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Die Freundschaft bleibt

Letzter plattdeutscher Theaternachmittag in Kleinenbremen

KLEINENBREMEN. Die plattdeutschen Theaternachmittage in Kleinenbremen sind Geschichte. Zum 30. und letzten Mal ist dort am Sonntag auf Einladung der Feuerwehr die Laienspielgruppe des SC Grün-Weiß Großenvörde aufgetreten.

veröffentlicht am 12.02.2019 um 15:23 Uhr
aktualisiert am 12.02.2019 um 19:10 Uhr

Nach der letzten Vorstellung verteilt Gerhard Oberheide, Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr, Blumen an die Laienspieler. Foto: ly

Autor:

Stefan Lyrath
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Gäste und Gastgeber blicken mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück.

„Es bisschen Wehmut ist schon dabei“, sagt Friedhelm Siemann, seit 20 Jahren der Regisseur. „Man hat nette Leute kennengelernt, viele sind einem ans Herz gewachsen, Freundschaften entstanden.“ Während die Laienspieler in ihrem Heimatort, wo sie fest verwurzelt sind, keinen Grund zum Klagen haben, gilt laut Siemann andernorts fast überall: „Auswärts wird’s weniger.“ Der Grund: „Die Älteren sterben aus, die Jungen haben mit Plattdeutsch nichts mehr am Hut.“ Etliche Termine hätten deshalb schon abgesagt werden müssen.

Die Nähe zum Publikum hat Siemann in Kleinenbremen immer besonders gefallen. Die Schauspieler saßen quasi mittendrin im Publikum. Sehr gut sei auch die Unterstützung durch die gastgebende Löschgruppe Kleinenbremen-Wülpke gewesen. Zum Schluss lädt der Regisseur das Publikum für das kommende Jahr nach Großenvörde ein, einen Ortsteil von Warmsen.

Witzig und turbulent: „Kaviar dreppt Currywost“ auf der Bühne in Kleinenbremen. Foto: ly

„Ich fahre nach Warmsen“, kündigt der Kleinenbremer Uwe Westermann an, einer von rund 150 begeisterten Zuschauern. Er und seine Frau Christine Niewöhner sind begeistert vom Witz des Stückes. Beide bedauern, dass jetzt für immer Schluss sein soll. „Das ist ein Verlust für Kleinenbremen“, meint Christine Niewöhner. Nicht nur das Stück, eine Komödie in drei Akten, hat dem Publikum gefallen. „Auch der Saal ist gemütlich hergerichtet“, macht das Ehepaar den Wehrleuten ein Kompliment.

Vielleicht hätte der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr länger an der Tradition (seit 1990) festgehalten, wenn es immer so voll gewesen wäre wie am Sonntag: Im Saal der früheren Gaststätte „Zur Schönen Aussicht“ waren kaum noch Plätze frei. Die Zuschauer amüsierten sich köstlich über das neue Stück „Kaviar dreppt Currywost“, in dem Erna Wutschke auf der Suche nach einem Geldgeber für ihre heruntergekommene Kneipe sucht.

In den vergangenen Jahren vor dem Aus hatte sich die Zuschauerzahl jedoch eher bei etwa 100 eingependelt – ungefähr halb so viele wie zu Spitzenzeiten in der zwischenzeitlich geschlossenen Dorfkneipe. Vorher, als die Theaternachmittage noch im Dorfgemeinschaftshaus gastierten (bis einschließlich 2001), waren es sogar bis zu zahlende 250 Gäste, doch das ist schon lange Vergangenheit.

„Es ist schwierig, die Kleinenbremer zu aktivieren“, hat Uwe Westermann festgestellt. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass mehr Leute von woandersher kommen.“ So oder so: Die Feuerwehr wollte einen sauberen Schnitt machen und nicht erleben müssen, dass eines Tages vielleicht nur noch 50 Zuschauer im Saal sitzen.

„Nun können wir die Veranstaltung in schöner Erinnerung behalten“, sagt Gerhard Oberheide, Vorsitzender des Fördervereins.




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