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Vorstoß für eine evangelische Kirche in Niedersachsen als „kontraproduktiv“ bewertet

Landessynode erteilt den Plänen zur Kirchenfusion eine klare Absage

Landkreis (ssr). Die schaumburg-lippische Landessynode hat Pläne zur Bildung einer evangelischen Kirche in Niedersachsen zurückgewiesen. Diese seien „verfrüht und kontraproduktiv“, heißt es in einer auf der Synodaltagung in Stadthagen einstimmig abgegeben Erklärung.

veröffentlicht am 10.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 21:21 Uhr

Der Vorstoß zur Fusion der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen war im März vom Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber gekommen. Daraufhin hatte die Synode der Konföderation niedersächsischer Kirchen alle Mitgliedskirchen zu Stellungnahmen aufgefordert.

In dem Votum der schaumburg-lippischen Synode wird auf die tiefe regionale und historische Verwurzelung der hiesigen Kirchengemeinden verwiesen. Zudem sei noch nicht erwiesen, dass Kirchenfusionen Kostenvorteile bringen. Nicht zuletzt komme der Vorstoß überraschend und werde als von oben verordnet empfunden.

„Wir fühlen uns überfahren“, kritisierte Synodenpräsident Klaus-Dieter Kiefer in der etwa einstündigen Debatte die Art und das Tempo des Vorstoßes. Denn die Beschlusslage der Konföderationssynode sehe indirekt bereits den Start eines Fusionsprozesses zum 1. September vor – ohne die Stellungnahmen der Landeskirchen abgewartet zu haben. Kiefer brachte das vom Synodenpräsidium ausgearbeitete Votum mit den Worten ein: „Wir können uns eine Fusion nicht vorstellen.“ Der Stadthäger Oberprediger Klaus Pönnighaus stimmte ein: „Wir fühlen uns überrollt, ich sehe überhaupt nicht, warum wir uns diesem Druck beugen sollten.“

Pönnighaus und andere Synodale verwahrten sich zudem gegen die Haltung der hannoverschen Landeskirche. Deren Synode hatte den Fusionsplänen am vergangenen Freitag zugestimmt. Dabei hatte Landesbischöfin Margot Käßmann mit Blick auf die kleineren Landeskirchen geäußert: „Entweder wir verfolgen dieses Ziel zügig, oder wir reduzieren das Gemeinsame auf das absolut Notwendige.“ Pönnighaus empört: „Das klingt fast wie eine Drohung.“

In der Debatte wurde mehrfach eingeräumt, dass die mit 60 000 Mitgliedern bei weitem kleinste Landeskirche in Niedersachsen in vielen Dingen, etwa bei der Pastorenausbildung und in der Diakonie, auf die Kooperation mit den größeren Nachbarn angewiesen sei. Diese Zusammenarbeit unabhängiger Landeskirchen gelte es in der Konföderation weiter zu auszubauen, betonte etwa Jan-Peter Hoth. Dieser Aspekt wird im Votum der Synode denn auch stark betont.

Landesbischof Jürgen Johannesdotter betonte, auch in anderen Bundesländern seien kirchliche und politische Grenzen nicht deckungsgleich. „Die Verwurzelung in unserer Region ist ein starkes Identitäts-Merkmal der Landeskirche Schaumburg-Lippe“, betonte der Bischof, „dazu kommt das lutherische Bekenntnis unserer Kirche.“




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