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„Krankenhaus Rinteln auf jeden Fall stärken“

Rinteln (ll). Gemeinhin gilt das Krankenhaus in Rinteln als Patient, der im Sterben liegt. Rigoroser Personalabbau in den letzten Jahren, Schließung von Zentralannahme und der Gynäkologie-Station, sinkende Fallzahlen bei den stationären Behandlungen, ein Defizit in der betriebswirtschaftlichen Bilanz von etwa 4,5 bis 5 Millionen Euro pro Jahr: Die Prognosen für den Zeitraum, bis der Klinikneubau in Vehlen hochgezogen ist, erschienen bislang alles andere als rosig und stimmten wenig zuversichtlich.

veröffentlicht am 23.05.2012 um 12:34 Uhr
aktualisiert am 07.12.2012 um 12:34 Uhr

Doch der „sterbende Patient“ soll schleunigst wieder gesunden. „Wir müssen den Standort Rinteln auf jeden Fall stärken“, sagt Ralph Freiherr von Follenius im Gespräch mit unserer Zeitung. Von Follenius ist seit März der neue Sprecher in der Krankenhausprojektgesellschaft, die bis zur Inbetriebnahme des Gesamtklinikums in Vehlen auch für den Betrieb der drei „alten“ Krankenhäuser im Landkreis verantwortlich ist. Gerüchten, das Rintelner Krankenhaus könne schließen, noch bevor das Gesamtklinikum in Betrieb genommen wird, erteilt von Follenius zwar eine Absage. Dennoch sei insbesondere das jährliche Minusgeschäft in Rinteln ein großes Problem – dies auch, weil sich der Start des Gesamtklinikums voraussichtlich noch bis 2015 hinziehen wird. „Das Defizit in Rinteln ist schon ein gewaltiger Batzen für Häuser dieser Größenordnung“, erklärt von Follenius. „Mittlerweile ist das eine Größe, wo es schwierig wird“, so der Sprecher der Krankenhausprojektgesellschaft.

Von Follenius ist durch die Frankfurter „Diakoniefördergesellschaft“ mit dem Management der Schaumburger Krankenhäuser in Rinteln, Stadthagen und Bückeburg beauftragt worden. Derzeit verhandelt Krankenhausbetreiber ProDiako noch mit der Agaplesion AG über eine Fusion. Der Standort Rinteln solle unter anderem auch gestärkt werden, damit das neue Gesamtklinikum auch fest mit den Patienten aus dem westlichen Landkreis wortwörtlich rechnen kann: Zu groß ist die Konkurrenz anderer Krankenhausbetreiber auf dem Markt, etwa in Minden oder Hameln. Und die Fallzahlen der stationären Aufnahmen in Rinteln sind in den letzten acht Jahren um ein gutes Drittel gesunken. Derzeit rechnen die Betreiber mit rund 4000 Fällen in Rinteln pro Jahr.

ProDiako-Geschäftsführer Heinz Kölking hatte vor einiger Zeit gegenüber unserer Zeitung bereits die Etablierung neuer Fachbereiche in Rinteln, etwa die Neurologie, ins Spiel gebracht. So konkret will von Follenius zwar nicht werden, er sagt aber klar über das Krankenhaus in Rinteln: „Es müssen dort neue Fachbereiche und vor allem auch Spezialisierungen in den bestehenden Fachbereichen entstehen.“ Darüber hinaus gelte es, die „Basis“ zu vergrößern, heißt: auch bei niedergelassenen Ärzten im Norden des Landkreises für Einweisungen nach Rinteln werben. Parallel dazu müsse man sich Gedanken über die Nachnutzung des Krankenhauses machen, wenn der Vehlener Neubau erst einmal fertiggestellt worden ist. Laut von Follenius könnte das unter anderem auch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sein, aus dem Ärzte Patienten-Überweisungen nach Vehlen sichern. Doch in diesem Fall schläft die Konkurrenz nicht: Der Sana-Konzern, der das Klinikum in Hameln betreibt, ist bereits in unmittelbarer Nähe zum Rintelner Krankenhaus aktiv. Sana unterhält in der Robert-Koch-Straße ein MVZ mit der Spezialisierung auf Orthopädie und Gynäkologie.

Darüber, welche Spezialisierungen angedacht sind, will sich der Sprecher der Krankenhausprojektgesellschaft derzeit allerdings nicht äußern. Der Markt im Gesundheitswesen sei zu hart umkämpft, etwaige Strategie-Bekanntmachungen würden möglicherweise die Konkurrenz aus dem Umland auf den Plan rufen.

Von Follenius gilt als Verfechter eines „Kontinuierlichen Verbesserungsprozesses“, einem Management-Instrument, das stetige Verbesserung und höchst effizientes Wirtschaften zum Ziel hat (Seite 16 „Hintergrund“). Betriebsbedingte Kündigungen müssen die derzeit 167 Vollbeschäftigten des Rintelner Krankenhauses (Stand 2008: 269 volle Stellen) nicht fürchten; von Follenius’ Unternehmensphilosophie stellt gleichsam aber keine Aufstockung des Personals wegen der womöglich zusätzlichen Fachbereiche in Aussicht. Für die Mitarbeiter, die derzeit noch in Rinteln beschäftigt sind, heißt das, wie es Ralph von Follenius ausdrückt, „Mehrleistung durch verbesserte Organisation“.

„Wir müssen die bestehende Mitarbeiterzahl besser ausnutzen“, meint er, schränkt aber gleichzeitig ein: „Subjektiv fühlen sich die Mitarbeiter natürlich schon ausgelastet.“ Der Bau des neuen Gesamtklinikums sei das eine, so von Follenius zu seinen Aufgaben, „die Zusammenführung der bestehenden Krankenhäuser und die Entwicklung gemeinsamer medizinischer Konzepte sind die andere Seite.“ Dass der neue Sprecher der Krankenhausprojektgesellschaft auch an der internen Organisation etwas verändern will, kündigte er schon bei seinem Dienstantritt an.

Zum Stand der Planungen des Gesamtklinikums in Vehlen und den Fusionsverhandlungen von ProDiako und Agaplesion sagte von Follenius: „Wir sind derzeit noch mit der Unternehmensbewertung beschäftigt.“ Dass der Deal zwischen den beiden konfessionellen Klinikbetreibern doch noch platzen könnte, zeichnet sich nach von Follenius’ Angaben nicht ab. „Es müssen viele einzelne Gesellschaften in den Prozess eingebunden werden.“ Das dauere.




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