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Haus Kurt Partzsch erweitert Angebot von Eingliederungshilfe und stationärer Pflege um Tagespflege

Künftig drei Einrichtungen unter einem Dach

Bückeburg (rc). Im Haus Kurt Partzsch wird es künftig drei Einrichtungen unter einem Dach geben. Neben der Eingliederungshilfe für Behinderte mit ihren 70 Plätzen und der stationären Pflege mit ihren 80 Plätzen wird es ab Oktober eine Tagespflege mit insgesamt 15 Plätzen geben. Rund 400 000 Euro investiert der Trägerverein in die Erweiterung, wie die Leiterin des Heims, Petra-Ripke-Eifler, gestern im Gespräch mit unserer Zeitung sagte.

veröffentlicht am 27.07.2010 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 07:41 Uhr

Gestern war übrigens ein besonderer Tag für die Einrichtung am Bückeburger Hofgarten: Der Namensgeber des Hauses, der ehemalige Niedersächsische Sozialminister Kurt Partzsch, wäre gestern 100 Jahre alt geworden. Die SPD gedachte ihres „Architekten der Niedersächsischen Sozialpolitik“ mit einem Festakt im Landtag. „Ohne ihn würde es das Haus in Bückeburg in seiner jetziger Form nicht geben“, erinnerte Petra Ripke-Eifler in Bückeburg: „Er war uns zeitlebens verbunden und ließ es sich auch im hohen Alter nicht nehmen, zu jeder Weihnachtsfeier oder jedem Sommerfest zu kommen, um zu schauen, was aus seinem Haus geworden ist.“

1965 war es, als der Trägerverein „Verein zur Betreuung von Schwerbehinderten e.V.“ die alte Jugendherberge am Hofgarten kaufte und zu dem Wohnheim für Behinderte um- und ausbaute. Heute sitzt dieser Verein in Coppenbrügge und unterhält vier Einrichtungen, die sich auf Neurologie und Geriatrie spezialisiert haben, mit insgesamt gut 850 Mitarbeitern. Den Vorsitz hat derzeit der Nienstädter Samtgemeindebürgermeister Rolf Harmening.

In den Anfangszeiten sorgte Kurt Partzsch jedenfalls für die finanzielle Ausstattung des Hauses in Bückeburg, dafür, dass Menschen, die nach Unfällen oder Krankheiten an Behinderungen litten, ein Dach über dem Kopf hatten, wenn sie in ihren Familien nicht mehr untergebracht werden, nicht sachgemäß rehabilitiert werden konnten. Noch heute kümmert sich die Eingliederungshilfe um solche Menschen, kümmert sich darum, dass sie in die Werkstätten zum Arbeiten gefahren werden oder aber ihnen genügend Therapieangebote zur Verfügung stehen. Alles mit einem Ziel, so Ripke-Eifler, die seit fast 20 Jahren das Haus Kurt Partsch leitet: „Die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, dass diese Menschen zurück in ihre eigene Wohnung können oder zurück zu ihren Verwandten.“ Dies sei oftmals ein sehr langwieriger Prozess, „aber wir arbeiten dran.“ Und es gelinge auch immer wieder.

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Heimleiterin Petra Ripke-Eifler präsentiert die Baupläne für die neue Tagespflege, die im Oktober eröffnet werden soll.

Neben der stationären Pflege mit ihren 80 Plätzen wird künftig auch Tagespflege im Haus Kurt Partzsch angeboten. Im Oktober sollen die Um- und Anbauten im ehemaligen alten Therapiebereich abgeschlossen sein. Dann stehen 15 Plätze für Menschen zur Verfügung, die in der Zeit von acht bis 18 Uhr Betreuung brauchen. Morgens wird von der Wohnung abgeholt, abends zurückgebracht. Wer will, braucht nur ein bis zwei Tage in der Woche kommen, auch halbtags ist möglich. „Es gibt eine stetig steigende Nachfrage und bisher in Bückeburg ein solches Angebot nicht“, so die Heimleiterin. Insbesondere Frauen, die berufstätig sind, aber ältere Familienmitglieder zu betreuen oder zu pflegen haben, würden dieses Angebot nachfragen: „Es ist halt immer noch so, dass Frauen diesen Part übernehmen müssen.“ Sie gehe davon aus, dass es in den kommenden Jahren eine weiter steigende Nachfrage geben werde, schon angesichts der Tatsache, dass auch das Rentenalter für Frauen angehoben worden ist: „Wer kümmert sich um meine zu pflegenden Angehörigen, wenn ich so lange arbeiten muss?“

Eine der Fragestellungen, um die sich Kurt Partzsch, der „geborene Humanist“, zeit seines Lebens gekümmert hat. Er wurde am 26. Juli 1910 in Dresden geboren, besuchte die Volksschule in Köslin, die Oberrealschule in Hannover und die Technische Lehranstalt in Hildesheim. Von 1958 bis 1986 war er Vorsitzender des AWO-Bezirksverbandes Hannover, von 1971 bis 1983 Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, zudem von 1962 bis 1975 Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes. Von 1951 bis 1974 gehörte er dem Niedersächsischen Landtag an und war von 1961 bis 1974 Sozialminister, zeitweise auch stellvertretender Ministerpräsident. 1996 starb Partzsch in Hannoversch-Münden – in einer Klinik , die er selbst mit aufgebaut hatte.




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