauen in unser Krankenhaus bewahren.“ Auch Matthias Vogel, Oberarzt in der Anästhesie, spricht von dem gemeinsamen Ziel, die Kräfte zu bündeln, um das Krankenhaus Rinteln nach vorne zu bringen: „Wenn von bedarfsorientierten Anpassungen die Rede ist, müssen wir dafür sorgen, dass der Bedarf wächst – aber leicht wird das nicht.“




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