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Manuel Meyer entwirft Ring für engagierten Schuh-Unternehmer / Glaube bildet die Ausgangsidee

Leibniz und Deichmann in Form gebracht

Hameln (tk). Gold liegt bei Manuel Meyer in der Familie. Der 23-Jährige wuchs quasi mit Feingold, Kupfer und Lötkolben auf. Denn sein Vater Günther ist Goldschmied und betreibt die Galerie Unique in der Wendenstraße. Keine Frage also, dass Manuel das Handwerk ergriffen hat und mittlerweile äußerst erfolgreich ist.

veröffentlicht am 20.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 23.11.2009 um 09:30 Uhr

Seit drei Jahren hat der Geselle in der Hamelner Schmuckwerkstatt Manu seinen Arbeitsplatz. In einer dicken Holzplatte ist eine sichelförmige Öffnung eingefräst. Manuel sitzt davor auf einem niedrigen Hocker, die Tischkante reicht ihm bis zur Schulter. Auf einem vorspringenden Holm hält er einen Armreif gedrückt und feilt daran. „Zu diesem Beruf gehört viel Augenmaß und Feingefühl.“ Für Grobmotoriker sei das nichts, erklärt er. Den Reif trimmt er nach der aktuellen Mode: Bi-Color, also Gold mit Silber. Sein persönliches Lieblingsmaterial ist Weißgold. „Nicht wegen der Verarbeitbarkeit, aber wegen der schönen mattgrauen Farbe.“ Allerdings sei das Edelmetall zu teuer, um damit zu experimentieren. Er greift daher gerne auch zu Silber. Gerade dann, wenn er seine eigenen Entwürfe umsetzen will. Einen Plan hat er selten im Kopf, „irgendwie ist die Idee einfach da“, sagt er.

Das beginnt schon mit der Materialwahl. Palladium, Platin oder doch lieber eine eigene Legierung aus Silber und Kupfer? Sein Steckenpferd sind mechanische Schmuckstücke, also solche, in die bewegliche Elemente eingearbeitet sind. Das hat er auch bei seinem letzten aufwendigen Schmuckstück umgesetzt. Die Aufgabe: Den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) und die Stadt Hannover thematisch in einem Ring zu verbinden. „Leibniz-Ring“ nennt sich das Projekt. Der jährliche Wettbewerb für Goldschmiede wird vom Presse Club Hannover ausgeschrieben.

Manuel war dieses Jahr zum ersten Mal dabei und tritt damit in die Fußstapfen seines Vaters, der den Preis schon zweimal gewonnen hat. „Das spornt an“, meint Manuel salopp. Jedes Jahr wird der Ring an eine Persönlichkeit aus Wirtschaft, Politik und Kultur verliehen. Roman Herzog hat ihn schon erhalten, ebenso Hans-Jochen und Bernhard Vogel oder der italienische Staatspräsident Georgio Napolitano. Dr. Heinz-Horst Deichmann ist dieses Jahr der Preisträger.

Mit ihm und seinem sozialen Engagement hat sich Manuel im Vorfeld intensiv beschäftigt und interessante Parallelen zu Leibniz festgestellt: „Beide sind fest mit dem Glauben verbunden.“ Leibniz, weil er als Naturwissenschaftler zwischen den Stühlen des Glaubens und der Wissenschaft stand und zu vermitteln suchte. Deichmann, weil er als erfolgreicher Unternehmer der internationalen Schuhkette an Ethik und sozialer Verantwortung festhält. „Er finanziert das Sozialwerk ,Wort und Tat‘ und unterstützt Kinder und Jugendliche in Afrika“, erzählt Manuel. „Das tut er nicht, weil er das Geld dafür hat, sondern aus seinem Glauben heraus.“

Der Glaube sollte im Mittelpunkt von Manuels Entwurf stehen. Erst übte er an zwei Versuchsstücken, verwarf die eine oder andere Idee, und fand dann zur endgültigen Form. Ein schlichter Ring aus 750er Gold. In der Mitte hat er eine Schiene eingelassen. Den Außenring durchbricht eine runde, bewegliche Öffnung. An ihrem Boden ist eine Platinplatte eingelassen. Auf dieser steht in drei Sprachen das Wort „Glaube“. Den Schriftzug hat er mit Feingold ausgegossen. Den Ring gibt es allerdings nur auf Papier.

„Früher wurden alle Ringe noch angefertigt“, erklärt Manuel. „Heute wird das nur noch mit dem Gewinnerring gemacht.“ Denn bei den heutigen Preisen für Gold sei es undenkbar, alle Ringe anzufertigen. Allein das Material für seinen Ring hätte 1000 Euro gekostet. Vom Zeitaufwand mag Manuel gar nicht reden. Eine Woche von der Konzeption bis zur Umsetzung – kaum zu leisten für einen Selbstständigen.

Als Manuel seinen Entwurf und sein Gedankenpapier über die beiden „Glaubensbrüder“ abschickte, konnte er nicht ahnen, welchen Erfolg er bei der Jury haben würde. Er fuhr am 10. November nach Hannover ins Kestner-Museum. Dort waren alle Entwürfe ausgestellt. Dann wurde Manuel auf die Bühne gerufen: „Platz 2 für den Gesellen aus Hameln.“ 500 Euro, 150 Gramm Feingold und die Motivation, auch nächstes Jahr dabei zu sein, gab es für seine Leistung. „Und beim nächsten Mal, da trägt der Preisträger meinen Ring“, ist sich Manuel sicher.

Manuel Meyer ist mit Gold und Kupfer groß geworden. Dieses Jahr hat er am Goldschmiede-Wettbewerb „Leibniz-Ring“ mitgemacht. Seine Kollegin Marianne Konath war schon 2008 dabei und wurde Fünfte.

Foto: tk




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