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§ 29 legte fest: „Er darf sich nicht ohne Erlaubnis des Dienstherrn vom Hause entfernen“

Leben der Dienstboten im 19. Jahrhundert

Hameln. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es in Hameln ein reges gesellschaftliches Leben, wie die Einladung zum Kommers belegt. Allein das Einladungs-Comite umfasste nicht weniger als 14 Akademiker. Völlig getrennt davon das Leben der unteren Schichten, hier der Dienstboten. Die Dienstboten-Ordnung sah vor, dass jeder Dienstbote ein Dienstbuch zu führen hatte. Niemand durfte „bei Geldbuße bis zu 5 Thalern“ einen Dienstboten ohne Dienstbuch annehmen. Christian Eppenbur aus Hameln erhielt 1870 vom Magistrat der Stadt Hameln sein Dienstbuch.

veröffentlicht am 30.11.2009 um 11:27 Uhr
aktualisiert am 04.12.2009 um 12:54 Uhr

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Hameln. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab es in Hameln ein reges gesellschaftliches Leben, wie die Einladung zum Kommers belegt. Allein das Einladungs-Comite umfasste nicht weniger als 14 Akademiker. Völlig getrennt davon das Leben der unteren Schichten, hier der Dienstboten. Die Dienstboten-Ordnung sah vor, dass jeder Dienstbote ein Dienstbuch zu führen hatte. Niemand durfte „bei Geldbuße bis zu 5 Thalern“ einen Dienstboten ohne Dienstbuch annehmen. Christian Eppenbur aus Hameln erhielt 1870 vom Magistrat der Stadt Hameln sein Dienstbuch. Darin wurde ihm bescheinigt, dass er sich bisher gut betragen hatte und dass er befugt war, „sich zu vermiethen“. Das Dienstbuch enthielt insgesamt 74 §§ der Dienstboten-Ordnung. Die Pflichten der Dienstboten waren in 12 Paragraphen geregelt, wobei die erste Pflicht (§ 23) lautete: „Der Dienstbote ist dem Dienstherrn und Denen, welche in dessen Namen handeln, Gehorsam, Treue und Ehrerbietung schuldig, auch zum Fleiß, zur Aufmerksamkeit und Wahrhaftigkeit im Dienste verpflichtet. Er muss Verweise mit Bescheidenheit aufnehmen.“ § 29 legte fest: „Er darf sich nicht ohne Erlaubnis des Dienstherrn vom Hause entfernen.“ Für die Pflichten des Dienstherrn reichten drei Paragraphen aus, wobei im ersten (§ 35) verfügt war: „Der Dienstherr hat den Dienstboten zu sittlichem Betragen anzuhalten und ihm zum Gottesdienste die nöthige Zeit zu lassen.“ Ausführlich waren außerdem Lohn, Kost und Kleidung, Entlassung und Erkrankung geregelt. Beim Verlassen des Dienstes wurde vom Dienstherrn ein Zeugnis in das Dienstbuch eingetragen. Fleiß, Treue und sittliches Betragen waren vom Dienstherrn zu beurteilen. Das Zeugnis musste der Polizei vorgelegt werden und wurde von dieser mit einem Stempel versehen. Christian Eppenbur aus Hameln hatte – wie sein letztes Zeugnis ausweist – seine Aufgaben sehr gut erledigt. Allerdings schien er nach „Höherem“ zu streben. Er verließ den Dienst und ging zum Militär, wie sein Dienstherr im Jahr 1874 im Dienstbuch vermerkte.




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