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Stint und Ukelei weggefressen

Lasergewehre als Waffen gegen Kormorane?

Steinhuder Meer (roc). Die Kormorane am Steinhuder Meer sind ein Problem - sagen die Fischer. Abhilfe sollen optische Signale schaffen - verspricht ein französischer Hersteller von Lasergewehren.

veröffentlicht am 17.07.2008 um 00:00 Uhr

Wo sind die Fische hin? "Früher war das halbe Meer voller Reusen, heute sind kaum noch welche zu sehen." Ortsbürgermeister Jürgen Engelmann denkt mit Wehmut an seine Jugend zurück. Die Fischbestände haben seitdem deutlich abgenommen. Hauptarten sind Hechte, Zander, Barsche, Karpfen, Schleien, große Brassen, Aale und Weißfischarten. Verschwunden sind Stint und Ukelei. Die kleinen Schwarmfische waren ursprünglich Grundnahrung für Zander, erläutert Fischer Detlef Hodann. Auch große Aale ernährten sich davon. Der Besatz überstieg das hundertfache des Besatzes mit Zander. Die kleinen Fische sind zum Ärger der Fischer von den Kormoranen weggefressen worden. Somit entstehe ihnen nicht nur ein hoher Schaden am Fangfisch im Steinhuder Meer, sondern auch die Nahrungskette werde gestört. "Das Steinhuder Meer ist ein empfindliches Gewässer. Mit einem ordentlichen Fischbesatz, auch mit kleinen Arten, hätten wir kein so großes Zuckmückenproblem und weniger Kraut", betont Engelmann. Sollten tatsächlich Fischer aufgeben, weil sich die Arbeit nicht mehr rentiert, dann schade dies auch dem Tourismus. Er hofft auf Unterstützung von der Region Hannover, damit die Anzahl der Kormorane reduziert werden kann. Die blau-schwarzen Vögel wurden 1979 mit einer EU-Richtlinie unter Schutz gestellt. Bundesweit geht der von den Vögeln angerichtete Schaden in die Millionen, weiß der SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Ortel, Präsident des Deutschen Fischereiverbandes. Freyfischerin Caren Marks hatte ihren Kollegen auf Grund der Klagen der Fischer eingeschaltet. Ortel schlug vor, den Einsatz von Lasergewehren zu genehmigen. In Mecklenburg-Vorpommern sei dies in - dem Steinhuder Meer - vergleichbaren Gebieten erlaubt. Die Kormorane sollen mit optischen Mitteln vertrieben werden. Die größte Wirkung werde in der Abenddämmerung, im Morgengrauen oder bei bedecktem Himmel erreicht, verspricht ein französischer Hersteller der Lasergewehre. Der starke Kontrast zwischen dunkler Umgebung der Nester und dem roten Laserstrahl störe die Vögel. Der Einsatz sei auch aus großer Entfernung - genannt werden mehr als zwei Kilometer - möglich. 90 Prozent der beschossenen Vögel verlassen angeblich innerhalb weniger Tage ihre Brutplätze. Allerdings sind am Steinhuder Meer eher die 6000überwinternden Vögel das Hauptproblem und nicht die rund 300 Brutpaare. Ein Gutachten aus Sachsen aus dem Jahr 2003 besagt zudem, dass das Vertreiben lediglich dafür sorgt, dass sich die Kormorane an anderen Teichen niederlassen. Der angerichtete Gesamtschaden für die Fischwirtschaft bleibe somit der gleiche. Und auch der erfolgreiche Einsatz des Lasergewehrs wird relativiert. Für die Steinhuder Fischer ist neben der erhofften Unterstützung bei ihrem Problem von Region und Land klar, die EU müsse sich des Themas endlich annehmen und für eine Regelung sorgen. Die Anzahl der Kormorane müsse auf ein erträgliches Maß reduziert werden.




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