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Vor Gericht: Staatsanwalt fordert vier Jahre und acht Monate Haft für mutmaßlichen Leasing-Betrüger

„Letztes Geld aus der Tasche gezogen“

Bückeburg. Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Betrüger, der in Bückeburg reihenweise Kunden mit Leasing-Verträgen für Autos abgezockt haben soll, hat Oberstaatsanwalt Frank Hirt am Freitag vier Jahre und acht Monate Haft gefordert. Verteidiger Alexander Kienzle plädierte auf Freispruch. Das Urteil der 1. Großen Strafkammer des Bückeburger Landgerichts soll am Donnerstag verkündet werden.

veröffentlicht am 24.01.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 20:22 Uhr

In dem Prozess geht es noch um 17 von ursprünglich 30 Fällen, nachdem ein Teil eingestellt worden ist. Der Schaden soll bei 50 000 Euro liegen. Ein Auto sei in keinem Fall finanziert und geliefert worden. Aus Sicht der Anklage ist es dem Leasing-Unternehmer nur darum gegangen, Vorauszahlungen zu kassieren, in der Regel zehn Prozent vom Kaufpreis. Verträge seien nach Überweisung des Geldes gekündigt worden. Angelockt wurden Kunden mit dem Versprechen: „Auto-Leasing ohne Schufa“.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, „planvoll, raffiniert und skrupellos vorgegangen“ zu sein. „Kunden, die ohnehin Schwierigkeiten hatten, ein Fahrzeug zu finanzieren, zog er das letzte Geld aus der Tasche“, so Hirt. Im Plädoyer beantragte der Oberstaatsanwalt gleichzeitig den Erlass eines Haftbefehls, weil der Gedanke an eine mehrjährige Haftstrafe „Fluchtgefahr auslösen“ könne. In Hamburg gebe es weitere Verfahren, außerdem reise der Angeklagte häufig nach Thailand.

Laut Verteidiger Alexander Kienzle hat Hirts Antrag seinen Mandanten „schockiert“, schließlich sei dieser immer zur Verhandlung gegangen.

Verhandelt wird seit Oktober. Geprägt war Kienzles Schlussvortrag von heftigen Angriffen gegen Hirt, dem er vorwirft, Dinge unter den Tisch fallen zu lassen und sich „nach dem Prinzip des Rosinenpickens das Beste aus den Aussagen rauszusuchen“. Hirt hatte eine Reihe von Indizien gegen den Angeklagten aufgezählt, die der Verteidiger danach zu widerlegen versuchte. Kienzle: „Gott sei Dank haben wir es nicht mit einem Gericht zu tun, das sich vor der Auseinandersetzung mit Einzelheiten scheut.“

Falls die Kammer dem Antrag Hirts folgt, würden sechs Monate Haft bereits als verbüßt gelten, weil sich das Verfahren so lange hingezogen hat. Zur Last gelegt wird dem Angeklagten gewerbsmäßiger Betrug. In seinem Schlusswort sprach der Wahl-Hamburger selbst von einem Komplott früherer Mitarbeiter. Zwei davon sollen am Telefon beschlossen haben: „Den bringen wir in den Knast.“ ly




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