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Das Museum zeigt eine Auswahl, in der auch überschäumende Bierkrüge zu sehen sind

Krippen symbolisieren Sehnsucht nach Frieden

Bückeburg (bus). Weil die Welt ihn nicht haben wollte, wurde der Sohn Gottes nach christlicher Lesart im Abseits, in einem Stall geboren. Und König Herodes trachtete ihm sogar nach dem Leben. Gleichwie beherrscht die Darstellung des zwei Jahrtausende zurückliegenden Geschehens anhand von Krippen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden auf Erden. „Die Abbildungen des Kommens Gottes in unsere Welt sind zumeist vollkommene Friedensbilder“, sagt Pastor Ingo Röder. Der Geistliche präsentiert derzeit 50 Krippen im Museum Bückeburg.

veröffentlicht am 29.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 12:41 Uhr

Wie Karfreitag (Kreuzigung von Jesus Christus) und Ostern (Auferstehung) zählt Weihnachten (Geburt) zu den großen Mysterien des Christentums. Schon früh haben die Anhänger dieses Glaubens versucht, die Ereignisse durch Bilder verstehbar zu machen. Die Darstellung der Weihnachtsgeschichte in Form von Krippen wird ihre Anfänge wohl im 13. Jahrhundert genommen haben. Für 1223 ist eine von Franz von Assisi aufgestellte „lebendige Krippe“ überliefert. Die große Begeisterung für die plastischen Szenerien führte zu Zeiten der Aufklärung dazu, dass ihre Aufstellung in Kirchen verboten wurde. Was die Freude an ihnen indes erhöhte - nun stellte man sie auch in den eigenen Häusern auf.

Vor allem in katholisch geprägten Gebieten waren Krippen aus dem religiösen Leben bald nicht mehr wegzudenken. In protestantischen Landstrichen konnten sie dagegen kaum Fuß fassen. Die Reformation mit ihrer Zurückhaltung gegenüber religiösen Bildern ließ der Krippentradition wenig Raum. Eine der wenigen Ausnahmen bildete das Erzgebirge. Bei der Betrachtung von Krippen unterschiedlicher Herkunft fällt die Vielfalt der verwendeten Materialien auf. Und dass die Christgeburt zumeist ins jeweils eigene Land verlegt wird. Während das Kind von Bethlehem in Deutschland gern als „holder Knabe im lockigen Haar“ mit heller Haut und blonden Locken daherkommt, sind afrikanische Figuren selbstredend dunkelhäutig gestaltet. Im südostasiatischen Raum blickt das Christkind den Betrachter schon mal aus „Schlitzaugen“ an.

„Bei uns geboren“ oder besser noch „für uns geboren“ sei die Botschaft dieser heimatlich strukturierten Arbeiten, erläutert Röder. Deutlich von dieser Aussage geprägt sind Krippen, die das Stall-Geschehen mitten in die eigene Gesellschaft verlegen. Die Museumspräsentation zeigt dafür mehrere Beispiele. In einer aus Tschechien stammenden Weihnachtsbühne strömen nicht nur Hirten und Weise zum Neugeborenen sondern auch einheimische Handwerker und Trachtenträger. Und ein Gastwirt mit vier überschäumenden Bierkrügen in den Händen.

Ingo Röder (rechts) erläutert Besuchern der Ausstellungseröffnung Details der Exponate.

Im Museumsfoyer findet sich am Beispiel einer aus Oberammergau stammenden Langkrippe die Abfolge der Ereignisse in verkürzter Form. Der Engel Gabriel verkündet Maria die Geburt des Sohnes Gottes, gleichzeitig erscheint den Weisen der Stern (1. Advent); Maria und Josef sowie die Weisen machen sich auf den Weg (2. Advent); Maria und Josef sind auf Herbergssuche und werden abgewiesen (3. Advent); das Kind wird geboren (4. Advent).

Ein weiteres Glanzlicht erwartet die Besucher auf der Empore. Hier steht die sogenannte Bückeburger Krippe, die dereinst der frühere Bürgermeister der Stadt, Karl Wiehe, gebastelt und gemalt hat. Sie ist von Röder neu zusammengestellt und um etliche Figuren ergänzt worden. Bei genauem Hinsehen ist auch der Geistliche selbst zu erkennen. Während der Ausstellungseröffnung ermunterte der Pastor Betrachter dazu, dem Set weitere persönliche Figuren hinzuzufügen. Eine weitere Möglichkeit zum Mittun eröffnet sich allen Interessierten (ab zehn Jahren) am Donnerstag, 3. Dezember. An diesem Tag bietet Röder in der Zeit von 15 bis 17 Uhr das Seminar „Krippenschnitzen aus Kork“ an.

Viele Ausstellungsstücke sind mit schriftlichen Erläuterungen und Detailerklärungen versehen. „Krippen aus Bückeburg und aller Welt“ ist bis Mittwoch, 23. Dezember, jeweils von mittwochs bis sonntags in der Zeit von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen unter der Telefonnummer (0 57 22) 48 68.




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