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In der Schulbibliothek des Ernestinums drängeln sich verstärkt Fantasy, Krimis und "Problembücher"

Lesetipps von Mitschülern gelten am meisten

Rinteln (cok). Neben der Cafeteria ist wohl die Schulbibliothek der beliebteste Ort im Gymnasium Ernestinum. Das liegt auch daran, dass Bibliotheksleiterin Berit Grallert für ausgesprochen anregenden Lesestoff sorgt und ziemlich genau weiß, was das Herz von Leseratten höher schlagen lässt. "Ja, in den letzten Jahren hat sich hier einiges geändert", meint sie. "Fantasyromane sind der absolute Renner, und es ist noch gar nicht so lange her, da hatten wir davon nicht viel mehr als den ?Herrn der Ringe'."

veröffentlicht am 20.12.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:19 Uhr

Klar, wer für diesen Boom verantwortlich ist: Der große J.R.R. Tolkien selbst, beziehungsweise Peter Jacksons geniale Verfilmung des Fantasy-Klassikers, und natürlich die in viel zu großen Abständen erschienenen "Harry Potter"-Bände, die bei vielen Jugendlichen eine wahre Sucht nach weiteren fantastischen Geschichten auslösten. "Mir gefällt der Gedanke, dass die Schüler bei uns Bücher finden, die einen Ausgleich zur Schule bilden, in die sie abtauchen können", sagt die Bibliothekarin. "Viele Vorschläge - und die nehme ich gerne an - kommen von Jugendlichen, die extra dafür die Buchhandlungen durchstreifen. Im Fantasybereichsind sie besonders fit und sie freuen sich sehr, wenn ihr Vorschlag dann tatsächlich hier zu finden ist." So drängeln sich auf dem großen Präsentationstresen nicht nur die in kürzester Zeit selbst schon zu Klassikern herangereiften Wälzer wie Cornelia Funkes "Drachenreiter", die "Eragon"-Bände oder Eoin Colfers junger hochbegabter Bösewicht "Artemis Foul" und die zauberhafte Unterweltelfe Holly, sondern auch neue Titel. "Charly Bone" kann mit seinen Zauberfähigkeiten den Lauf der Welt verändern, in "Epic" tragen die Menschen ihre Konflikte nicht im wirklichen Leben, sondern in einem mittelalterlichen Rollenspiel am PC aus, und in Isabel Abedis "Verbotene Welt", Grallerts eigenem Favoriten, gibt es eine magische Lampe, mit der alle Wesen geschrumpft werden können. Nun ist es aber nicht so, dass die Fantasy-Romane keinerlei Konkurrenz hätten. Die Bücher aus der Reihe "Freche Mädchen - Freche Bücher", die "laufen wie verrückt", witzige Alltagsgeschichten rund um Liebe, Schule und Konflikte unter Freundinnen sind Lesefutter pur und die Mädchen reißen sie sich aus den Händen. Die Jungs dagegen sind ganz wild auf Thriller wieDan Browns "Sakrileg" oder Frank Schätzings Schwarm: "Das lesen auch Schüler, die man sonst nicht so oft hier sieht." Wer einmal Feuer gefangen hat, kommt immer wieder, um zu fragen, was man denn sonst noch so lesen könnte. Dazu gehören auch die sogenannten "Problembücher", in denen von authentischen Erfahrungen rund um Drogen, Heim, Kriminalität oder Magersucht erzählt wird. Was die Romane "echter Klassiker" betrifft, die sind nicht ganz so gefragt und werden meisten nur für schulische Belange ausgeliehen. Trotzdem sind die aktuellen Neuerscheinungen natürlich im Angebot, Günther Grass etwa und Philip Roths "Jedermann". Und immer wieder mogelt Berit Grallert eine Auswahl aus den "100 besten Büchern" oder Empfehlungen von Elke Heidenreich auf den Tresen. Die Chancen, dass auch erst Unbekanntes schließlich doch seinen Weg zu den Schülern findet, sind immer dann besonders gut, wenn kleine Empfehlungen der Gleichaltrigen beigelegt sind, wie sie manchmal entstehen, wenn Berit Grallert "Lesekisten" für Schulklassen zusammenstellt. "Was da gelobt wird, kann schnell zum Selbstläufer werden." Sie selbst findet im Moment den neusten Krimi von Anne Holt "Was niemals geschah", besonders faszinierend, die Chronik eines angekündigten Mordes. Und da keine Viertelstunde vergeht, dass sie nicht um einen guten Rat gebeten wird, ist das Buch auch meistens ausgeliehen. Zum Glück ist bald Weihnachten.Die wirklichen Lieblingsbücher, die möchten die meisten ja doch am liebsten ihr eigen nennen.




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