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Bergwerks-Besucher besichtigen ehemalige Wetterrösche

Kratze vom alten Hauer und heißer Stolleneintopf

Feggendorf (nah). Mit einem "Tag des offenen Bergwerks" hat sich der Helferkreis rund um den früheren "Feggendorfer Stolln" aus der diesjährigen Saison verabschiedet. Mehrere hundert Menschen waren in den Deister gekommen, um sich über den Stand der Renovierungsarbeiten zu informieren und zum ersten Mal den Fuß in die bis zu einer Tiefe von 70 Metern freigelegte Wetterrösche zu setzen. Die ehemalige Kleinzeche fällt jedoch nicht in eine Winterruhe: Die ehrenamtlichen Ausbauarbeiten gehen weiter. Zudem wird ein erstes großes Projekt aus "Leader"-Mitteln finanziert.

veröffentlicht am 07.10.2008 um 00:00 Uhr

Günter Struckmeier ist eigens aus Lindhorst an diesem sonnigen Herbsttag in den Deister gekommen. Zwar hat er selbst nicht mehr unter Tage gearbeitet, aber dem in einem Wendthäger Stollen tätigen Vater musste er immer das Essen bringen. Und der Onkel sei dort Kauenwärter gewesen, sodass Struckmeier einst dort auch regelmäßig baden durfte. Das Interesse am Bergbau ist geblieben; und so verfolgt der Lindhorster auch aufmerksam die Neuigkeiten aus Feggendorf. An diesen hat Helmut Bauer wesentlichen Anteil. Während jüngere Mitglieder der dem Lauenauer Heimat- und Museumsverein angegliederten Arbeitsgruppe die Sanierung des eigentlichen Stollens vorantreiben, ist der Senior mit seinem Freund Hermann Rickenberg unablässig dabei, die ein wenig abseits gelegene Wetterrösche begehbar zu machen. Dieser schmale und niedrige Stollen, von dem es allein in der näheren Umgebung mindestens acht weitere gibt, diente der Belüftung der Zeche und als Notausstieg. Vor fünf Jahren deuteten nur ein paar Steine an der Waldoberfläche auf die bergbauliche Einrichtung hin. Nun können Besucher schon wieder weitin den Berg marschieren. Allerdings tief gebückt: Denn die Rösche ist gerade einmal 1,40 Meter hoch. Dass die beiden Helfer unter diesen Gegebenheiten und dann noch bei leichter Steigung zum Ausgang von Hand etliche Tonnen Geröll beseitigt und den Gang neu befestigt haben, verblüffte die Premierengäste. "Täglich 15 Karren - wenn wir gut sind", verriet Bauer bescheiden die körperliche Mühe, "dann tat uns der Rücken weh." Noch endet die Strecke vor blankem Fels: Schon in diesen Tagen wollen die beiden Freunde wieder Bohrlöcher setzen und mit Keilen das Hindernis sprengen, um sich wieder ein Stück mehr der Grundstrecke zu nähern: Hundert Meter dürften sie noch zu überwinden haben. Wer weiß, was sie noch alles finden. Beil und Kratze mit am Stiel eingravierten Nummern haben sie bereits geborgen. Sie gehörten dem Feggendorfer Karl Rickenberg, der Ende der vierziger Jahre hier arbeitete. Trotz pausenlosem Wechsel mit zwei Gruppen können die Hobby-Bergleute kaum die Nachfrage befriedigen. Etliche Besucher sind fast schon Stammgäste: Aufgeregt gucken die Kinder in den schwarzen Tunnel; andere schauen dem Schmied bei seiner Arbeit am qualmenden Feuer zu. Später darf auch noch Kohle gesiebt werden. Erwachsene haben sich ein Häufchen des schwarzen Souvenirs aus dem Berg mitgebracht. Zu all' dem passt die Bewirtung: Auf dem großen Schwenkgrill brutzeln Bratkartoffeln. Auf dem alten Herd, der früher einmal in der Küche des letzten Steigers stand, rührt Helma Mesenbrink im heißen "Stolleneintopf". "Betriebsleiter" Florian Garbe ist zufrieden: "Mit dem Erlös können wir wieder neues Material kaufen." Dass schon in der kommenden Woche schwere Baumaschinen anrollen, verrät er mit Dankbarkeit: Die einst von den Helfern provisorisch angelegte 600 Meter lange Rettungszufahrt vom Waldrand hinauf bis zum Stollen wird durch ein Unternehmen aufwendig hergerichtet. Das Geld dazu steuert der Landkreis aus Mitteln der Europäischen Gemeinschaft bei. Im nächsten Jahr, so hofft Garbe, folgt der nächste Schritt: Dann könnte 50 Jahre nach ihrem Abriss die Waschkaue auf den alten Fundamenten neu entstehen.




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