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Doppik löst Kameralistik ab: Bauhof spielt die Vorreiterrolle beim Umstellen auf neue die Abrechnungsform

Künftig wird bis auf den letzten Cent genau gerechnet

Bückeburg (rc). Der Bauhof der Stadtübernimmt die Vorreiterrolle bei der Einführung der Doppik in der Stadtverwaltung. Statt der seit Jahrzehnten gebräuchlichen haushälterischen Abrechnungsform der Kameralistik, wo einfach Einnahmen den Ausgaben gegenüber gestellt werden, werden ab 1. Januar 2008 in den Haushalte der Stadt nach kaufmännischen Grundsätzen Einnahme- und Ausgabenseite bilanziert - der Einzelbereich des Baubetriebshofes bereits ab dem 1. Januar 2007 - als Pilotprojekt für alle folgenden Bereiche.

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:15 Uhr

"Wir betreten absolutes Neuland", sagte Finanz-Fachgruppenleiter Bernd Wilharm, als er jetzt im Bau- und Umweltausschuss erstmals einen Wirtschaftsplan für das Wirtschaftsjahr des Baubetriebshofes vorstellte. In dem Plan ist minutiös aufgelistet, welche Leistungen der Bauhof für die Stadt erbringt, was diese Leistungen kosten, welche Investitionen getätigt werden und wie diese Investitionen finanziert werden. Künftig müssen sich die Ratsherren mit kaufmännischen Begriffen wie Liquidität, Abschreibungen, Finanzerträge, aktivierte Eigenleistungen, Transfererträge oder -aufwändungen herumschlagen. Sie erfahren aber auch, dass die Personalkosten des Bauhofes pro Stunde 32,50 Euro betragen oder aber der Einsatz des Unimogs mit 17,70 Euro die Stunde berechnet wird. Festgeschrieben wird das Zahlenwerk in einem Ergebnisplan, einem Finanzplan, dem Investitionsübersicht sowie dem Stellenplan. Um die Zahlen zu ermitteln, hat der Bauhof in den vergangenen Jahren erhebliche Vorleistungen erbracht: Minutiös wurde jede Arbeit, der Zeitaufwand und die Kosten ermittelt. Bau-Fachbereichsleiter Karlheinz Soppe: "Aufgaben des Bauhofs werden künftig nicht mehr auf Zuruf, sondern nach Plan und Auftrag abgearbeitet." Im Ergebnisplan sind ordentliche Erträge in Höhe von 1,463 Millionen Euro gelistet, die sich zum allergrößten Teil aus öffentlich-rechtlichen Entgelten zusammensetzt, also Geldern, die die Stadt dem Bauhof für seine erbrachten Leistungen auf einem internen Konto gutschreibt. Den ordentlichen Erträgen stehen ordentliche Aufwändungen in gleicher Höhe gegenüber. Größte Ausgabenposten sind die Personalaufwändungen in Höhe von 1,132 Millionen Euro, die Aufwändungen für Sach- und Dienstleistungen in Höhe von 250 000 Euro und bilanzielle Abschreibungen in Höhe von 84 000 Euro. Im Gesamtfinanzplan werden die Einzahlungen aus der laufenden Verwaltungstätigkeit mit den Auszahlungen verrechnet sowie aus dem Saldo die Abschreibungen bilanziert. Geht das gesamte Zahlenwerk auf, steht am Ende des Jahres 2007 ein Finanzmittelüberschuss von 1500 Euro auf dem Papier. Für die Beschaffung neuer Geräte wie Anhänger oder Großflächenmäher sind im Investitionsplan 82 000 Euro verankert. Die Stellen bleiben unverändert. "Gedrängter Stoff in kürzester Zeit", fasste der Ausschussvorsitzende Bernd Insinger (SPD) den mit vielen Fachbegriffen gespickten Vortrag zusammen. Erschwerend kommt hinzu, dass stellenweise andere Begriffe als im kaufmännischen Rechnungswesen verwendet werden. Bernd Wilharm: "Der Gesetzgeber hat uns zur Verwendung der Begriffe verpflichtet." Was Insinger mit den Worten kommentierte: "Sonst würde es ja jeder verstehen." Ob das Zahlenwerk tatsächlich aufgeht, wird der Finanzgruppenleiter quartalsweise an das Bauamt melden. Über den Wirtschaftsplan hat schlussendlich der Rat in der Sitzung am morgigen Donnerstag zu entscheiden.




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