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Meldedefizite gegenüber der EU: Schaumburger Wald und Steinbrüche sollen nachnominiert werden

Land will neue Vogelschutzgebiete ausweisen

Landkreis/Steinbergen (wer). Das Land Niedersachsen will auf Druck der EU-Kommission neue Vogelschutzgebiete ausweisen - darunter den Schaumburger Wald und die Steinbrüche am Messingsberg, an der Westendorfer Egge und in Rohden. Für deren Betreiber, die Norddeutsche Naturstein GmbH, könnte der Schutz von Uhu-Brutplätzen eine neue Genehmigungshürde beim geplanten Abtrag des Berges bedeuten.

veröffentlicht am 13.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Das Umweltministerium will die Meldedefizite des Landes gegenüber der EU durch die Nachnominierung von Vogelschutzgebieten auch in mehreren Steinbrüchen der Weserberge ausgleichen, die als Brutbiotope des Uhus gelten. Auch der Messingsberg gehört dazu. Wird dort ein Europäisches Vogelschutzgebiet etabliert, sind "alle Maßnahmen verboten, die zu erheblichen Beeinträchtigungen des Gebietes" führen können, heißt es im Gebietsvorschlag des Ministeriums. Der Landkreis begrüßt die Initiative des Landes in seiner offiziellen Stellungnahme. Mit Blick auf den planerischen Vorrang für Rohstoffnutzung empfiehlt die Kreisverwaltung indes, "Vereinbarungen" mit den Steinbruchbetreibern zu treffen. Grundsätzlich stehe die Nachmeldung der Gebiete aber im Einklang mit der festgelegten Folgenutzung der Steinbrüche. Das Schutzgebiet, so schlägt der Landkreis vor, sollte auch die bereits genehmigten Abbaubereiche umfassen, eventuell käme ein "weitergehender Radius" um die Steinbrüche in Betracht. Beim Messingsberg allerdings sollte eine Korrektur des Schutzgebietes erfolgen, denn der Vorschlag des Landes umfasse auch die "Erlebniswelt Steinzeichen". Der Naturschutzbund begrüßt die Initiative des Landes ebenfalls. "Es ist fachlich korrekt und notwendig, den gesamten Schaumburger Wald auszuweisen, denn hier kommen wohl die höchsten Dichten einiger Spechtarten in Niedersachsen vor", sagt Nabu-Kreisvorsitzende Dr. Petra Sittig. Ebenso sei die Ausweisung der Steinbrüche als Uhu-Schutzgebiet unerlässlich. "Schließlich handelt es sich um die beständigsten und erfolgreichsten Brutplätze der Art in Niedersachsen", erklärt der Uhu-Experte unter den Naturschützern, Thomas Brandt. Um den Schutz der Uhus aber tatsächlich zu garantieren, sei eine Ausweitung der Gebiete "auf einen Bereich von ca. 200 Meter um die Steinbrüche herum" notwendig. Dort würden sich die Tiere tagsüber vorzugsweise aufhalten. Auch die Bergkämme würden so in das Schutzgebiet aufgenommen. Die Ausweisung als Vogelschutzgebiet werte nicht nur die Attraktivität der Landschaft auf, sondern gebe darüber hinaus die Möglichkeit, Fördermittel von der EU zu bekommen. "Das ist eine einmalige Chance für die Region", bewertet der Artenschutzreferent des Nabu, Dr. Holger Buschmann. "Wir sollten stolz auf diese Naturschätze sein und sie nicht verstecken", fordert der Biologe den Landkreis auf, die Gebiete später in nationale Schutzkategorien zu überführen.




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